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Globetrotter-Chef im Interview : „Der Outdoor-Markt wurde überschätzt“

  • Aktualisiert am

Globetrotter-Chef Thomas Lipke Bild: Pilar, Daniel

Die Outdoor-Branche ist laut Globetrotter-Chef Lipke noch immer eine Nische. Der Händler reagiert auf den zunehmenden Wettbewerb und will vorerst keine neuen Filialen eröffnen.

          Herr Lipke, Sie verdienen Ihr Geld mit Outdoor-Ausrüstung. Wann waren Sie das letzte Mal wandern?

          Letztes Jahr, in Südtirol. Meine Frau und ich waren im November für ein verlängertes Wochenende dort. Zu der Zeit ist dort Hochsaison, nach der Ernte wird der erste neue Wein ausgeschenkt. Es war also auch -kulinarisch ein Highlight.

          Was treiben Sie noch für Sport?

          Ich gehe auch Bergsteigen und Kanufahren, bin also ein echter Allrounder. Im April war ich auf einer Hundeschlittenexpedition in Spitzbergen, meine nächste Reise führt mich nach Kanada zum Angeln.

          Muss man als Chef von Globetrotter selbst ein Abenteurer sein?

          Ich mache das nicht nur wegen meines Berufs, sondern vor allem, weil es mir Spaß macht. Ich glaube aber, dass man so ein Unternehmen nicht führen kann, wenn man nicht selbst auch die Zielgruppe ist.

          Sind Sie deshalb 1980 zu Globetrotter gekommen? Das Unternehmen verkauft alles, was man für solche Touren braucht.

          Mich hat tatsächlich vor allem das Sortiment gelockt. Ich war schon damals passionierter Bergsteiger und brauchte neue Ausrüstung zum Klettern in den Alpen. Ich habe dann erst mal als Zeltverkäufer bei Globetrotter angefangen.

          Heute leiten Sie das Unternehmen. Womit verdient Globetrotter am meisten?

          Der Wanderer ist unser bester Kunde, weil er sich bei uns mit allem eindeckt. In diesem Bereich gibt es eine breite Zielgruppe. Untersuchungen gehen davon aus, dass bis zu 40 Millionen Deutsche wandern. Damit ist nicht das klassische Spazierengehen gemeint, sondern dass man acht, neun Stunden am Stück unterwegs ist oder auch mal mehrtägige Touren macht.

          40 Millionen? Dabei galt Wandern gerade unter jungen Leuten doch lange als spießig.

          Das hat sich gewandelt. Mein Sohn war schon vor Jahren zum Wandern auf Klassenfahrt in Italien. Als ich ihn gefragt habe, warum sich seine Klasse ausgerechnet dafür entschieden hat, sagte er nur: „Das soll total cool sein.“ Die haben dann in Hütten übernachtet und gemeinsam gekocht - er war begeistert.

           Wandern ist der neue Trend?

          Ich glaube, da hat ein Sinneswandel stattgefunden. Viele wollen sich in ihrer Freizeit heute nicht mehr einfach an den Strand in die Sonne legen, sondern rausgehen, aktiv sein, sich bewegen. Und Wandern ist nun mal etwas für alle Altersgruppen: Man kann schnell oder langsam laufen, alleine oder in der Gruppe.

          Die Ausrüstung dafür bekommt man heute sogar bei Aldi oder Tchibo, und zwar deutlich günstiger als bei Ihnen.

          Das stimmt, und es hilft uns sogar. Bei Aldi oder Tchibo sind es meistens Einsteiger, die sich Wanderschuhe oder Rucksäcke kaufen. Sie wollen sich erstmal ran tasten. Diesen Markt können und wollen wir preislich nicht bedienen. Wenn diese Kunden dran bleiben, sind sie bereit, auch ein bisschen mehr Geld auszugeben. Dann kommen sie zu uns und kaufen sich höherwertige Produkte.

          Werden nicht auch deshalb so viele Outdoorjacken verkauft, weil jeder sie heute im Alltag trägt?

          Das trägt sicher auch dazu bei. Nicht jeder geht mit unseren Regen- und Softshell-Jacken wandern. Viele tragen sie auch auf dem Fahrrad oder in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit.

          Der Outdoor-Markt ist lange rasant gewachsen auf einen Branchenumsatz von zuletzt etwa zwei Milliarden Euro, jetzt geht er zurück. Warum?

          Daran sind wir selbst nicht ganz unschuldig. Globetrotter ist über Jahre zweistellig gewachsen, damit ist der Markt für andere natürlich attraktiv geworden. Jeder hat sein Glück versucht: Die Hersteller haben expandiert, viele neue Marken sind hinzugekommen. Doch der Markt wurde überschätzt, Outdoor ist immer noch eine Nische. Jetzt müssen alle ihre Erwartungen mal wieder auf ein vernünftiges Maß zurückschrauben.

          Auch Globetrotter musste die Erwartungen senken, erstmals stagniert ihr Geschäft.

          Wir sind mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Auch unsere Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr haben wir schon angepasst: Wir rechnen jetzt mit einem Wachstum von etwa zwei bis vier Prozent, 2011 waren es noch zehn Prozent. Der Markt hat sich nicht so entwickelt, wie wir es gerne hätten. Nun werden wir unsere Unternehmensstrategie daran anpassen müssen.

          Was wollen Sie anders machen?

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