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Grube benennt Führungsmannschaft : Der Vorstand der Bahn formiert sich neu

  • -Aktualisiert am

Künftig ein Bahn-Mann: Evonik-Arbeitsdirektor Ulrich Weber Bild: dpa

Der Umbau der Bahn-Führung nach der Datenaffäre nimmt Formen an: Der bislang bei Evonik beschäftigte Ulrich Weber soll neuer Personalvorstand werden. Karl-Friedrich Rausch und Ulrich Homburg erhalten Vorstandsposten und Gerd Becht wechselt von Daimler in die Chefetage der Bahn.

          Der Vorstand der Deutschen Bahn AG nimmt nur wenige Tage nach dem Ausscheiden von vier Vorstandsmitgliedern neue Konturen an. Der Bahn-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller will auf der außerordentlichen Sitzung am 25. Mai mit den beiden Externen Gerd Becht (Daimler) und Ulrich Weber (Evonik) sowie den beiden Bahnmanagern Karl-Friedrich Rausch und Ulrich Homburg die Vakanzen schließen. Während Bahnchef Rüdiger Grube, seit Monatsanfang Nachfolger Hartmut Mehdorns, seinen früheren Daimler-Kollegen Becht zum Jahreswechsel in einem künftig eigenständigen Ressort mit der Verantwortung für Datenschutz und Korruptionsbekämpfung betrauen will, hat Müller seinem früheren Arbeitgeber, dem Essener Chemie- und Energieunternehmen Evonik, Arbeitsdirektor Weber abgeworben. Dies verlautete am Montag aus Bahnkreisen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ferner soll der 57 Jahre alte Karl-Friedrich Rausch, ehemaliger Lufthanseat und seit sechs Jahren Bahn-Vorstand für Personenverkehr, künftig für die Sparte Logistik und Güterverkehr zuständig sein. Auf Rauschs Posten wechselt nun der 53 Jahre alte Ulrich Homburg, der bisher unterhalb der ersten Führungsebene als Vorstandsvorsitzender der Tochtergesellschaft DB Regio den Nahverkehr der Bahn leitete.

          Rausch übernimmt damit jene Sparte, in der sich die Wirtschaftskrise schon am stärksten bemerkbar macht. Ein Drittel der etwa 100.000 Güterwaggons steht derzeit ungenutzt, die Zahl der Kurzarbeiter soll von 5000 auf 7000 steigen. Auch im internationalen Luft- und Seeverkehr verzeichnet die Deutsche Bahn drastische Rückgänge. Um den Regionalverkehr muss sich der Vorstand ebenfalls sorgen. Von den Ausschreibungen konnte die Bahn im vergangenen Jahr nicht einmal 30 Prozent gewinnen. Der einstige Monopolist im Nahverkehr - bisher eine Sparte mit verlässlichen Gewinnen - verliert schneller als erwartet gegen die Konkurrenz an Boden.

          Bahnmanager Ulrich Homburg: Von der Tochtergesellschaft DB Regio zum Vorstand für Personenverkehr

          Weber ersetzt zwei Personalvorstände

          Wie in Berlin zu hören ist, soll Ulrich Weber auf Vorschlag der Bahngewerkschaften so bald wie möglich die Aufgaben der beiden Personalvorstände Margret Suckale und Norbert Hansen übernehmen. Grube führt damit die im Zuge des geplanten Börsengangs aufgespaltenen Personal-Posten im DB-Konzern und in der Tochtergesellschaft DB Mobility Logistics wieder zusammen - aus Gründen der Praktikabilität, wie es heißt. Hansen hatte Aufsichtsratschef Müller wegen einer schweren Erkrankung um die Auflösung seines Vertrages geboten. Frau Suckale wird zum Chemiekonzern BASF wechseln.

          Der bedächtige, in Arbeitmarktsthemen kompetente Weber ist kein Funktionär, aber in Gewerkschaften gut vernetzt und mit Spitzenfunktionären wie Hubertus Schmoldt, dem Vorsitzenden der IG Bergbau Energie Chemie, gar befreundet. In Müllers Jahren im RAG-Konzern war Weber immer doppelt wichtig. Von 2003 an galt es zunächst, nach tiefen Personaleinschnitten - besonders im Steinkohlenbereich - die Ruhe in der Belegschaft zu wahren. Noch stärker war der Personalvorstand gefordert, als aus den Nicht-Kohleaktivitäten in nur wenigen Monaten die neue Gesellschaft Evonik Industries geschaffen wurde. Da wurden nicht nur unterschiedliche Kulturen wie die des Chemiekonzerns Degussa AG und des Stromerzeugers Steag in einer neuen Marke zusammengeführt. Noch radikaler war die Zusammenfassung von drei Verwaltungen aus rechtlich selbständigen Unternehmen in einer neuen Konzerndienstleistungsgesellschaft. Während bei ähnlicher Aufgabe Mitarbeiter von Thyssen-Krupp in den vergangenen Monaten auf die Straße gingen, vollzog sich dieser Prozess unter Weber völlig geräuschlos. Auch bei Rheinbraun erreichte er die kräftigen Personalanpassungen durchweg sozialverträglich und immer ohne demonstrative Auftritte der Arbeitnehmer.

          Bei der Bahn erwarten den 59 Jahre alten gebürtigen Krefelder Weber, der von Hause aus Jurist ist, nicht nur mehrere tausend Kurzarbeiter im Güterverkehr. Der neue Personalvorstand muss auch den 2010 auslaufenden Beschäftigungspakt erneuern. In Zeiten der Wirtschaftskrise könnte sich selbst die staatseigene Bahn mit dem weiteren Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen schwertun. Außerdem steht auch im nächsten Jahr wieder eine Entgeltrunde an. Die vorletzte Runde mit den heftigen Lokführerstreiks ist nicht nur Eisenbahnern noch intensiv im Gedächtnis.

          Grubes Daimler-Kollege Becht, 57 Jahre alt und ebenfalls Jurist, soll im Zuge der Aufarbeitung der Datenaffäre die stets in einem Spannungsverhältnis stehenden Aufgaben Datenschutz und Korruptionsbekämpfung neu organisieren. Schon bei Daimler fungierte er seit 2008 als „Chief Compliance Officer“, zuvor leitete er dort die Rechtsabteilung.

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