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Größter Pressegroßhändler : „Ich lebe mit, für und von Print“

  • -Aktualisiert am

PVG-Geschäftsführer Thomas Kirschner in der Zentrale in Frankfurt: „Auf eins dürfen wir uns nicht verlassen: darauf, dass kein anderer unsere Arbeit machen kann” Bild: Frank Röth

Der Presseeinzelhandel schrumpft, aber der Frankfurter Großhändler wächst. Gesellschafter Thomas Kirschner setzt dafür ganz auf Logistik. „Zeitschrift und Zeitung sind Grundnahrungsmittel der Demokratie“, sagt er.

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          Auch Erfolg schmeckt mal schal. Thomas Kirschner darf sich freuen, wenn er ein, zwei Jahre verhandelt und dann den Zuschlag erhält, einen anderen Pressegroßhandel zu kaufen. Doch gleichzeitig weiß er, dass er Menschen entlassen wird. Nur damit kann er die Skaleneffekte nutzen, nur so lohnt sich der Zusammenschluss. Den Mitarbeitern sagt er, dass es ein halbes Jahr wie bisher weiterlaufen wird, bevor das gekaufte Unternehmen schließt. Die Verwaltung wird dann aus Frankfurt gesteuert. Kirschner setzt sich mit jedem zusammen, dem er kündigt, auch wenn dieser 20 oder 30 Jahre gut gearbeitet hat. Eine Niederlage im Erfolg. „Da kann ich nicht stolz drauf sein“, sagt der 43 Jahre alte Kirschner: „Aber leider gibt es manchmal wirtschaftliche Zwänge.“ Was dem einen schadet, hilft dem anderen.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gewachsen, um zu bleiben: Das ist die Erfolgsformel im schrumpfenden Presseeinzelhandel, dem jedes Jahr einige Prozent an Umsatz wegbrechen. „Der Presse-Grosso-Markt wird immer kleiner“, merkt Thomas Kirschner seit zehn Jahren. Er ist Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter des Frankfurter Pressegroßhandels, der PVG Presse-Vertriebs-Gesellschaft. Unter ihm ist das Unternehmen zum größten Grosso-Betrieb Deutschlands gewachsen - durch die Zukäufe.

          Wie 70 andere Pressegrossisten liefert die PVG als neutraler Dienstleister Zeitschriften und Zeitungen an den Einzelhandel. In ihrem Gebiet haben Grosso-Betriebe das Alleinlieferungsrecht, aber gleichzeitig auch die Pflicht, alle Publikationen an den Kiosk zu bringen und nicht verkaufte Exemplare wieder abzuholen. Durch den freien Marktzugang sichert das Vertriebssystem die Pressevielfalt und -freiheit. Die PVG liefert in Teilen von Hessen und von Rheinland-Pfalz auf einer Fläche von 18.000 Quadratkilometern aus und versorgt 6.800 Einzelhändler und 4,6 Millionen Einwohner.

          „Wir haben nur eine Chance, in einem immer kleiner werdenden Markt Anteile hinzuzugewinnen und unseren Kunden darüber hinaus weitere Dienstleistungen anzubieten”
          „Wir haben nur eine Chance, in einem immer kleiner werdenden Markt Anteile hinzuzugewinnen und unseren Kunden darüber hinaus weitere Dienstleistungen anzubieten” : Bild: Frank Röth

          Nach außen scheinen die Großhändler eine sichere Position zu haben, doch die Verlage erhalten in Verhandlungen einen immer höheren Anteil vom Verkaufspreis - zu Lasten der Grossisten. Gerade steht auch das ganze System vor Gericht, weil der Hamburger Bauer-Verlag den Branchenkonsens verlassen hat und mit dem Großhandel im Rechtsclinch liegt (siehe Gericht stärkt Bauer-Verlag: Gegenwind für Pressegroßhandel in der Kartellklage). Das beschäftigt selbst den Bundesgerichtshof in Karlsruhe (siehe Presse-Grosso vor Gericht: Sprengstoff für die gesamte Branche). Der Ausgang ist ungewiss. „Auf eins dürfen wir uns nicht verlassen: darauf, dass kein anderer unsere Arbeit machen kann“, sagt Kirschner. Er will mit Leistungen die Verlage überzeugen - selbst wenn er nicht das Alleinlieferungsrecht hätte, sollten die Verlage ihn zu ihrem eigenen Vorteil beauftragen.

          Er ist noch keine 30 Jahre alt und will in den Betrieb einsteigen

          Aufgewachsen ist Thomas Kirschner zwischen Zeitungen und Zeitschriften. Sein Vater war Pressegroßhändler in Troisdorf für die Bonner Region. Die Kinder spielten im Altpapiercontainer. Und mit 13 Jahren stand Kirschner jeden Sonntag um 4 Uhr auf - um Zeitungen auszutragen. Damit musste er sich beeilen. Denn er spielte Tennis und stand am gleichen Tag meist um 9 Uhr auf dem Platz, um Bälle über das Netz zu spielen. Abends wusste er dann, was er getan hatte, erinnert sich Kirschner heute.

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