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Großbank UBS : Würste zum Abgang

  • -Aktualisiert am

Der Kleinaktionär Rudolf Weber hat Würste mitgebracht Bild: AFP

Neubeginn mit begrenzter Zuversicht: Peter Kurer hat Marcel Ospel an der UBS-Spitze abgelöst. Der alte Verwaltunsratspräsident verabschiedete sich jetzt mit einer selbstgefälligen Rede. Vorerst bleibt die Großbank eine Großbaustelle.

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          Am Ende seiner Rede in der UBS-Generalversammlung am Mittwoch in Basel überreichte der Kleinaktionär Rudolf Weber dem scheidenden Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel einen Kranz „Chlöpfer“ (Würste). Ospel habe dafür sicher Bedarf, da er nach seinem Abgang bei der Großbank ja nicht mehr so oft in der noblen „Kronenhalle“ in Zürich essen könne, sagte Weber zur Begründung. Doch der UBS-Mann war vorbereitet. „Ich gebe meinen Senf dazu“, antwortete er schlagfertig und überreichte dem verdutzten Aktionär eine Tube des Gewürzes.

          Dies war einer der wenigen amüsanten Augenblicke während des Aktionärstreffens, das die Weichen für eine bessere Zukunft der Bank nach ihrer Rekordabschreibung von 40 Milliarden Franken (25 Milliarden Euro) zu stellen hatte. Ansonsten überwogen immer noch ungläubiges Entsetzen, wie die einstige Schweizer Renommierbank so absacken konnte, zum Teil lautstark geäußerter Ärger und eine mit Unsicherheit vermischte Zuversicht, ob das Schlimmste wohl vorüber sei.

          Geprägt von Selbstgefälligkeit

          Ospel selbst erhielt in seiner Eingangsrede von den gut 4200 Aktionären an zwei sehr unterschiedlichen Stellen Beifall - zum Ersten, als er „den Verzicht auf die Wiederwahl für ein Jahr“ ansprach, zum Zweiten am Schluss seiner Rede. Im ersten Fall biss sich der vor zehn Jahren angetretene und jetzt gescheiterte Schöpfer der UBS nervös auf die Lippen, nach dem Schlussapplaus zog ein Zug von Zufriedenheit über sein Gesicht. Dabei hatte sich Ospel wahrlich ohne Glanz verabschiedet.

          Seine Rede war geprägt von Selbstgefälligkeit, als sei die schwere Krise der UBS eine Art Betriebsunfall. Kein Wort der Anerkennung für den im Juli 2007 angetretenen und plötzlich eine Großbaustelle vorfindenden Vorstandsvorsitzenden Marcel Rohner, und sein Nachfolger Peter Kurer wurde nicht einmal namentlich erwähnt. Er verlasse die Bank in der Überzeugung, dass das Schlimmste überstanden sei und „entsprechend meiner ursprünglichen Absicht und Ankündigung“, rief Ospel den frustrierten Aktionären zu und schloss mit dem geradezu zynisch klingenden Satz: „Wer den kalten Wind nicht aushält, der hat auf dem Gipfel nichts zu suchen.“

          Auflösung des „Politbüros der UBS“

          Kurers Rede mit dem Kernsatz „Entschlossenheit im Unglück ist immer der halbe Weg zur Rettung“ war für den Nachmittag geplant; kein Wunder angesichts von 50 Wortmeldungen allein zum ersten Tagesordnungspunkt, der Rechnungsvorlage für 2007 mit einem Verlust von 4,4 Milliarden Franken. Der neue Verwaltungsratspräsident bekräftigte in der St. Jakobshalle, in der sonst vor allem sportliche Spitzenleistungen auf dem Programm stehen, dass er den von Ospel geschaffenen, dreiköpfigen Präsidialausschuss des Verwaltungsrats auflösen werde, den manche als „Politbüro der UBS“ bezeichnet hatten. An dessen Stelle werden ein Strategieausschuss mit ihm an der Spitze und drei unabhängigen Verwaltungsräten sowie ein Risikoausschuss treten. Dieses dreiköpfige Gremium leitet der frühere Finanzvorstand der Investmentbank Morgan Stanley, David Sidwell.

          Die Wahl von Sidwell war gestern einer der Tagesordnungspunkte, über welchen die Anteilseigner neben der Kapitalerhöhung über 15 Milliarden Franken, die Bestellung von Kurer sowie zwei Bestätigungswahlen in den Verwaltungsrat zu entscheiden hatten. Damit verbindet sich eine Verkürzung der Amtszeit in diesem Gremium von drei Jahren auf ein Jahr. Sidwell soll mehr bankspezifisches Wissen einbringen. Kurer ging noch weiter: Er kündigte weitere Zuwahlen von Vertretern der Finanzbranche an, „wann immer es in den nächsten Monaten zu Vakanzen im Verwaltungsrat kommt“.

          Gegenüber der „Neuen Zürcher Zeitung“ hatte er vor einigen Tagen von zwei bis drei Verwaltungsräten gesprochen. Damit sind die Spekulationen über abtretende Mitglieder eröffnet, zu denen theoretisch auch der ehemalige BMW-Chef Helmut Panke gehören könnte. Dies würde zugleich bedeuten, dass im Sommer ein weiteres, dieses Mal außerordentliches Aktionärstreffen bevorsteht, auf dem die Ergänzungswahlen vorgenommen werden müssten.

          Vorläufig keine Ruhe

          Mit der Ankündigung ging Kurer auf die Kritiker zu, als deren wortreichster in den vergangenen Wochen der Chef der Beteiligungsgesellschaft Olivant und kurzzeitige UBS-Vorstandsvorsitzende Luqman Arnold aufgetreten war. In der Generalversammlung hieben die Vertreter der Aktionärsvereinigungen Actares und Ethos in dieselbe Kerbe. Ethos-Direktor Dominique Biedermann schob gleich noch die Forderung nach, der bisherige Chefjurist Kurer dürfe an der Spitze des Verwaltungsrats nur eine Übergangslösung sein.

          In der UBS kehrt vorläufig keine Ruhe ein. Rohner machte dies in seiner Rede mit der Bemerkung deutlich, der in dieser Woche der Eidgenössischen Bankenkommission zugestellte Bericht über das UBS-Debakel im amerikanischen Hypothekenmarkt zeige „in schmerzhafter Klarheit und Detailliertheit, was vorgefallen ist und wo wir und unsere Systeme versagt haben“ - im Verlust an Überblick, in der Quersubventionierung der Investmentbank und einer Nachahmerstrategie. „Wir sind immer noch im Risiko“, rief Rohner den Aktionären in Erinnerung: Die Risikopositionen beliefen sich noch auf ein Drittel derjenigen von Ende September 2007.

          Die heutige UBS-Führung erwies Ospel noch zwei letzte Freundschaftsdienste. Sie blieb in der Frage der Vergütung ihres abgelösten Spitzenmannes für 2008 vage und vertagte die Entlastung für das abgelaufene Geschäftsjahr auf das kommende Jahr. „Eine bodenlose Frechheit“, kommentierte der mittelständische Unternehmer Thomas Minder, der in der Schweiz als Initiator der „Abzocker-Initiative“ gegen hohe Managergehälter bekannt ist, diese Entscheidung. Die UBS steht inmitten eines schwierigen Prozesses, in dem sie zahlreiche verlorene Kunden in ihrem Heimatmarkt Schweiz zurückgewinnen muss. In den Worten Rohners hat sich das Formtief der Bank 2007 in einem „katastrophalen Resultat“ gezeigt. Ospel ist nicht mehr dabei. Seinen Senf will niemand mehr.

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