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Qatars Fluggesellschaft in Not : Es hängt an Bahrain

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Im vergangenen Jahr hat Qatar Airways umgerechnet rund 8,7 Milliarden Euro umgesetzt. Das Beratungsunternehmen Frost & Sullivan beziffert die voraussichtlichen Umsatzeinbußen auf 30 Prozent; nach Ansicht des Centre for Aviation (CAPA) wirkt sich vor allem der Verlust von Umsteigereisenden aus Saudi-Arabien und den Emiraten negativ auf die Bilanz aus. Dazu kommen aufgrund der längeren Flugstrecken Kosten für zusätzliches Kerosin (Analysten von Crucial Perspective gehen von 10% zusätzlichen Spritkosten aus) und jeden Tag rund 400.000 Dollar für Flüge durch iranischen Luftraum – jeder Flug kostet Qatar Airways 2000 Dollar. Weil die Fluglinie viele Kurzstreckenflugzeuge nicht anderweitig nutzen kann, ist sie gezwungen, die Maschinen für viel Geld in umliegenden Ländern zu parken. Auf dem Flughafen Hamad International in Doha ist dafür kaum Platz. Analysten gehen davon aus, dass sich die Situation langfristig auf die Ticketpreise von Qatar Airways auswirken wird.

„Amerika gießt Öl ins Feuer“

Der Vorstandsvorsitzende von Qatar Airways, Akbar Al Baker, macht gute Miene zum bösen Spiel: In seiner einzigen Wortmeldung seit Beginn der Krise gab der sonst nicht gerade wortkarge Manager zu Protokoll, der Flugbetrieb laufe „vollkommen reibungslos“: „Was uns angeht: Hier herrscht business as usual.“ Am Montag legte er einen Geschäftsbericht mit hervorragenden Ergebnissen vor: Qatar hat demnach im letzten Jahr 20 Prozent mehr Passagiere befördert, der Nettogewinn stieg bis zum 31. März 2017 um 22 Prozent auf 1,97 Billionen Katar-Riyal (538,7 Millionen Dollar), der Umsatz um 10 Prozent. Gerade deshalb ist die Blockade für den aggressiv expandierenden Golf-Carrier, der allein in den nächsten zwei Jahren 26 neue Ziele ansteuern will, ein herber Schlag. Sorgen macht sich auch Hersteller Airbus, bei dem Qatar Airways Bestellungen für mehr als hundert Flugzeuge offen hat, darunter 66 Airbus A350.

Erst am Montag machte Akbar Al Baker seinem Ärger öffentlich Luft: „Ich bin sehr enttäuscht von den Vereinigten Staaten“, sagte er dem Sender CNN. „Amerika sollte versuchen, diese Blockade zu durchbrechen, statt daneben zu sitzen und Öl ins Feuer zu gießen.“ Dem Sender Al Dschasira sagte er: „Bahrain und die Emirate haben die Transit-Vereinbarung des Chicagoer Abkommens unterzeichnet. Was sie tun, ist illegal.“ Die Blockade resultiere aus der Eifersucht der Nachbarstaaten: „Katar ist immer vorn dabei wenn es darum geht, Probleme zu lösen“, sagt Al Baker. „Die anderen Staaten wollen unsere Souveränität untergraben.“ Enttäuscht sei er von Donald Trump, dessen Politik er immer unterstützt habe.

Bleibt die Frage: Cui bono? Nicht nur Airlines wie die Bahrainische Gulf Air oder Singapore Airlines, die auf profitträchtigsten Routen zu Qatars größten Konkurrenten zählen, profitieren von der Situation. Die Krise fällt auch in eine Zeit, in der die auf Umsteigepassagiere angewiesenen Riesen vom Golf ohnehin schwächeln: Etihad steckt wegen ungünstiger Beteiligungen an Air Berlin und Alitalia in der Krise, Konkurrent Emirates meldet einen massiven Gewinneinbruch um 80 Prozent, den das Unternehmen auf die schlechte Weltlage schiebt. Gerade für die Linie Emirates, die angesichts der Entwicklungen in Amerika nicht müde wurde, offene Grenzen am Himmel zu propagieren, kommt die Entwicklung nicht gelegen. Das negative Image der Golf-Carrier könnte sich nach Ansicht von Frost & Sullivan auch positiv auf Konkurrenten wie Malaysia Airlines oder die europäischen Netzwerk-Airlines Lufthansa und Air France-KLM auswirken.

Eine Chance ist das diplomatische Menetekel ausgerechnet für die krisengebeutelte Oman Air: Am Wochenende teilte das Unternehmen mit, mit seinen fünf neuen Dreamlinern für Qatar Airways Zubringerflüge zwischen Doha und den Metropolen am arabischen Golf durchzuführen. Auch die wichtigen Strecken zwischen Ägypten und Qatar, wo 100.000 Ägypter zumeist im öffentlichen Dienst arbeiten, wird nun von Oman Air bedient. Die Airline steigerte ihre Kapazitäten dabei um 25 Prozent – und macht Chef Paul Gregorowitsch Hoffnung, vielleicht nicht gleich aus den roten Zahlen, aber zumindest der schwarzen Null etwas näher zu kommen.

Ein Airbus A350 von Qatar Airways.

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