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Novum in der Tech-Branche : Google-Mitarbeiter gründen Gewerkschaft

Im Juni 2019 protestieren Mitarbeiter von Google in Kalifornien. Bild: Bloomberg

Gewerkschaften? Brauchen Tech-Konzerne nicht! So lautete bislang die einhellige Meinung im Silicon Valley. Doch Google-Beschäftigte machen nun ernst. Ähnliche Absichten gibt es auch bei Amazon.

          3 Min.

          Die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google bekommt eine Gewerkschaft. Eine Gruppe von Mitarbeitern kündigte am Montag die Gründung der „Alphabet Workers Union“ an. Dylan Baker, ein Softwareentwickler im Unternehmen, nannte den Schritt in einer Mitteilung „historisch“.

          Roland Lindner
          (lid.), Wirtschaft

          Die Technologiebranche war bislang für Gewerkschaften ein schwieriges Revier. Allerdings hat sich in den Belegschaften von Unternehmen wie Google und Amazon in den vergangenen Jahren zunehmend Aktivismus breitgemacht, der sich zum Beispiel in öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen äußerte. Die Gründung der Google-Gewerkschaft bringt diesen Aktivismus in eine neue Dimension und gibt ihm mehr Struktur.

          Der Gewerkschaft haben sich zunächst rund 225 Mitarbeiter angeschlossen, was nur einem sehr kleinem Teil des Personals entspricht, das aus mehr als 130.000 Beschäftigten besteht. Die Organisatoren hoffen aber auf breitere Unterstützung und sagen, ihre Gruppe stehe allen Mitarbeitern offen. Wer sich anschließt, muss sich bereiterklären, ein Prozent seines Jahresgehalts als Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Die Gründung der Gewerkschaft ist nach Angaben der Organisatoren rund ein Jahr lang vorbereitet worden.

          Google wollte Gewerkschaft verhindern

          Dass Google nun der erste große amerikanische Technologiekonzern wird, in dem sich eine Gewerkschaft auf breiter Front etablieren will, ist nicht ganz überraschend. Das Unternehmen sah sich in den vergangenen Jahren wiederholt Widerstandsbewegungen aus seiner Belegschaft gegenüber. Es bildete sich zum Beispiel eine Gruppe mit dem Namen „Google Walkout for Real Change“, die im Herbst 2018 einen Streik mit Tausenden von Kollegen auf der ganzen Welt organisierte. Auslöser war damals Googles Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Daneben gab es Proteste gegen Projekte des Unternehmens mit der amerikanischen Regierung und gegen zwischenzeitliche Pläne, wieder eine zensierte Suchmaschine in China anzubieten.

          In der Google-Führung lösten diese Aktionen offenbar Alarm aus. Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass der Konzern eine Beratungsgesellschaft angeheuert hat, die unter anderem dafür bekannt ist, das Bilden von Gewerkschaften bei ihren Kunden zu verhindern. Medienberichten zufolge haben Google-Manager 2019 versucht, ein Treffen von Mitarbeitern in der Züricher Niederlassung zu unterbinden, in dem Fragen rund um Gewerkschaften diskutiert werden sollten. Google hat auch fünf Mitarbeiter entlassen, die sich als Aktivisten hervorgetan hatten. Das Unternehmen führte dafür zwar andere Gründe an, allerdings kam die für Arbeitsrecht zuständige amerikanische Behörde National Labor Relations Board kürzlich zu dem Schluss, es könnte damit gegen Arbeitsgesetze verstoßen haben.

          Erst vor wenigen Wochen geriet Google abermals wegen seines Arbeitsumfeldes in die Schlagzeilen, als Timnit Gebru, eine Forscherin mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz, sagte, sie sei entlassen worden, nachdem sie in einer internen E-Mail Kritik am Unternehmen geübt habe. Medienberichten zufolge monierte sie unter anderem, dass Google zu wenig Mitarbeiter aus unterrepräsentierten Gruppen einstelle.

          Ähnliche Bewegung auch bei Amazon

          Auch in anderen Unternehmen hat es innerbetriebliche Proteste gegeben. Bei Amazon hat eine Gruppe mit dem Namen „Amazon Employees for Climate Justice“ Druck auf den Konzern gemacht, sich stärker für den Klimaschutz zu engagieren. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat sie Amazon aufgefordert, mehr für die Sicherheit von Mitarbeitern in Distributionszentren zu tun. Amazon-Mitarbeiter in einem Lager im Bundesstaat Alabama bereiten die Gründung einer Gewerkschaft vor und planen eine entsprechende Abstimmung unter den Beschäftigten in naher Zukunft.

          Dies wäre die erste Gewerkschaft im Konzern. Eine der prominentesten Gewerkschaften, die es bislang in der Technologiebranche gibt, wurde im vergangenen Jahr in der Finanzierungsplattform Kickstarter gegründet. Bei Google hat sich 2019 schon eine Gruppe von externen Mitarbeitern in der Niederlassung in Pittsburgh gewerkschaftlich organisiert.

          Auf der Internetseite der neuen „Alphabet Workers Union“ kommen einige Beschäftigte zu Wort und nennen Gründe, warum sie die Gewerkschaft für notwendig halten. Softwareentwickler Brian Ellis zum Beispiel sagt, Google habe sein einstiges Unternehmensmotto „Don’t be Evil“ – „Tue nichts Böses“ – aus den Augen verloren. Sein Kollege Derek Snyder beklagte den Umgang seines Arbeitgebers mit Mitarbeitern, die „moralische und ethische Bedenken“ äußern. Die neue Gewerkschaft hat keine konkrete Liste von Forderungen, schreibt sich aber unter anderem auf die Fahnen, für mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit im Unternehmen sorgen zu wollen.

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