https://www.faz.net/-gqe-92a5q

Großer Umbau : Generali Leben stellt Geschäft ein

Die Nullzins-Politik der EZB treibt eine weitere Versicherung zur Abwicklung ihres Lebensversicherungs-Geschäfts. Bild: dpa

Der italienische Generali-Konzern baut sein Deutschland-Geschäft um. Und zwar radikal: Die Lebensversicherung wird abgewickelt, die Marken Aachen Münchener und Central Kranken verschwinden

          Weniger Marken, weniger Stellen: Der italienische Generali-Konzern baut sein Deutschland-Geschäft um. Obendrein sucht der hierzulande zweitgrößte Privatkundenversicherer hinter der Allianz einen Käufer für die Stilllegung seiner Lebensversicherung. Es geht um rund vier Millionen Verträge – überwiegend Policen mit teuren langfristigen Zinsgarantien –, die an einen professionellen Abwickler von Lebensversicherungen abgegeben werden könnten. Damit entlastet die Generali ihr Kapital, das durch die hohen Zinsgarantien gebunden wird.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          All das gab Generali am Donnerstag in Mailand bekannt. Zur Generali Deutschland gehören heute die Aachener und Münchener Versicherung, Cosmos Direkt, Central Krankenversicherung, Advocard Rechtsschutzversicherung, Dialog und die Bausparkasse Badenia. Zusammen kommen diese Unternehmen auf 16,2 Milliarden Euro Umsatz und 13,5 Millionen Kunden.

          Nun werden Aachen Münchener und Central in Generali umbenannt. Nicht nur in der Lebens-, auch in der Schadenversicherung wollen die Italiener die Marken verschmelzen. „Generali ist die bekannteste Marke im Konzern“, sagte Vorstandschef Giovanni Liverani in einer Telefonkonferenz. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im April 2015 hatte der 53 Jahre alte Italiener den Konzernumbau in Deutschland angestoßen: Die Zentrale in Köln wurde geschlossen und nach München verlegt, die Verwaltung verkleinert, es wurden 1000 von 10 000 Stellen gestrichen und so die Kosten binnen zwei Jahren um 120 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro gesenkt.

          Kein Neugeschäft mehr, kein Außendienst

          „Jetzt gehen wir tiefer und bauen das ganze Geschäftsmodell um“, kündigte Liverani an. Er sei damals angetreten, um den Zweiflern zu zeigen, dass es sich noch lohne, in Deutschland zu investieren. Gleichwohl geht es Liverani offensichtlich auch um weitere Kostensenkungen, wenn er nun die Strukturen noch einmal verschlankt und die Organisation vereinfacht. Aus 14 Arbeitgebergesellschaften werden künftig zwei – die Generali Deutschland AG und die Generali Deutschland Service GmbH – und aus zehn „Produkt-Fabriken“ drei.

          Weil die Generali-Lebensversicherung kein Neugeschäft mehr annimmt, braucht sie keinen Außendienst mehr. Generali-Policen werden künftig nur noch über den größten deutschen Finanzvertrieb DVAG verkauft, an dem der Versicherer 40 Prozent hält. Die 2800 Generali-Vertreter sollen zur DVAG wechseln, die schon heute für rund die Hälfte der Beitragseinnahmen sorgt.

          Beide Partner kennen sich gut, der Vertrieb hat sich bewährt: Bereits im Jahr 2006 hatte die DVAG den Außendienst der Aachen Münchener mit rund 2000 Vermittlern übernommen, später folgten dann die Vertreter des Krankenversicherers Central. Nun bindet sich die Generali noch stärker an die Vertriebsmannschaft der Familie Pohl. Für den DVAG-Vorstandsvorsitzenden Andreas Pohl ist die Entscheidung der Generali ein Beleg für die eigene „herausragende Vertriebsstärke und Beratungsqualität“, wie er mitteilen ließ.

          Weitere Themen

          Die Pensionslasten steigen um 70 Milliarden Euro

          Beamte im Ruhestand : Die Pensionslasten steigen um 70 Milliarden Euro

          Den Bund kommen die Gehälter und Beihilfen für seine Beamten im Ruhestand immer teurer zu stehen. Inzwischen rechnet er mit einem Betrag von deutlich mehr als 700 Milliarden Euro. Darunter leiden vor allem die Länder.

          Das ist das teuerste Land Europas Video-Seite öffnen

          17 Euro für eine Pizza : Das ist das teuerste Land Europas

          Für eine Einzimmerwohnung in Reykjavik werden durchschnittlich 1300 Euro fällig, für eine Pizza zahlt man 17 Euro und selbst eine Flasche Bier kostet sieben Euro – das Leben in Island ist eindeutig nichts für Sparfüchse.

          Topmeldungen

          Des einen Freud’: Der Bund gibt viel Geld für Pensionen aus.

          Beamte im Ruhestand : Die Pensionslasten steigen um 70 Milliarden Euro

          Den Bund kommen die Gehälter und Beihilfen für seine Beamten im Ruhestand immer teurer zu stehen. Inzwischen rechnet er mit einem Betrag von deutlich mehr als 700 Milliarden Euro. Darunter leiden vor allem die Länder.
          FDP-Chef Christian Lindner im ARD-Interview

          TV-Kritik: Sommerinterviews : Nur posieren reicht nicht

          Christian Lindner und Robert Habeck treten in ARD und ZDF gegeneinander an – ohne dabei den jeweils anderen zu erwähnen. Während der FDP-Chef auf eine desinteressierte Fragestellerin trifft, geriert sich der Grünen-Vorsitzende als Schlitzohr.
          Gratulation vom Präsidenten: Emmanuel Macron (links) mit Julian Alaphilippe.

          Hochspannung beim Radsport : Frankreich dreht bei der Tour am Rad

          Was ist nur los bei dieser Tour de France? Alles, was sicher schien, ist ins Wanken geraten. Frankreich hat einen Mann im Gelben Trikot – und einen, der das wichtigste Radsport-Rennen der Welt gewinnen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.