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Milliardenstreit : Was die Glyphosat-Entscheidung für Bayer bedeutet

Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann Bild: EPA

Ein US-Richter hat einen wichtigen Teil des milliardenschweren Vergleichs rund um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat abgelehnt. Der Bayer-Konzern muss sich nun eine neue Taktik einfallen lassen.

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          Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat in seinem mehr als 11 Milliarden Dollar schweren Vergleich rund um das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup einen herben Rückschlag erlitten. Weil ein Bundesrichter in San Francisco den Vorschlag für eine Vereinbarung zwischen Bayer und Klägeranwälten von Krebspatienten zum Umgang mit zukünftigen Klagen zurückgewiesen hat, muss das Unternehmen nun umsteuern. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ist der Vergleich damit geplatzt?

          Nein, nicht komplett. Mit rund 96.000 der insgesamt mehr als 125.000 Kläger hat Bayer schon eine Einigung erzielt, dafür zahlt das Unternehmen rund 9,6 Milliarden Dollar. Zunächst ändert der Dax-Konzern auch nichts an seiner Strategie, weitere 2 Milliarden Dollar für den Umgang mit zukünftigen Klägern bereitzustellen. Jedoch kann Bayer wegen der Entscheidung des Richters noch keinen Schlussstrich unter den Gerichtsstreit ziehen.

          Ursprünglich war in der Vereinbarung eine medizinische Betreuung zur möglichst frühzeitigen Diagnose von Krebsfällen sowie Entschädigungen von Erkrankten vorgesehen. Für Bayer war aber auch wichtig, dass etwaige künftige Kläger keine „Punitive Damages“ erstreiten können, also eine Strafe, die im amerikanischen Recht oft zusätzlich zum eigentlichen Schadenersatz verhängt wird, wie das in den bisherigen drei Gerichtsverfahren um Roundup der Fall war.

          Das ist alles vom Tisch. Das Unternehmen will allerdings weiterhin ein Expertengremium einrichten, das sich mit der Frage befasst, ob Bayers Glyphosat-Produkt Roundup überhaupt Krebs verursacht. „Mit der Ablehnung des Richters Chhabria sind wir in eine Sackgasse gestoßen“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann in einer Telefonkonferenz am Donnerstagvormittag. Nun gehe das Unternehmen einen anderen Weg. „Wir sind jetzt selbst verantwortlich und können kontrollieren, wie wir das Ergebnis gestalten“, sagte Baumann.

          Kommen weitere Klagen auf Bayer zu?

          Davon ist auszugehen. Es gibt noch zahlreiche Anwälte in den Vereinigten Staaten, die sich den bisherigen Vergleichsverhandlungen nicht angeschlossen haben. Außerdem dauert es meist Jahre, bis die Krebserkrankung, das Non-Hodgkin-Lymphom auftritt, weshalb es auch in Zukunft noch Anwender von Roundup geben könnte, die Ansprüche geltend machen können, weil sie erkrankt sind. Bayer versucht derweil, in zwei Fällen im Berufungsverfahren eine Entscheidung des US Supreme Courts, des Obersten Gerichts, zu erzielen. Da rechnet Bayer mit einem Urteil Mitte des kommenden Jahres. Wenn das Gericht im Sinne des Unternehmens entscheidet, könnte das Haftungsrisiken verringern, weil das Bundesrecht Vorrang hat und damit weitere Klagen aus niedrigeren Instanzen erschweren würde.

          Bayer war in den USA in drei Prozessen wegen Krebserkrankungen nach einer Nutzung von Roundup zu hohen Entschädigungszahlungen verurteilt worden. Erst Mitte Mai hatte ein Bundesberufungsgericht in San Francisco eine Verurteilung des Konzerns zu rund 25 Millionen Dollar Schadenersatz an einen an Krebs erkrankten Kläger bestätigt.

          Nimmt Bayer Glyphosat vom Markt?

          Nein, aber das Unternehmen ändert seine Strategie in zwei Punkten: Zum einen beantragt Bayer bei der amerikanischen Umweltbehörde EPA, dass sie einen Link auf alle Etiketten von Glyphosat-Produkten drucken dürfen, der wiederum auf eine Seite verweist, auf der wissenschaftliche Erkenntnisse zur vielleicht krebserregenden Wirkung des Herbizids gesammelt werden.

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