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Großstadt in Aufbruchstimmung : Hamburg gewinnt die große Kistenschlacht

Ein Schiff ist gekommen - Hamburg boomt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Hansestadt hat rechtzeitig auf die Wunderkisten des Welthandels gesetzt und ein Containerterminal gebaut. Jetzt profitiert der größte Hafen von Österreich, Ungarn und der Slowakei von der Globalisierung und leistet sich einen Stadtteil und eine Oper.

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          Aus Michaels Ziehharmonika erklingt die Untertreibung des Jahres: "Ein Schiff wird kommen." Das Wasser des Alsterfleets, der Hamburgs Binnenhafen mit der Alster verbindet, verschluckt die schrägen Töne des bulgarischen Straßenmusikers.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Ein Schiff wird kommen? Es sind 20.000, die Hamburg Jahr für Jahr anlaufen, die kleinen nicht mitgerechnet. Rund 12.000 davon kommen aus der Nordsee die Elbe herunter. Mehr als die Hälfte haben Pazifik oder Atlantik überquert.

          Hamburg erlebt einen Boom

          Hamburg erlebt, verdeckt durch die stählernen Schiffswände der dicken Containerpötte, einen Boom, den so niemand vorausgesagt hatte. Der Frachtumschlag des Hamburger Hafens hat sich in 25 Jahren verdoppelt. Und bis 2015 wird er das noch einmal tun, wenn alles gut läuft. Und so sieht es im Moment aus.

          Michael quetscht sein Schifferklavier noch einmal kraftvoll: "...so stehe ich Abend für Abend hier am Kai / und warte auf die fremden Schiffe / Aus Hongkong, aus Java, aus Chile und Schanghai." Hier stimmt das Lied. Handel mit Fernost? Plus 70 Prozent seit 2002. Containerumschlag mit dem Oststeeraum? Plus 65 Prozent.

          Sieger der Globalisierung

          "Old Economy mit den Wachstumsraten der New Economy", frohlockt Florian Marten. Er ist Sprecher der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Sie betreibt drei Containerterminals im Hafen und fertigt damit zwei von drei Seeschiffen in der Hansestadt ab. Dieses Unternehmen im Eigentum der Stadt Hamburg ist ein Sieger der Globalisierung.

          Kein Wunder, daß Bahnchef Hartmut Mehdorn seinen begehrlichen Blick darauf geworfen hat. Der Bahnchef würde gerne ein bißchen stärker von jenem Wirtschaftswunder profitieren, das die globale Logistik zur Zeit erlebt. Deshalb hat er angeboten, für den Zuschlag die DB-Zentrale von Berlin nach Hamburg zu verlegen. Jetzt macht die Bundesregierung der Bahn erst mal einen Strich durch die Rechnung.

          Berlin hat einen Pyrrhussieg errungen

          Und nun? Katerstimmung an der Elbe? "Dummes Tüüch" wäre wohl die Antwort auf Hamburger Platt. Trostbekundungen sind fehl am Platz. Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall, einer der Strippenzieher des Bahn-Deals, ist energisch, liberal und vital. Wie ein Verlierer sieht er nicht aus. "Berlin hat einen Pyrrhussieg errungen", sagt der Senator und ergänzt gelassen: "Was ökonomisch sinnvoll ist, sollte die Politik nicht verhindern. Die Vernunft wird siegen." Und für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der trickreich gegen den Bahn-Deal kämpft, hat Uldall ein paar spöttische Worte übrig: "Wowereit hat unsere Hafengesellschaft, die vorher keine kannte, bekannt gemacht. Danke schön."

          Uldall und seine Kollegen im Senat würden das Geschäft mit der Bahn gerne machen, weil sie Geld brauchen für den Ausbau des Hafens. Die Terminals müssen effizienter und größer werden, um die erwartete zusätzliche Fracht aus dem Welthandel aufzunehmen.

          Rechtzeitig auf die Wunderkisten des Welthandels gesetzt

          Der Wiederaufstieg der Hansestadt hat viel mit Dusel und mit einem Vorort zu tun, den der anständige Hanseat gewöhnlich nicht auf dem Schirm hat: Altenwerder. Dort wurde nach jahrelangen Planungen und Arbeiten 2002 der erste weitgehend automatisierte Containerhafen der Welt fertiggestellt. Das geschah genau zum richtigen Zeitpunkt. "Fünf Jahre früher, und es wäre zu teuer geworden, weil die Umschlagsmenge zu gering war. Fünf Jahre später, und es wäre zu spät gewesen für den Anschluß", glaubt der Chefplaner der Hamburg Port Authority, Wolfgang Hurtienne.

          Das Glück des Tüchtigen, der rechtzeitig der alten Hafenromantik abschwört und auf jene Wunderkisten setzt, die den Welthandel so erleichtern: Container. 95 Prozent des Stückgutes kommt inzwischen darin. Gut für Hamburg, das genug Platz schaffen will, damit statt acht Millionen Standardcontainern in zehn Jahren 15 Millionen aufgenommen werden können.

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