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Großbritannien : Islamische Bank hat Terror-Verdächtige als Kunden

Eine Filiale der Al-Rayan-Bank in Manchester Bild: Imago

Die Al-Rayan-Bank ist Großbritanniens größte Islamische Bank und führt Konten zahlreicher dubioser Organisationen. Viele Kunden haben enge Beziehungen zu Terroristen. Kontrolliert wird das Geldhaus von Qatar aus.

          Das größte Scharia-konforme Finanzinstitut in Großbritannien, die Al-Rayan-Bank, ist in die Kritik geraten, weil unter ihren Kunden eine Reihe bekannter Organisationen sind, die Extremisten oder Terrorgruppen nahestehen. Laut Recherchen der Zeitung „The Times“ ist die Liste solcher Kunden tatsächlich erschreckend lang: Darunter ist die HHUGS-Organisation (Helping Households under Great Stress), die Familien von Terrorverdächtigen unterstützt. Andere Banken wie HSBC und Lloyds haben HHUGS-Konten geschlossen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Bei Al Rayan ist auch Interpal, eine palästinensische Hilfsorganisation untergekommen, die der Muslimbruderschaft und der Hamas nahesteht und von amerikanischen Behörden als Terrorunterstützer geführt wird. Der Interpal-Vorsitzende Ibrahim Hewitt hat als Strafe für Ehebruch den Tod durch Steinigen propagiert. Das hinderte den Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn nicht daran, bei Spendenevents der Organisation aufzutreten. Corbyn bezeichnete Hewitt als „sehr guten Freund“.

          Innenministerin soll einschreiten

          Bei Al Rayan hat auch die Finsbury Park Moschee ihre Konten, die früher vom berüchtigten Hassprediger Abu Hamza geleitet wurde. Der Ägypter, viele Jahre der bekannteste Islamist Großbritanniens, wurde inzwischen in den Vereinigten Staaten wegen Terrorunterstützung zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Auch die Islamic Research Foundation International von Zakir Naik, der Osama Bin Laden gelobt hat und einmal sagte, „jeder Muslim sollte Terrorist sein“, hat Konten bei Al Rayan.

          Weitere einschlägige Organisationen sind der Hamas-nahe Ummah Welfare Trust, der Nectar Trust aus Katar, der radikale Moscheen finanziert, sowie das Dawah Project, ein Satelliten-TV-Sender, der wegen „Hasssprache“ im Visier der Aufsichtsbehörde Ofcom steht. Mehreren dieser Organisationen wurde zuvor von HSBC, Lloyds und NatWest die Konten gekündigt.

          Der konservative Parlamentsabgeordnete Zac Goldsmith forderte am Dienstag nach der Veröffentlichung der „Times“-Recherchen Innenministerin Priti Patel zum Einschreiten auf. „Wenn Katar seinen Reichtum und seine globalen Verbindungen dazu nutzt, um hier im Vereinigten Königreich Extremismus zu fördern, dann muss die Regierung schnell und entschieden handeln“, sagte Goldsmith.

          Die Al Rayan Bank, gegründet 2004 in Birmingham unter dem Namen Islamic Bank of Britain, ist die größte britische Bank, die nach den Regeln der Scharia keine Zinsen zahlt, stattdessen eine Gewinnbeteiligung ausschüttet. Ihre Bilanzsumme ist rasch gewachsen auf inzwischen mehr als 2 Milliarden Pfund. Seit 2014 ist die zweitgrößte, staatsnahe Bank Katars, die Masraf Al Rayan, zu 70 Prozent an der britischen Bank beteiligt, die sich daraufhin umbenannte. Die anderen 30 Prozent gehören dem katarischen Staatsfonds.

          In Großbritannien leben nach Schätzungen mehr als 3 Millionen Muslime. Unter den 85.000 Kunden der Al-Rayan-Bank sind auch Nicht-Muslime, die wegen Zinsen (die nicht so genannt werden) von bis zu 2,3 Prozent dorthin wechselten.

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