https://www.faz.net/-gqe-9va7t

Googles Chefjurist David Drummond verlässt das Unternehmen nach Kontroversen. Bild: Reuters

David Drummond : Googles Chefjurist geht nach Kontroversen

Der mächtige Anwalt des Internetkonzerns tritt zurück. Er stand wegen einer Beziehung mit einer Kollegin und angeblicher anderer Affären unter Druck.

          2 Min.

          David Drummond gehört zu den bekanntesten und am besten bezahlten Managern der Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google, er ist Chefjurist und trägt Verantwortung für Unternehmensentwicklung. Er kam in jüngster Zeit aber auch wegen Affären und Beziehungen mit Mitarbeiterinnen des Unternehmens in die Schlagzeilen. Nun wird er das Unternehmen mit Wirkung zum 31. Januar verlassen. Alphabet nannte keine Begründung. Der 56 Jahre alte Manager selbst ließ in einer internen Nachricht die Kontroversen unerwähnt und brachte seinen Rückzug mit dem jüngsten Führungswechsel im Konzern in Verbindung.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Im Dezember kündigte Alphabet an, dass Google-Vorstandschef Sundar Pichai auch die Führung der Mutterholding übernehmen wird. Dafür haben sich die beiden Mitgründer Larry Page und Sergey Brin aus dem Management verabschiedet. Drummond sagte jetzt, mit dem Abschied der Gründer trete das Unternehmen in eine „aufregende neue Phase“, weshalb es auch für ihn die „richtige Zeit“ sei, zu gehen. Wie Alphabet bestätigte, wird er keinerlei Abfindungspaket bekommen.

          Drummond ist mit Google seit der Gründung im Jahr 1998 verbunden. Er arbeitete erst als außenstehender Anwalt für das Unternehmen, 2002 wurde er fest angestellt. Er führte Google durch viele juristische Gefechte und spielte auch bei großen Akquisitionen eine zentrale Rolle. Sein letztes bekanntes Gehaltspaket im Jahr 2018 hatte einen Wert von 47 Millionen Dollar. Im gleichen Jahr wurde er auch zum Gegenstand eines großen Enthüllungsberichts der „New York Times“ über mehrere ranghohe Google-Manager,  der sich um sexuelles Fehlverhalten und unangemessene Beziehungen drehte.

          Mitarbeiterin musste Unternehmen wegen der Beziehung verlassen

          Der Bericht schlug hohe Wellen, in erster Linie wegen des Teils über den früheren Top-Manager Andy Rubin, über den es hieß, er habe das Unternehmen mit einem üppigen Abfindungspaket verlassen dürfen, obwohl sein Weggang mit dem Vorwurf zu tun gehabt habe, er habe eine Kollegin zum Oralsex gezwungen. Drummond wurde keine sexuelle Belästigung vorgehalten, aber der Bericht warf auch auf ihn ein schlechtes Licht.

          Eine frühere Mitarbeiterin, die ihm unterstellt war, erzählte der Zeitung von einer einvernehmlichen Beziehung, die sie mit Drummond eingegangen sei und die gegen Richtlinien des Unternehmens verstoßen habe. Nach Bekanntwerden der Beziehung sei sie es gewesen und nicht Drummond, die die Rechtsabteilung habe verlassen müssen. „Für einige Auserwählte gibt es keine Konsequenzen,“ sagte sie der Zeitung. Der Bericht war Auslöser für eine Revolte in der Belegschaft, und es gab einen Streik, an dem sich Tausende von Mitarbeitern beteiligten.

          Die in dem Bericht zitierte Frau legte vor einigen Monaten mit einem Blogeintrag nach, in dem sie beschrieb, wie Drummond sie sitzengelassen habe. Sie sagte, er habe nach ihr weitere Affären mit Google-Mitarbeiterinnen gehabt. Sie nannte ihn „einen der mächtigsten und unbarmherzigsten Anwälte in der Welt.“ Drummond selbst sagte hinterher, er habe abgesehen von dieser Frau nie eine Beziehung mit einer anderen Person aus der Belegschaft „begonnen“.

          Seit November ist bekannt, dass Drummonds Verhalten im Unternehmen selbst unter die Lupe genommen wird. Damals teilte Alphabet mit, Untersuchungen zu „Verhalten am Arbeitsplatz in der Vergangenheit“ eingeleitet zu haben, und Medien berichteten, dass es darin unter anderem auch um Drummond gehen soll. Sein Abschied kommt auch insofern nicht ganz überraschend, weil er in den vergangenen Monaten Alphabet-Aktien im Wert von mehr als 200 Millionen Dollar verkauft hat.

          Weitere Themen

          Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie Video-Seite öffnen

          Globaler Hoffnungsträger : Mainzer Goldgrube im Kampf gegen die Pandemie

          Voriges Jahr war die Mainzer Biotechnologiefirma Biontech noch weithin unbekannt, nun hat sie sich zum globalen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie gemausert. Zusammen mit dem amerikanischen Pharmariesen Pfizer entwickelte Biontech einen nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent wirksamen Impfstoff gegen das Virus.

          Qualitätsproblem bremst Biontech

          Impfstoffherstellung : Qualitätsproblem bremst Biontech

          Pfizer und Biontech müssen ihrem hohen Tempo Tribut zollen und können nur halb so viele Impfstoffdosen liefern wie ursprünglich geplant. Wer macht das Rennen?

          Topmeldungen

          Pfizer stellt den Impfstoff in Belgien und den Vereinigten Staaten her.

          Impfstoffherstellung : Qualitätsproblem bremst Biontech

          Pfizer und Biontech müssen ihrem hohen Tempo Tribut zollen und können nur halb so viele Impfstoffdosen liefern wie ursprünglich geplant. Wer macht das Rennen?
          Wie am Wahltag: Testzentrum in einer Turnhalle in Hildburghausen

          Angst vor der Wahrheit? : Kaum einer kommt zu den Massentests

          In den Corona-Hotspots in Sachsen und Thüringen versuchen die Behörden, das Infektionsgeschehen mit Massentests unter Kontrolle zu bringen – bisher mit wenig Erfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.