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Glencore und Xstrata : Zimmern an der neuen Rohstoff-Welt

  • -Aktualisiert am

Riesige Dimensionen: Xstrata und Glencore wollen fusionieren (Foto: Eisenerzmine in Chile) Bild: AFP

Mit der Fusion von Glencore und Xstrata entsteht ein Rohstoffriese, der Abbau, Transport und Verkauf in einer Hand bündelt. Aktionäre und Wettbewerbshüter müssen noch zustimmen.

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          Der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore und das Bergbauunternehmen Xstrata haben einen „Zusammenschluss unter Gleichen“ vereinbart. Sie wollen eine Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar schaffen.

          Das neue Unternehmen soll die gesamte Wertschöpfungskette der Branche von der Förderung über den Transport bis zum Verkauf von Rohstoffen abdecken. Falls die Hauptversammlungen beider Unternehmen und die Wettbewerbshüter der Fusion zustimmen, kommen die beiden auf einen Marktwert von rund 90 Milliarden Dollar (68,7 Mrd Euro) und einen gemeinsamen operativen Gewinn von rund 16,2 Milliarden Dollar. Der Zusammenschluss soll den Umsatz mittelfristig mindestens um 500 Millionen Dollar verbessern, teilten beide Seiten am Dienstag mit.

          Xstrata-Aktionäre sollen für einen Anteilsschein 2,8 Aktien von Glencore bekommen und künftig 45 Prozent am fusionierten Unternehmen halten. Insgesamt wird Xstrata damit mit knapp 62 Milliarden Dollar bewertet. Das entspricht einem Zuschlag von gut 15 Prozent zum Schlusskurs am vergangenen Mittwoch

          Davis als Chef, Glasenberg sein Stellvertreter

          Danach machte Xstrata die Verhandlungen öffentlich, woraufhin der Aktienkurs vor allem von Xstrata kräftig zulegte. Glencore ist mit 34 Prozent bereits größter Xstrata-Aktionär. Beide Firmen haben ihren Sitz im Schweizer Steuerparadies Zug.

          Auch die personellen Weichen sind gestellt. Dabei hält sich die Glencore-Seite zurück, obwohl sie an dem fusionierten Unternehmen die Mehrheit hält. Xstrata-Vorstandschef Mick Davis soll Chef des fusionierten Unternehmens werden, Glencore-Chef und Hauptaktionär Ivan Glasenberg will sich mit der Rolle als Stellvertreter begnügen. Auch die Spitze des Verwaltungsrats soll mit John Bond der bisherige Xstrata-Chairman übernehmen.

          Es ist nicht die Größe allein

          Das Projekt dürfte den Rohstoffsektor deutlich verändern. Schon jetzt ist Glencore der größte Händler von Rohstoffen auf der Welt, allerdings besitzt das Unternehmen auch eigene Minen. Und Xstrata ist einer der führenden Minenkonzerne auf der Welt, der seine Waren schon in großem Stil von Glencore vermarkten lässt.

          Es ist nicht die Größe allein, welche die Branche aufmerksam registriert, die Abnehmer fürchten und die Kartellbehörden rund um die Welt aufrüttelt. Noch mehr macht das Geschäftsmodell von sich reden.

          Von Metallen bis Zucker

          Es ist einzigartig - und daher umso machtvoller. Die weit gespannten Handelsinteressen von Glencore reichen von Metallen und Mineralien über Öl und Kraftwerkskohle bis zu Getreide, Baumwolle und Zucker. Mit Xstrata würden große Bergbau- und Verarbeitungsbetriebe an die Glencore-Handelsabteilung gekoppelt.

          Doch Glencore verfügt schon jetzt über einen großen Industrieteil. Und der im schweizerischen Baar und damit unweit von Xstrata in Zug ansässige Konzern zieht hieraus den größten Teil seines Gewinns. Im ersten Halbjahr 2011 waren dies 62 Prozent des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit). Bedingt durch den Preisauftrieb für Metalle, hatte sich der Anteil gegenüber dem Geschäftsjahr 2010 weiter erhöht.

          Damals steuerten die Industrieaktivitäten, auf die nur 8 Prozent von 145 Milliarden Dollar Umsatz von Glencore mit seinem großen Handelsrad entfallen, 57 Prozent zum bereinigten Ebit bei.

          Schlechtere Aussichten für Verbraucher

          Den meisten Umsatz erwirtschaftet der Fusionskandidat Xstrata mit Kupfer (46 Prozent), Kraftwerkskohle (26 Prozent) sowie Zink und Blei (13 Prozent). Kupfer, Kohle und Zink sind auch wichtige Arbeitsgebiete von Glencore, wobei sich die Förderung mit dem Handel verbindet. Das verschafft den Konzernherren in Baar eine intime Marktkenntnis. „Rohstoffhandel ist der letzte große Bereich, in dem Insiderwissen legal ist", sagt ein Kenner der Branche in der Schweiz. Die Folge: Sollten sich die beiden Unternehmen wie geplant zusammenschließen, würden sich die Aussichten für die Rohstoffverbraucher aller Voraussicht nach eher verschlechtern.

          Denn sie stehen als Nachfrager einer noch stärkeren Anbietermacht gegenüber. Für Preisverhandlungen in Zeiten, in denen allen voran wachsende Schwellenländer immer mehr Rohstoffe brauchen und die Preise zulegen, sind das keine guten Aussichten für die Nachfrager.

          Bisher war der Widerstand zu groß

          Auf der Handelsseite trifft Glencore auf Unternehmen wie Cargill, Louis Dreyfus und Vitol. Auf der anderen Seite stehen die Bergbauriesen BHP Billiton, Rio Tinto, Vale, Anglo American und eben Xstrata. In der Förderung verfügt Glencore, dessen 58.000 Beschäftigte in mehr als 40 Ländern arbeiten, neben den gut 34 Prozent an Xstrata noch über weitere wichtige Beteiligungen, so in Kongo und in Sambia (Kupfer), Kasachstan (Gold), Kohle (Kolumbien) und Öl (Äquatorialguinea).

          Glasenberg und Davis kennen sich schon seit Jahren, doch die Widerstände gegen eine Fusion - allen voran bei den Xstrata-Anteilseignern - waren bislang stets zu groß. Hinzu kam, dass Glencore stets im Verborgenen agierte und nicht an der Börse notiert war. Dazu ist es erst im vergangenen Mai gekommen: Glencore musste sich den Investoren gegenüber öffnen und strebt nun - gemeinsam mit Xstrata - danach, den Rohstoffsektor grundlegend zu verändern.

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