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Markenstreit : Es kann nur einen Goldhasen geben

Der Goldhase von Lindt ist der Platzhirsch unter den Schokohasen. Bild: dpa

Der Goldhase von Lindt ist so beliebt, dass er immer wieder kopiert wird. Jetzt springt der Bundesgerichtshof dem Schokotier zur Seite.

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          Goldgelb schimmern die Schokohasen von Lindt in allen Supermarktregalen. Das ist nicht nur schön anzusehen, wie der naive Kunde vielleicht denken mag, sondern gehört zur unverwechselbaren Markenstrategie des Schweizer Herstellers Lindt & Sprüngli. Und dieser Markenstrategie hat der Bundesgerichtshof am Donnerstag einen deutlichen Schub verliehen: Der goldene Farbton genießt Markenschutz, entschieden die Karlsruher Richter am Donnerstag. 

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Juristisch gesprochen klingt das natürlich nüchterner. Der Schokoladenhersteller habe nachgewissen, dass der Goldton des Lindt-Hasen „innerhalb der beteiligten Verkehrskreise“ als Marke „Verkehrsgeltung für Schokoladenhasen“ erlangt hat. Will sagen: Für die werte Kundschaft ist der Goldhase eine feste Größe.

          In umfangreichen Marktanalysen hat das Unternehmen die Karlsruher Richter überzeugt: 70 Prozent der Kunden verbinden den Anblick von Goldfolie mit dem Lindt-Hasen. Das ist weit mehr als die für solche Zwecke verlangten 50 Prozent.

          Kampf gegen die Wettbewerber 

          Im Kampf gegen Wettbewerber, die mit ähnlich aussehenden Goldhasen an den Erfolg von Lindt anknüpfen wollen, ist das keine Petitesse. Mit einem Marktanteil von 40 Prozent ist der Goldhase von Lindt der mit Abstand meistverkaufte Schokoladenosterhase Deutschlands. Die Population vermehrt sich rasant: Mehr als eine halbe Milliarde dieser Exemplare hat das Unternehmen in den vergangenen 30 Jahren verkauft. Seit 1952 ist er in goldene Folie gewickelt, seit 1994 ist dieser Goldton unverändert.

          Vor zwei Jahren brachte die Confiserie Heilemann im Unterallgäu ebenfalls einen Schokoladenosterhasen in goldfarbener Folie auf den Markt. Lindt, in Markenstreitigkeiten durchaus bewandert, zog vor Gericht und pochte auf seine Markenrechte.

          Noch ist nicht alles entschieden

          „Gewonnen hat Lindt-Sprüngli den Fall aber noch nicht“, sagt Andrea Schlaffge, Markenrechtlerin bei Hengeler Mueller in Düsseldorf. Der Bundesgerichtshof hat die Sache an das Oberlandesgericht München zurückgewiesen. Die Münchner Richter müssen nun prüfen, ob der irritierte Kunde den Heilemann-Hasen nun tatsächlich mit dem Lindt-Hasen verwechselt. „Nur dann kann von einer Verletzung der Markenrechte ausgegangen werden“, sagt Schlaffge.

          Die Anwältin erinnert daran, dass die Hürden für den Schutz sogenannter abstrakter Farbmarken sehr hoch sind. „Dies dürfte nur bei solchen Produkten gelingen, die ein Unternehmen jahrzehntelang und in großem Umfang vertrieben hat, weil Farben in den Augen der Verbraucher zunächst einmal als schmückendes Beiwerk und nicht als Marke begriffen werden.“ Lindt & Sprüngli jedenfalls ist dieser Nachweis bei ihrem Lindt-Goldhasen gelungen (Az.: I ZR 139/20). 

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