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GmbH in Verantwortungseigentum : Rechtsform und Moral

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SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil vor Gründern, die ihre Unterstützung für eine alte Idee mit Kleidung aus dem 19. Jahrhundert dokumentieren. Bild: Jens Gyarmaty

Eine Gruppe von Unternehmern will eine weitere Rechtsform: die „GmbH in Verantwortungseigentum“. Der Vorstoß ist noch nicht ausgegoren, sorgt aber schon für einige Aufregung.

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          Unternehmer können mit ihrem Geld machen, was sie wollen: Gutes tun, es auf den Kopf hauen, Arbeitsplätze schaffen. Kaum eine Rechtsform – AG, SE, GmbH, KG, OHG, GbR – hindert sie daran. Wenn die Aktionäre eines Dax-Konzerns beschließen, das Unternehmen aufzulösen, um die Welt zu retten, dürfen sie selbst das. Die Tatsache, dass er im Kleid einer europäischen Aktiengesellschaft steckt, hat den Chemiekonzern BASF und seine Eigentümer nicht abgehalten, zur Überwindung der Corona-Krise 100 Millionen Euro zu spenden. Gerade Kapitalgesellschaften verändern sich, weil immer mehr Kunden darauf achten, wie Unternehmen mit Lieferanten, Umwelt und Mitarbeitern umgehen. Der Markt funktioniert.

          Familienunternehmer sind per se weder besser noch schlechter. Der Streit zwischen den Erben von Aldi-Nord, Tönnies, Tengelmann oder Oetker steht einem Aktionärskrach in nichts nach. Unternehmer, die Streit von vornherein ausschließen und sicherstellen wollen, dass ihre Firma bestehen bleibt und die Nachfahren das Geld nicht verjuxen, können eine Stiftung gründen. In so einem Rechtsrahmen agieren selbst Konzerne wie Bosch oder Zeiss. Ihre Wirtschaftlichkeit scheint darunter nicht zu leiden.

          Wettbewerb belebt das Geschäft

          Nun soll nach dem Willen einer Gruppe von Unternehmern eine weitere Rechtsform dazukommen: die „GmbH in Verantwortungseigentum“. Es ist ein Versuch, beide Welten zu verbinden: Keine Gewinnausschüttungen an Gesellschafter, ein Verkauf ist aber möglich, eine Aufsicht wie bei gemeinnützigen Stiftungen wollen die Initiatoren nicht. Obwohl noch nicht ausgegoren, sorgt der Vorstoß schon für einige Aufregung, vor allem unter Familienunternehmen. Sie sehen sich herausgefordert durch eine neue Rechtsform, die ihren moralischen Führungsanspruch in Frage stellen könnte. Nun gilt aber auch hier: Wettbewerb belebt das Geschäft.

          Zweifel sind trotzdem angebracht, denn nicht jede Idee braucht eine neue Rechtsform. Am Ende dürfte vor allem die Bürokratie wachsen. Besser wäre es, das Stiftungsrecht zu entschlacken. Junge und kleine Unternehmen scheuen heute oft den Aufwand für solch eine Gründung. Der Staat sollte ihnen aber nicht im Wege stehen, wenn sie noch mehr Gutes tun wollen.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

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