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Goodyear : Manager als Geiseln

Protestfeuer vor dem Goodyear-Werk in Amiens Bild: AP

In Frankreich sind abermals Führungskräfte von wütenden Arbeitern als Geiseln genommen worden. Knapp 30 Stunden hielten Arbeiter einer Reifenfabrik zwei Manager fest, um höhere Abfindungen zu erzwingen.

          Aus Protest gegen die geplante Schließung einer Goodyear-Reifenfabrik in Nordfrankreich haben Arbeiter zwei Manager des Werks knapp 30 Stunden lang gefangen gehalten. Am Dienstagnachmittag kamen der Produktionsleiter und der Personalleiter des Werks in der Stadt Amiens wieder frei. Die Gewerkschaft CGT kündigte aber an, das Werk zu besetzen, um Abschiedsprämien für entlassene Arbeiter zu erzwingen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Lokale Gewerkschaftsführer hatten abermals zum Protestmittel der Freiheitsberaubung gegriffen, um ihre Interessen durchzusetzen. Im Goodyear-Reifenwerk Amiens tobt seit fünf Jahren ein heftiger Streit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Das Werk soll mit seinen 1200 Mitarbeitern geschlossen werden, die Beschäftigten kämpfen für höhere Abfindungen. Seit Montag hielten sie daher den für die Produktion zuständigen Werksdirektor, Michel Dheilly, und den Personalchef Bernard Glesser auf dem Fabrikgelände fest. In einem Bürogebäude mussten die beiden Manager die Nacht verbringen, nachdem eine Verhandlungsrunde mit den Arbeitern ohne Ergebnis geendet hatte und die Beschäftigten danach die Ausgänge blockierten. Die Männer bekamen zu essen und zu trinken und durften mit ihren Handys telefonieren, nicht aber die Fabrik verlassen, sagte der lokale Sprecher der Gewerkschaft CGT, Mickaël Mallet. „Wir haben auch den medizinischen Dienst gebeten, ihren Puls zu messen“, fügte er hinzu.

          Reifen in der Tür: Goodyear-Manager saßen im Werk fest.

          Die Auseinandersetzung begann im Jahr 2008, als sich die Gewerkschaften im Goodyear-Werk Amiens-Nord weigerten, den Schichtbetrieb zu intensivieren. Goodyear forderte längere Arbeitsintervalle inklusive Nacht- und Wochenarbeit, bot aber auch längere Freizeiten, deutliche Gehaltsaufschläge sowie eine Arbeitsplatzgarantie bis 2014. Die Gewerkschaften im benachbarten, ebenfalls zu Goodyear gehörenden Dunlop-Werk Amiens-Süd akzeptierten den neuen Rhythmus, nicht aber die Mehrheitsgewerkschaft CGT und ihre Bündnispartner in Amiens-Nord. Darauf zog Goodyear mit dem Verweis auf hohe Kosten Aufträge von Amiens-Nord ab und versuchte, über Sozialpläne Stellen abzubauen. Doch diese wurden von den Gewerkschaften immer wieder vor Gericht gestoppt. Im vergangenen Dezember erlitten die Arbeiter vor einem Gericht in Versailles jedoch eine endgültige Niederlage. Eine ihrer Forderungen lautet seither 80000 Euro Abfindung für junge Arbeiter und bis zu 180000 Euro für die Älteren. Pro Jahr Betriebszugehörigkeit sollen 1500 Euro hinzukommen. Goodyear hat indes die Verhandlungen abgebrochen, weil die zwei Führungskräfte am Dienstagnachmittag noch nicht freigelassen wurden.

          Aus Amerika meldete sich auch wieder der Chef des Reifenherstellers Titan, Maurice Taylor. Er hatte im vergangenen Jahr um die Übernahme des Werkes verhandelt, dann aber laut polternd die Gespräche abgebrochen. Die französischen Arbeiter hätten keine Arbeitsmoral, schimpfte er in einem Brief an den französischen Industrieminister Arnaud Montebourg. Auch jetzt machte er seinem Unmut über das „Kidnapping“ im französischen Radio Luft: „Bei uns kommen die Leute für sowas ins Gefängnis“, sagte er. Die Arbeiter seien „übergeschnappt“. „Warum machen sie nicht gleich ein paar Banküberfälle? Dann könnten sie Goodyear kaufen.“ Taylor gilt freilich weiter als Interessent für die Übernahme des Goodyear-Geschäftsbereichs der Agrarreifen mit seinen rund 300 Mitarbeitern. Der französische Arbeitgeberverband Medef protestierte ebenfalls gegen die „Gewaltanwendung“. Der prominente Generalsekretär der Gewerkschaft Force Ouvrière, Jean-Claude Mailly, meinte hingegen, die Freiheitsberaubung sei „kein Drama“.

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