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Großauftrag : Rheinmetall hofft auf eine spendable Bundeswehr

Sensibles Gerät in voller Fahrt: Von insgesamt 180 Boxer-Transportern der Bundeswehr sind nur 70 einsatzbereit. Bild: dapd

Dem börsennotierten Rüstungshersteller geht es schlecht. Umso größer sind die Hoffnungen, die auf einem Großauftrag des Verteidigungsministeriums ruhen.

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          Für die Panzerhersteller Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) zeichnet sich ein Großauftrag der Bundeswehr ab. Gegenwärtig prüfe das Verteidigungsministerium den Einkauf von weiteren Radpanzern des Typs „Boxer“. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag in Berlin.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zur Diskussion steht die Anschaffung von weiteren 131 Boxer-Panzern, die zuletzt beim Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan zum Transport von Bodentruppen rollten. Gegenwärtig verfügt das deutsche Heer bereits über 180 Radpanzer dieses Typs, wovon allerdings nur 70 Exemplare tatsächlich einsatzfähig sind. Die restlichen 110 Truppentransporter, die von KMW und Rheinmetall gemeinsam entwickelt und produziert werden, durchlaufen Wartungsarbeiten, werden von den Herstellern technisch überarbeitet oder mit neuen Komponenten ausgerüstet, geht aus dem aktuellen Mängelbericht der Bundeswehr hervor, der vor wenigen Wochen vorgelegt wurde.

          Die Anschaffung weiterer Radpanzer für das Heer werde vor dem Hintergrund „aktueller und zukünftiger Herausforderungen“ in der Weltpolitik erwogen, erläuterte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die aktuelle Ausstattung mit nur 180 Fahrzeugen sei für die von den Militärs diskutierten Krisenszenarien keinesfalls mehr ausreichend. Gemeint ist in erster Linie der aktuelle Ukraine-Konflikt sowie die Diskussion unter den Mitgliedern des Militärbündnisses Nato, eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden.

          Gemeinsames Auftragsvolumen von 620 Millionen Euro

          Kommt der Auftrag wie geplant zustande, können KMW und Rheinmetall mit einem gemeinsamen Auftragsvolumen von 620 Millionen Euro rechnen, wobei Teile der Produktion bei beiden Partnern wohl für eine Zeitspanne von bis zu drei Jahren ausgelastet wären, schätzen Kenner der Branche. Sprecher beider Unternehmen wollten diese Angaben am Dienstag jedoch nicht bestätigen.

          Die in Familienbesitz befindliche KMW und die börsennotierte Rheinmetall-Gruppe stellen seit Jahren schweres und gepanzertes Gerät für Bodentruppen her und kooperieren auch beim Bau des Kampfpanzers „Leopard 2“. Für Entwicklung und Bau des Boxers wurde von beiden eigens die Projektgesellschaft Artec mit Sitz in München gegründet, an der KMW mit 72 Prozent mehrheitlich beteiligt ist. Die restlichen Anteile entfallen auf den Hersteller in Düsseldorf. Nach diesem Schlüssel dürften im Zuge eines Neuauftrags für den Boxer rund 500 Millionen Euro an Umsatz KMW zufließen, während Rheinmetall mit 120 Millionen Euro an zusätzlichen Erlösen rechnen kann, schätzen Branchenkenner.

          Auf lukratives Neugeschäft und die damit verbundene Auslastung der Produktion ist Armin Papperger inzwischen dringend angewiesen. Denn der Vorstandschef von Rheinmetall musste am Montag vermelden, dass seine Rüstungssparte in schlechter Verfassung und nicht mehr profitabel ist. Für die aktuelle Misere macht Rheinmetall verzögerte Genehmigungen der Bundesregierung bei politisch fragwürdigen Rüstungsexport-Geschäften verantwortlich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wehretats in den europäischen Nachbarländern kontinuierlich schrumpfen.

          Rheinmetall-Aktien seit Jahresbeginn auf Talfahrt

          Vom schlechten Verlauf im europäischen Rüstungsmarkt sind Rheinmetall und KMW zwar gleichermaßen betroffen. Doch die trüben Perspektiven fürs Geschäft machen sich im Kursverlauf der Rheinmetall-Aktie negativ bemerkbar. Statt des ursprünglich in Aussicht gestellten Gewinns von bis zu 75 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr rechnet Papperger jetzt mit einem Verlust von 10Millionen Euro. Die Enttäuschung an der Börse ist seitdem entsprechend groß: Die Aktie von Rheinmetall, die seit Jahresbeginn ohnehin um fast 30 Prozent absackte, büßte am Dienstag abermals rund 5,5 Prozent ein. Der aktuelle Börsenwert des Rheinmetall-Konzerns, der neben dem Rüstungsgeschäft auch als Zulieferer für die Autoindustrie aktiv ist, erreicht nur noch 1,2 Milliarden Euro. Zudem gehen Analysten davon aus, dass sich der Schuldenstand bis Jahresende von rund einer Milliarde Euro auf 1,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr erhöhen wird.

          Angesichts dieser Lage rechnen Fachleute kaum noch damit, dass Papperger seine Einkaufstour in Deutschland wie geplant umsetzen wird. Großes Interesse hat der Rheinmetall-Chef an der Übernahme der Werftensparte von Thyssen-Krupp, heißt es. Doch ausgerechnet dieser Geschäftsbereich des Ruhrkonzerns ist hochprofitabel. Ein Kauf wäre für den Nachbarn aus Düsseldorf daher ein riskanter Kraftakt. Die Auftragsbücher sind nach Angaben von Thyssen-Krupp bis 2020 prall gefüllt und garantieren so laufend hohe Einnahmen. Daher dürfte die Sparte wohl kaum unter 2 Milliarden Euro zu haben sein.

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