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Grohe-Chef Haines über Heuschrecken : „Dank der Finanzinvestoren geht's Grohe besser“

  • Aktualisiert am

Der Finanzinvestor Texas Pacific Group hat 2004 die Mehrheit an Grohe übernommen und den Briten David J. Haines als Vorstandsvorsitzenden installiert Bild: Edgar Schoepal

Der Armaturenhersteller Grohe ist seit Jahren in der Hand von Finanzinvestoren. Vorstandschef David Haines spricht über seine Erfahrung mit Heuschrecken, Wasserhähne für China und die Gründe für den deutschen Aufschwung.

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          Herr Haines, den Armaturenhersteller Grohe gibt es immer noch. Eigentlich ein Wunder.

          Warum denn das?

          2004 wurde Grohe zum zweiten Mal von einer Gruppe Finanzinvestoren übernommen. Das war der Auslöser für die Heuschrecken-Debatte, und kaum einer hätte gedacht, dass es Grohe noch lange geben wird.

          Dabei geht es uns heute besser denn je. Grohe ist ein anderes Unternehmen geworden. Und das wissen auch unsere Mitarbeiter. Wir sind sehr gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Wir haben 2010 unseren Umsatz um 19 Prozent auf jetzt knapp eine Milliarde Euro gesteigert und ein Ergebnis von 200 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen eingefahren. Das sind 29 Prozent mehr als 2009. Und jetzt wollen wir sogar den Marktführer in China erwerben. Ehrlich - das alles ist nur möglich gewesen, weil wir die Firma 2004/2005 regelrecht auf den Kopf gestellt haben.

          David Haines, der Vorstandsvorsitzende des Armuterenherstellers Grohe

          Inwiefern?

          2004 zum Beispiel waren 90 Prozent unserer Kosten fix und nur 10 Prozent variabel. Jetzt ist es umgekehrt - was uns in der Wirtschaftskrise übrigens enorm geholfen hat. Damals betrug unser Cash-Bestand 50 Millionen Euro, 2009 waren es rund 275 Millionen. Seinerzeit haben unsere Kunden innerhalb von 90 Tagen bezahlt, heute tun sie das binnen 12. Vor sechs Jahren haben wir noch etwa 3 neue Produkte pro Jahr eingeführt, heute sind es 200. Dabei ist die Anzahl der Mitarbeiter übrigens in etwa gleich geblieben.

          Und im sauerländischen Hemer sitzen Sie auch nicht mehr.

          Stimmt. Heute sind wir mitten in Düsseldorf, in einem Bau des Architekten Richard Meier - mit offenen transparenten Räumen.

          Meinen Sie, die Öffentlichkeit hat etwas dazugelernt und begriffen, dass Private Equity auch sein Gutes haben kann?

          Ich kann nur für Grohe sprechen. Bei uns hat es einen riesigen Sinneswandel gegeben. Grohe ist ein Beispiel dafür, dass hier ein Unternehmen nachhaltig neu aufgestellt wurde. Was Grohe angeht, ist dieses Thema wirklich abgeschlossen.

          Dass Sie den chinesischen Armaturenhersteller Joyou übernehmen wollen, ist ja mal etwas anderes: Seit Jahren hört man nur, dass die Chinesen überall einkaufen.

          Wir haben zunächst einmal ein Angebot abgegeben, um unseren Anteil an dem chinesischen Marktführer auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen - und zwar im Einverständnis mit den Chinesen. Natürlich freue ich mich, dass ausgerechnet Grohe hier demonstriert, dass es auch einmal andersherum geht.

          Aber Sie sind doch schon auf dem chinesischen Markt.

          Richtig. Wir halten bereits 9,99 Prozent an dem börsennotierten Unternehmen und sind darüber hinaus auch eigenständig in China vertreten. Die Aktien, die wir jetzt erwerben, bringen wir in unsere Tochtergesellschaft, die Grohe Asia AG, ein. Wie auch schon Joyou mitgeteilt hat, kann sich die Gründerfamilie Cai vorstellen, einen signifikanten Anteil von rund 29 Prozent ebenfalls einzubringen. Das würden wir natürlich sehr begrüßen.

          Grohe ist Weltmarktführer für schicke Bad-Armaturen, Joyou produziert Massenware. Das passt eigentlich nicht zusammen.

          Da kennen Sie China schlecht. Die rasant wachsende Mittelschicht dort wird immer markenbewusster. Und das ist für uns hochinteressant. Bei dieser Entwicklung wollen wir dabei sein. Joyou hat drei Werke in China, rund 3600 Läden und ist mit 12 Prozent Marktanteil dort Marktführer. Das ist eigentlich eine relativ einfache Geschichte. Nichts anderes machen die Chinesen, wenn sie sich überall in der Welt einkaufen.

          Was bewegt die Eigentümer eines chinesischen Marktführers, die Kontrolle an ein deutsches Unternehmen abzugeben?

          Da müssten Sie eigentlich Herrn Cai fragen. Er ist ein weitsichtiger Unternehmer. Er sieht, dass die operative Zusammenarbeit beiden Firmen nützt. Sein Unternehmen macht mehr als 80 Prozent seines Umsatzes in China. Im Ausland ist es so gut wie nicht bekannt und nicht vertreten. Grohe indes erwirtschaftet mehr als vier Fünftel seines Umsatzes gerade nicht im Stammland.

          Das scheint Herrn Cai ziemlich zu beeindrucken.

          Genauso, wie wir mit ihm in China sehr viel schneller wachsen können, bekommt er Zutritt zu außerchinesischen Märkten, die zu erobern Joyou alleine wahrscheinlich Jahrzehnte benötigte. Eine klassische Win-Win-Situation. Allerdings - verzeihen Sie mir den englischen Ausdruck - with Germany in the driver's seat.

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