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Google kauft Motorola-Handysparte : Ein Handyhersteller und 17.000 Patente

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im Wettbewerb um das mobile Internet kauft Google für 12,5 Milliarden Dollar den eigentlich unbedeutenden Hersteller Motorola. Dem gehören aber 17.000 Mobilfunk-Patente, die Google dringend braucht, um Android zu verteidigen.

          Googles Kauf der Motorola-Handysparte für 12,5 Milliarden Dollar hat zwei wesentliche Gründe: Google kopiert einerseits das Apple-Modell eines integrierten Anbieters, der Hardware und Software aus einer Hand anbietet. Und Google erwirbt mit Motorola rund 17.000 Mobilfunk-Patente, die am Markt gerade heiß begehrt sind. „Das ist ganz klar ein defensiver Deal. Google stand mit dem Rücken an der Wand und musste Android beschützen“, sagte Ben Schachter von Macquarie Capital. Motorola spielt am Handy-Markt schon lange keine wichtige Rolle mehr, besitzt aber noch wichtige Patente.

          Im Zentrum des Wettstreits der Technik-Giganten steht der Markt für die mobilen Geräten, vor allem internetfähige Handys (Smartphones) und Tabletcomputer wie das iPad. Wahrscheinlich schon im kommenden Jahr werden mehr mobile Geräte als stationäre Computer auf der Welt verkauft. Daher strömen nahezu alle Computerunternehmen auf den Mobilfunkmarkt.

          Großen Erfolg haben aber aktuell nur zwei Anbieter: Apple mit den iPhones und iPads sowie Google mit seinem offenen Betriebssystem Android, das von vielen Geräteherstellern eingesetzt wird. Alle anderen Anbieter wie Nokia, Microsoft, Sony Ericsson, Hewlett-Packard oder der Blackberry-Hersteller Research in Motion können mit den beiden Platzhirschen im Moment am Markt nicht mehr mithalten. Weil es aber um den Computermarkt der Zukunft geht, wird mit allen Haken und Ösen gestritten. Der Streit um die Patente ist dabei der wichtigste Nebenkriegsschauplatz.

          Bisher verdient nur Apple das große Geld

          Der scharfe Wettbewerb um den Mobilfunkmarkt hat seine entscheidende Wendung 2007 genommen, als Apple das iPhone auf den Markt und damit erst richtigen Schwung in das mobile Internet gebracht hat. Google hat daraufhin 2008 mit seinem eigenen Betriebssystem Android geantwortet. Allerdings mit einem anderen Ansatz: Google hat sein System allen Geräteherstellern kostenlos zur Verfügung gestellt, während Apple sein Betriebssystem iOS immer nur auf den eigenen Geräten eingesetzt hat. Diese unterschiedlichen Strategien brachten den Unternehmen höchst unterschiedliche Ergebnisse: Android machte Marktanteil, aber Apple den Gewinn. Während Apple immer nur mit dem aktuellen iPhone im Markt unterwegs war, läuft Android inzwischen auf Dutzenden Smartphones vieler verschiedener Hersteller. Motorola gehört auch dazu, allerdings nur mit wenig Erfolg. Der Anteil des Unternehmens am gesamten Handy-Weltmarkt beträgt nur noch 2,4 Prozent.

          Viel erfolgreicher haben die asiatischen Hersteller Samsung und HTC die Android-Software eingesetzt und entscheidend dazu beigetragen, dass Android heute die größte Plattform im Smartphone-Markt ist. Das Duo Apple/Android ist sogar stark genug, die beiden Weltkonzerne Nokia und Microsoft in die Knie zu zwingen. Nokias Marktanteil schmilzt im Moment in dramatischem Tempo dahin und auch Microsofts neues System Windows Phone 7 ist bisher ein Flop. Die Google-Akquisition könnte nun den Anstoß liefern, dass aus der geplanten Partnerschaft der beiden Unternehmen eine Übernahme wird.

          Google hatte bisher die Strategie, seine Software zu verschenken, um anschließend auf möglichst vielen Geräten seine Werbung zeigen zu können. Die Strategie ist langfristig wahrscheinlich nicht schlecht, doch erst einmal verdient nur Apple das große Geld am Markt. Im vergangenen Quartal flossen 66 Prozent aller Gewinne der Handy-Hersteller in die Taschen des Apfel-Unternehmens. Den Rest mussten sich Samsung, HTC und der Blackberry-Hersteller Research in Motion teilen. Der einstige Platzhirsch Nokia ging sogar leer aus, ebenso wie Motorola.

          Wichtige Argumente im eskalierenden Patentstreit

          Google hatte bisher zweimal versucht, mehr Einfluss auf die Hardware zu nehmen und mit den Smartphones Nexus 1 und Nexus S Geräte auf den Markt gebracht, die von HTC und Samsung gebaut wurden. Beide Versuche sind aber letztlich als gescheitert zu bezeichnen, denn nennenswerte Marktanteile erzielten beide Geräte nicht. Sollte Google die Handyfertigung nicht schnell weiterverkaufen, wird das Unternehmen nun mehr Einfluss auf die Produktentwicklung nehmen und wohl Geräte herausbringen, die von den Technikfans geliebt werden. Ob auch die Masse der Verbraucher darauf abfahren wird, ist die große Frage. Davon unbeeinflusst will Google seine bisherigen Partner wie Samsung oder HTC weiterhin mit der Android-Software beliefern, um das Werbegeschäft nicht zu gefährden. „Wir heißen die Akquisition willkommen, da sie zeigt, dass Google sich zutiefst verpflichtet sieht, Android, seine Partner und das gesamte Ökosystem zu verteidigen“, sagte Peter Chou, der Vorstandschef von HTC. Diese „Verteidigung“ bezieht sich aber eher auf den Gerichtssaal als auf den Markt.

          Kurzfristig viel wichtiger als der Fuß im Hardwaremarkt ist für Google nämlich die gestärkte Position in dem Patent-Streit, den die Handykonzerne gerade untereinander ausfechten. Jüngst ist ein Patentstreit zwischen Google auf der einen Seite und einer Allianz aus Microsoft, Apple, Sony und Research in Motion auf der anderen Seite eskaliert. Google wirft seinen Wettbewerbern offen vor, „einen Krieg gegen das Google-Betriebssystem Android“ zu führen. Der Vorwurf: Die Allianz um Apple und Microsoft hätte die 6000 Mobilfunk-Patente von Nortel für 4,5 Milliarden Dollar nur gekauft, um jetzt Hersteller wie HTC oder Samsung mit Klagen zu überziehen. Wenn Samsung und HTC künftig Geld für ein Android-System ausgeben müssen - Google spricht von 15 Dollar je Gerät - könnten sowohl Apple als auch Microsoft die Nutznießer sein. Nach Ansicht von Google haben die Patent-Klagen also nur ein Ziel: Die lästige Konkurrenz aus dem Hause Google zu schwächen. Mit den 17.000 Motorola-Patenten hat Google nun wichtige Argumente in der Hand, die Klagen gegen Android und die Hersteller abzuschmettern.

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