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Großübernahmen dementiert : Wirbel um Fehlmeldung in Japan

Doch kein unbekannter neuer Investor bei Sony Bild: AFP

Am Freitag teilte das bisher unbekannte Unternehmen Teramento mit, es habe die Mehrheit an mehreren Konzernen - darunter Sony und Toyota - erworben. Die Falschmeldung auf der Internetseite der japanischen Finanzaufsicht hat die Finanzwelt in Aufregung versetzt. Jetzt werden Konsequenzen gefordert.

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          Die japanische Finanzgemeinde rätselt über einen schlechten Scherz, dessen Hintergründe noch unklar sind. Am Freitag, kurz nach Handelsschluss an der Börse in Tokio, gab die Teramento Corporation aus Kawasaki über ein elektronisches Meldesystem der Finanzaufsicht bekannt, es habe die Mehrheit an Toyota, Sony und vier weiteren japanischen Großunternehmen erworben, und hat damit die japanische Finanzwelt in Aufregung versetzt.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Investment beliefe sich auf rund 20 Billionen Yen, rund 126,6 Milliarden Euro; wobei die Kapitaleinlage von Teramento gerade mal 1000 Yen (rund 6 Euro) beträgt. Die alarmierte Finanzaufsicht hat die Meldung über das Wochenende geprüft und als falsch eingestuft. Auch die betroffenen Konzerne dementierten sofort.

          Es drohen fünf Jahre Gefängnis

          Es gebe keine Anzeichen, dass Teramento die Anteile gekauft habe, teilte die Aufsichtsbehörde mit. Sie ordnete an, dass das Start-Up-Unternehmen die Angaben umgehend berichtige. Auf derartige falsche Angaben drohen in Japan Gefängnisstrafen bis zu 5 Jahren oder bis zu 5 Millionen Yen Strafe.

          Derweil wird in Japan Kritik an dem elektronischen Meldesystem für Anteilskäufe laut. Auf der im April vergangenen Jahres gestarteten Internetseite der Finanzaufsichtsbehörde sollen Investoren Beteiligungskäufe veröffentlichen, die fünf Prozent des Kapitals eines börsennotierten Unternehmens überschreiten.

          Wie sich am Beispiel Teramento zeigt, kann jede Firma fast ohne Kontrolle irgendwelche Erklärungen auf der Seite veröffentlichen. Dafür genügt die Anmeldung bei der Finanzaufsichtsbehörde. „Wir haben nicht gedacht, dass irgend jemand oder irgend eine Firma dabei auch etwas Böses im Sinn haben könnte“, sagte ein Vertreter der Behörde. Der Präsident des Wirtschaftsverbandes Keidanren, Fujio Mitarai, sagte am Montag in Tokio, ein System, dass solche Fehler zulasse, müsse in Ordnung gebracht werden.

          Geschäftsführer mit Gelegenheitsjobs

          Die Beweggründe der Firma Teramento blieben im Dunkeln. „Ich leite ein Unternehmen, aber ich lebe davon, dass ich Gelegenheitsjobs annehme“, sagte der Geschäftsführer der Firma der Zeitung „Yomiuri Shimbun“. Er habe nicht gewusst, dass seine auf der Seite der Finanzaufsicht gemachte Erklärung auch veröffentlicht werde. Teramento hatte angegeben, es halte die Mehrheit an Toyota Motor Corp., Sony Corp., Nippon Telegraph and Telephone Corp., Mitsubishi Heavy Industries Ltd., Fuji Television Network Inc. und Astellas Pharma Inc.

          Teramento wurde im November vergangenen Jahres ins Handelsregister eingetragen; das Unternehmen gab damals an, es entwickele und vertreibe Informationssysteme, auch erwerbe es Unternehmensbeteiligungen. Die japanische Finanzaufsichtsbehörde hat nun angekündigt, dass sie das Meldesystem sicherer machen will, um Missbrauch zu verhindern.

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