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Großbritannien : Siemens investiert vorsichtig in die Windkraft

Bald einer von vielen? Der Windpark „London Array“ vor der Südküste Englands gilt als der größte der Welt Bild: dpa

Der Konzern produziert künftig in England und investiert dafür 190 Millionen Euro in eine Fabrik für Meeres-Windkraftanlagen. Das ist in dieser Branche die erste größere Investition seit langem.

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          Nach Hull kommen britische Premierminister nicht allzu oft: Die Hafenstadt an der Nordostküste Englands ist ein schwieriger Fall. Sie zählt zu den Orten mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Großbritannien. Die Rezession der vergangenen Jahre hat Hull und seine knapp 260.000 Einwohner hart getroffen. Aber an diesem Dienstag reist Großbritanniens Regierungschef David Cameron aus London an, um dort gute Nachrichten persönlich zu verkünden. Siemens investiert in Hull 190 Millionen Euro in eine Fabrik für Meeres-Windkraftanlagen. Das neue Werk schafft 1000 neue Arbeitsplätze, die Hull dringend benötigt. Der traditionsreiche Hafen der Stadt zählt zu den größten in Großbritannien und er ist ideal gelegen. Draußen in der Nordsee, vor der Küste von Hull, sollen gleich drei große neue Meeres-Windparks entstehen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Industrieriese aus Deutschland ist voll des Lobes: „Wir investieren in Märkte mit zuverlässigen Rahmenbedingungen, die für ausgelastete Fabriken sorgen“, sagt Siemens-Vorstand Michael Süß, der das Energiegeschäft des Münchner Konzerns leitet. Die Briten planen ihre eigene Energiewende - und setzen dabei vor allem auf die Offshore-Windkraft. Lange Zeit interessierte man sich im Londoner Regierungsviertel nicht sonderlich für erneuerbare Energien. Aber in den vergangenen Jahren hat kein anderes Land der Welt den Bau von Meeres-Windparks so stark forciert wie Großbritannien.

          Rund 1100 Windräder drehen sich heute vor der Küste Großbritanniens. Das Land ist damit in dieser noch jungen Form der Stromerzeugung mit Abstand Weltmarktführer. Die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris schätzen, dass das Land die Stromerzeugungskapazität auf dem Meer bis 2018 auf 8,6 Gigawatt mehr als verdoppeln wird. Die Windräder auf See könnten dann ein Fünftel des britischen Strombedarfs decken. Schon heute ist die britische Offshore-Windkraftbranche etwa viermal so groß wie die deutsche. Auch die deutschen Energieversorger investieren in britische Meereswindräder: Der Düsseldorfer Eon-Konzern zählt zu den Bauherren des weltgrößten Offshore-Windparks London Array, der mehr als 2 Milliarden Euro gekostet hat. Siemens lieferte die Turbinen.

          Prestigeerfolg für Ministerpräsident David Cameron

          Dass der Münchner Elektrokonzern nun erstmals eine Windkraft-Fabrik in Großbritannien baut, ist für die Regierung in London ein wichtiger Prestigeerfolg. Denn zuletzt sind die Zweifel an den ehrgeizigen Ausbauplänen gewachsen. Im November hat RWE den geplanten Bau eines 5,4 Milliarden Euro teuren Offshore-Windparks vor der britischen Küste abgeblasen. Auch andere Investoren hatten zunehmend kalte Füße bekommen. Doch kurz vor Weihnachten kündigte Energieminister Edward Davey höhere Subventionen in Form garantierter Stromabnahmepreise an. Dieses Signal sei sehr wichtig gewesen, sagt der Siemens-Manager Markus Tacke ganz offen. „Wir sehen in der britischen Offshore-Windbranche in den nächsten acht Jahren und darüber hinaus einen interessanten Markt für uns“, sagt Tacke, der das globale Windkraftgeschäft des Konzerns leitet.

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