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Googles Werbeanzeige : Der Times Square wird noch bunter

  • -Aktualisiert am

Der Mittelpunkt der Welt. Auf jeden Fall der Werbewelt: Der Times Square in New York. Der Ort an dem Werbeflächen mehr als Büros einbringen. Bild: Polaris/laif

Eine neue digitale Werbefläche im Zentrum von Manhattan bricht alle Rekorde. Google mietet einen Bildschirm, der acht Stockwerke hoch ist und so lang wie ein Fußballfeld. Das kostet.

          Größer, bunter, digitaler. Der Times Square in Manhattan, den New Yorker in üblicher Bescheidenheit wahlweise als „Mitte des Universums“ oder „Straßenkreuzung der Welt“ bezeichnen, ist um eine Attraktion reicher. Am Dienstagabend wird die bislang größte digitale Werbetafel der an Reklameflächen nicht gerade armen Gegend angeschaltet.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Es ist ein Projekt der Superlative: Acht Stockwerke hoch, lang wie ein Fußballfeld, eine Bildauflösung in höherer Qualität als die besten derzeit erhältlichen Fernsehgeräte. Die Tafel zieht sich am Broadway über die gesamte Distanz zwischen der 45. Straße und der 46. Straße – ein Ort, an dem die meisten der jährlich 54 Millionen New York-Besucher auf ihrer Reise mindestens einmal vorbeischauen.

          „Größe zählt am Times Square“, sagte Harry Coghlan, Präsident der Gesellschaft Clear Channel Outdoor New York, die für die Vermietung der Werbefläche verantwortlich ist, der „New York Times“. „Manchmal läuft es einfach darauf hinaus, aufzufallen, und es geht um das Ego.“ Dazu geht es auch um viel Geld. Die Mietkosten für die neue Fläche sollen sich auf mehr als 2,5 Millionen Dollar belaufen – für vier Wochen. Die Werbefläche gehört damit zu den teuersten ihrer Art.

          Mit Werbung mehr verdienen als mit Miete

          Zum Auftakt werden für eine Woche lang Projekte des digitalen Künstlerkollektivs Universal Everything über den Riesenbildschirm flimmern. Für mindestens den Rest des Jahres hat sich der Internetkonzern Google die Rechte gesichert. Genaue Angaben zu den Konditionen des offenbar längerfristigen Vertrags machten aber weder Google noch Clear Channel Outdoor.

          Der Standort ist für Werbung nicht nur wegen der Touristen attraktiv, die sich in Scharen vor den bunten Motiven fotografieren. Am Times Square feiert New York auch Silvester. Die Fernsehbilder von der Party gehen zum Jahresende um die Welt. Davon profitiert ganz in der Nähe der neuen Mega-Werbefläche schon länger der Besitzer des Gebäudes, auf dessen Dach sich eine Minute vor Mitternacht eine Glitzerkugel herabsenkt und das neue Jahr ankündigt.

          Das 25 Stockwerke zählende Hochhaus „One Times Square“ steht nahezu leer, weil es wegen seines dreieckigen Grundrisses und der vergleichsweise geringen Bürofläche je Stockwerk nicht den Anforderungen moderner Unternehmen entspricht. Nur die untersten drei Stockwerke des ehemaligen Hauptquartiers der „New York Times“ sind an eine Drogeriekette vermietet. Der Besitzer, die deutsche Immobiliengesellschaft Jamestown, verdiente mit Werbung zuletzt trotzdem rund 21 Millionen Dollar im Jahr – mehr als die Gesellschaft je für die Vermietung der Räume erhalten würde. Die teuerste einzelne Werbefläche der Wolkenkratzer-Litfaßsäule brachte zuletzt 3,9 Millionen Dollar im Jahr. Insgesamt tragen die Werbeflächen rund 85 Prozent zu den Mieteinnahmen bei.

          Googles Anzeige wird die teuerste aller Zeiten

          Geschäftshäuser und die Broadway-Theater rund um den Times Square müssen laut Bauordnung sogar einen Teil ihrer Fassade für Leuchtreklame nutzen, um den Charakter der Gegend zu erhalten. In anderen Teilen der Stadt ist das nicht üblich. So haben große Banken im Finanzdistrikt eher dezente Namenszüge über den Eingängen zu ihren Wolkenkratzern. Die Investmentbank Goldman Sachs verzichtet sogar völlig auf ihren Namen an der Fassade ihrer Hauptverwaltung.

          Darf nicht fehlen: Auch die Fahne der Vereinigten Staaten wird am Times Square illuminiert. Bilderstrecke

          Am Times Square ist das anders. Das Hochhaus der britischen Bank Barclays – ehemals das Hauptquartier der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers – ist grell erleuchtet. Als Lehman 2008 kollabierte, bildeten die beruhigenden Bilder von Sonnenuntergängen, Kornfeldern und Schäfchenwolken einen extremen Kontrast zu den Angestellten, die mit sorgenvoller Miene Kisten mit Schreibtischutensilien aus dem Haus schleppten.

          Für die Besitzer der Bürogebäude ist die Werbung ein lukratives Nebengeschäft. Die Immobiliengesellschaft Paramount, die der Hamburger Unternehmerfamilie Otto gehört, verdiente im vergangenen Jahrzehnt gut 10 Millionen Dollar im Jahr zusätzlich mit Werbung, als ihr das ehemalige Bertelsmann-Gebäude im Times Square gehörte. Genau gegenüber stellt ab Dienstagabend das neue Display am Marriott Marquis Hotel alle bisherigen Werbetafeln und deren Mietkosten in den Schatten – oder besser ins Licht.

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