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Groupon : Rabattplattform erlebt weiteren Rückschlag

Groupon: Der Umsatz reduziert sich um 14 Millionen Dollar und der Nettoverlust weitet sich um 23 Millionen Dollar aus Bild: dapd

Das Rabattportal Groupon meldet nachträglich höhere Verluste. Kunden haben mehr Gutscheine zurückgegeben als erwartet. Die Korrektur könnte juristische Konsequenzen haben.

          Die amerikanische Rabattplattform Groupon hat sich einen schweren Patzer in ihrer Finanzberichterstattung geleistet und damit ein weiteres Mal für Aufsehen wegen ihrer Bilanzierungsmethoden gesorgt. Das Unternehmen kündigte am Freitag nach Börsenschluss an, den Bericht für das vierte Quartal nachträglich korrigieren zu müssen. Es war der erste Quartalsbericht, den Groupon nach seinem Börsengang im November veröffentlicht hat. Grund für die nachträgliche Korrektur sind höher, als erwartete Rückerstattungen an die Käufer der Gutscheine, die Groupon anbietet. Die Korrektur reduziert die ursprünglich gemeldeten Umsätze, sie erhöht den Nettoverlust, und sie sorgt dafür, dass der positive operative Gewinn komplett ausgelöscht wird.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Groupon gab in einer Mitteilung außerdem zu, „erhebliche Schwächen in den internen Kontrollen“ mit Blick auf die Finanzberichterstattung des vergangenen Jahres entdeckt zu haben. Um diese Schwächen auszumerzen, soll nun unter anderem mehr Personal für die Finanzabteilung eingestellt werden. Der Aktienkurs von Groupon rutschte am Freitag nachbörslich zeitweise um 6 Prozent auf 17,25 Dollar ab. Die Groupon-Aktien kamen im vergangenen November zu einem Ausgabepreis von 20 Dollar an die Börse, und der Kurs legte zunächst deutlich zu. Zuletzt notierten sie aber deutlich unter dem Ausgabepreis.

          Schon vor Börsengang im Zwielicht

          Groupon gehörte in den vergangenen Jahren zu den Senkrechtstartern der Internetbranche. Das Unternehmen verkauft Gutscheine, die dramatische Preisnachlässe von oft 50 Prozent und mehr für Restaurantbesuche, Yoga-Kurse oder Reisen bringen. Groupon teilt sich die Einnahmen aus dem Verkauf der Gutscheine mit den Anbietern der Produkte oder Dienstleistungen. Groupon ist mit seinen Schnäppchenangeboten rasant gewachsen, und der Börsengang wurde mit Spannung erwartet. Aber schon im Vorfeld der Premiere an der Wall Street geriet das Unternehmen wegen aggressiver Bilanzierungsmethoden ins Zwielicht. Die Börsenaufsicht SEC störte sich zum Beispiel an einer im Börsenprospekt verwendeten Gewinnkennzahl, die Marketingkosten zur Akquisition neuer Kunden herausrechnet. Groupon sah sich zudem gezwungen, seinen Umsatz völlig neu zu definieren und die vormals in der Kennzahl enthaltenen Provisionen, die an die Partner abgeführt werden, herauszurechnen.

          Der im Februar vorgelegte erste Quartalsbericht nach dem Börsengang wurde von den Finanzmärkten mit Enttäuschung aufgenommen. Groupon meldete zwar einen überraschend großen Umsatzsprung von 172 Millionen auf 503 Millionen Dollar. Aber die Ergebniskennzahlen enttäuschten, und Groupon wies einen Nettoverlust von 43 Millionen Dollar aus.

          Teurere Gutscheine werden häufiger zurückgegeben

          Mit der nun gemeldeten Korrektur trübt sich das Bild weiter ein. Groupon begründet den Schritt damit, dass im vierten Quartal mehr Kunden gekaufte Gutscheine wieder zurückgegeben und damit die Erstattungspolitik des Unternehmens in Anspruch genommen haben. Groupon stellt einen Teil seiner Umsätze für solche Erstattungen zurück.

          Allerdings seien die Rückgaberaten für die im vierten Quartal verkauften Gutscheine höher ausgefallen als erwartet. Groupon führt dies auf eine Veränderung beim Produktmix hin zu mehr höherpreisigen Gutscheinen zurück, etwa Laserbehandlungen am Auge. Das Unternehmen habe nun festgestellt, dass solche teureren Gutscheine häufiger zurückgegeben werden.

          Nach der Mitteilung vom Freitag reduziert sich der Umsatz um 14 Millionen Dollar, und der Nettoverlust weitet sich um 23 Millionen Dollar aus. Das operative Ergebnis, das im Februar noch mit 15 Millionen Dollar angegeben wurde, wird nun um 30 Millionen Dollar reduziert - somit ergibt sich ein operativer Verlust von 15 Millionen Dollar. Die Korrektur könnte nun für Groupon auch juristische Konsequenzen haben. Eine ganze Reihe von Anwaltskanzleien, die auf Aktionärsklagen spezialisiert sind, gaben schon entsprechende Pressemitteilungen heraus und kündigten an, die Bilanzierungsfehler auf etwaige Verstöße gegen Wertpapiergesetze zu untersuchen.

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