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Google und TU Braunschweig : Roboter-Autos auf den Straßen

  • Aktualisiert am

„Google-Mobil” in Kalifornien Bild: dpa

Google arbeitet an Roboter-Autos - und lässt eine Testflotte bereits im Straßenverkehr fahren. Auch in Deutschland arbeiten Forscher an solchen Ideen. In der vergangenen Woche hat die TU Braunschweig das Forschungsauto „Leonie“ auf die Straße geschickt.

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          Google arbeitet an Roboter-Autos - und lässt eine Testflotte bereits im Straßenverkehr Kaliforniens fahren. Die Wagen seien mit Kameras, Radar-Sensoren und Laser- Messgerät ausgerüstet, erläuterte der Entwickler Sebastian Thrun in einem Blog-Eintrag. Die Roboter-Autos fahren nicht nur sicherer, sondern auch zügiger als menschliche Fahrer, wie die Tests laut „New York Times“ ergaben, die in der Sonntagausgabe über das Projekt berichtete. Die Testflotte besteht demnach aus sechs Toyota Prius und einem Audi TT.

          Die Ankündigung zeigt, wie weit die Ambitionen von Google über das Internet-Geschäft hinausreichen. Bei der Steuerung der Autos ist künstliche Intelligenz mit im Spiel.

          Auch „Leonie“ hat den Praxistest bestanden

          Auch in Deutschland arbeiten Forscher an Roboterautos. In der vergangenen Woche hat die Technische Universität (TU) Braunschweig das Forschungsfahrzeug „Leonie“ auf die Straße geschickt. Damit wurde erstmals ein automatisches Auto ins „echte Leben“ auf deutsche Straßen gelassen. Basisauto ist ein VW Passat Variant mit 2, 0-Liter-TDI-Motor. Ausgestattet mit Laserscanner und Radarsensoren soll das Erprobungsfahrzeug zu jeder Zeit „sehen“, wo es sich befindet, um unfallfrei im Stadtverkehr `mitzuschwimmen“. Drei Kilometer lang ist das Auto durch den Stadtverkehr in Braunschweig gefahren. Damit hat das Forschungsfahrzeug „Leonie“ seinen Praxistest im „realen Verkehr“ bestanden. Zuvor war der umgebaute Passat nur auf Versuchsgelände gefahren, nun aber auf einer dicht befahrenen zweispurigen Strecke. Auf dem Dach des Wagens ist ein Laserscanner montiert, der andere Fahrzeuge und Hindernisse an die Bordelektronik übermittelt, die entsprechend das Fahrverhalten ändert. Bisher kann der Laser Rotlicht nicht erkennen. Der Fahrer muss zudem eingreifen bei Fahrspurwechseln oder Wendemanövern.

          Das  Forschungsfahrzeug „Leonie” am Freitag im Stadtverkehr von Braunschweig: Zur Sicherheit sind noch Ingenieure an Bord

          Die Testwagen von Google haben insgesamt bereits 140.000 Meilen (ca. 225.000 Kilometer) zurückgelegt, schrieb Thrun, der auch einer der Väter des in Deutschland umstrittenen Straßenatlas-Projekts Google Street View ist. Ganz ohne menschliches Zutun seien es 1000 Meilen gewesen, berichtete die „New York Times“ Die Google-Entwickler gehen der Zeitung zufolge davon aus, dass die Straßen doppelt soviel Verkehr fassen könnten, wenn Computer statt Menschen die Fahrzeuge steuerten - ganz abgesehen von einer umweltfreundlichen Fahrweise. Außerdem seien Roboter am Steuer naturgemäß nie müde oder abgelenkt. Bei den Testfahrten habe es nur einen kleinen Verkehrsunfall mit Blechschaden gegeben - als ein Fahrer von hinten auf ein Google-Auto auffuhr, das an einer Ampel hielt.

          Allerdings werde es auch nach optimistischen Schätzungen mindestens noch acht Jahre dauern, bis Roboter-Autos im Straßenverkehr zugelassen werden, schätzen die Ingenieure. Die Computersysteme müssten insgesamt noch deutlich verlässlicher werden.

          Mit menschlicher Begleitung

          Um die Sicherheit der Testfahrten zu gewährleisten, sitze immer ein speziell ausgebildeter Fahrer am Steuer der Wagen und könne jederzeit eingreifen, betonte Thrun. Als Beifahrer sei ein Software- Techniker an Bord. Durch die menschliche Begleitung seien die Tests auch mit den kalifornischen Straßenverkehrsregeln vereinbar, entschied Google nach ausführlicher Prüfung. Grundsätzlich sind aber die Regeln und auch die Haftungsbestimmungen bisher überhaupt nicht auf Roboterfahrzeuge vorbereitet.

          Die Testautos seien auch durch belebte Straßen wie den Hollywood Boulevard oder die Lombard Street in San Francisco gefahren, erläuterte Thrun. Auch die Golden Gate Brücke haben sie schon überquert.

          Zur Orientierung greifen die Roboterwagen unter anderem auch auf die Daten von Street View zurück, wie aus Thuns Blogeintrag hervorgeht. In Deutschland hatte Googles Idee, ganze Straßenzüge abzufotografieren und online zu stellen, für Diskussionen über Verletzungen der Privatsphäre gesorgt. Zahlreiche Mieter und Immobilienbesitzer nutzen ihr Recht, ihre Häuser oder Wohnungen auf den Street-View-Bildern unkenntlich zu machen. Die Roboter-Wagen haben ebenso wie die Autos zum Erstellen von Street-View-Aufnahmen Kameras auf ihren Dächern montiert - wenn auch weniger auffällige.

          Google-Chef Eric Schmidt hatte in jüngsten Auftritten mehrfach signalisiert, dass der Internet-Konzern sich Richtung künstlicher Intelligenz vorarbeite. So sei die nächste Etappe bei der Internet- Suche, den Menschen Informationen zu bieten, die sie interessieren, auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst seien, hatte Schmidt in Berlin auf der Funkausstellung IFA angekündigt. Dafür brauche Google allerdings möglichst viele Informationen über einen Nutzer.

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