https://www.faz.net/-gqe-7i99m

Glaxo Smith Kline : Impfstoff gegen Malaria

Tödlicher Alltag in Afrika: Dorfbewohner in Sambia kämpfen mit Moskito-Netzen gegen Malaria Bild: dpa

Nach drei Jahrzehnten Entwicklungszeit will Glaxo Smith Kline den ersten Impfstoff gegen die Tropenkrankheit auf den Markt bringen. Er könnte hunderttausenden Kindern das Leben retten.

          Die Krankheit beginnt häufig mit einem Moskitostich. Die ersten Symptome sind in der Regel Gliederschmerzen, Durchfall und Schüttelfrost: Für mehr als 600.000 Menschen, die sich jedes Jahr in Afrika mit der Malaria infizieren, endet die Tropenkrankheit tödlich. Die große Mehrheit der Opfer sind Kinder im Alter bis zu fünf Jahren. Jetzt erwartet der britische Pharmakonzern Glaxo Smith Kline (GSK) einen Durchbruch im Kampf gegen Malaria: Nach vielversprechenden Tests solle im kommenden Jahr zum ersten Mal ein Impfstoff gegen die Krankheit zur Genehmigung angemeldet werden. Das kündigte GSK am Dienstag im südafrikanischen Durban an.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Medikamentenhersteller hat rund drei Jahrzehnte an der Entwicklung des Wirkstoffs namens RTS,S gearbeitet. Andrew Witty, der Vorstandschef von GSK, bezeichnete die in Durban vorgestellten Testergebnisse als „sehr ermutigend“. Auch wenn es Hinweise darauf gebe, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs im Zeitablauf nachlasse, zeige sich doch ein „eindrucksvoller“ Rückgang der Malaria-Erkrankungen, sagte der Pharmamanager. Die klinische Studie zur Wirksamkeit von RTS,S umfasste 15.000 Kinder in sieben afrikanischen Ländern. Die Zahl der Malaria-Erkrankungen bei den Kindern sei durch das Mittel um fast die Hälfte gesunken, teilte GSK mit. Weitere Tests sind geplant.

          Ein Allheilmittel ist der Impfstoff nicht, aber eine wichtige neue Waffe

          Falls der Pharmakonzern von der Europäischen Medikamenten-Aufsichtsbehörde EMA die Zulassung für den Impfstoff bekommen sollte, könnte die Weltgesundheitsorganisation WHO voraussichtlich 2015 den Einsatz von RTS,S empfehlen. Ein Allheilmittel ist der Impfstoff zwar nicht, er sei aber eine wichtige neue Waffe im Kampf gegen die tückische Krankheit neben Moskitonetzen und anderen Mitteln, sagte Halidou Tinto, der Leiter der klinischen Studie zur Wirksamkeit von RTS,S.

          Die Entwicklung des Malariaimpfstoffs war auch wirtschaftlich eine große Herausforderung. Trotz der vielen Krankheitsfälle ist die aufwendige Entwicklung von solchen Mitteln für private Pharmakonzerne finanziell wenig lohnend, weil den Betroffenen das Geld fehlt, um diese Medikamente zu bezahlen. GSK hat nach eigenen Angaben bisher 350 Millionen Dollar (257 Millionen Euro) in die den Impfstoff investiert und rechnet mit weiteren eigenen Kosten von 260 Millionen Dollar. „Wir wollen daran allerdings nicht groß verdienen“ hatte Unternehmenschef Witty 2011 in einem Gespräch mit dieser Zeitung versichert. „Es ist sinnlos, einen Malariaimpfstoff zu entwickeln und ihn dann so teuer zu machen, dass ihn sich niemand in Afrika leisten kann.“

          Aus Imagegründen seien die hohen Entwicklungskosten dennoch für private Unternehmen zu rechtfertigen, glaubt der Pharmamanager. „Natürlich wollen Aktionäre Geld sehen, aber sie wollen auch Unternehmen besitzen, die ein hohes Ansehen genießen“, sagte der Brite. Es komme in Gesprächen mit Großinvestoren häufig vor, dass diese genauso viele Fragen zu ethischen Verantwortung von Unternehmen wie zur Geschäftsentwicklung stellten. GSK war in den vergangenen Jahren immer wieder in Skandale verwickelt: 2012 musste der Konzern in den Vereinigten Staaten eine Rekordstrafe von 3 Milliarden Dollar wegen illegaler Vertriebsmethoden bezahlen. In China laufen gegen GSK weitreichende Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption.

          Maßgeblich unterstützt wurde die Entwicklung des Malaria-Impfstoffs RTS,S vom amerikanischen Milliardär und Microsoft-Gründer Bill Gates. Seine Bill & Melinda Gates Stiftung hat mehr als 200 Millionen Dollar für das Vorhaben bereitgestellt. Gates hat in der Vergangenheit kritisiert, es werde „mehr Geld für die Entwicklung von Haarwuchsmitteln ausgegeben, als dafür, Mittel gegen Malaria zu finden“. Der Philanthrop Gates stiftete das Geld der Path Malaria Vaccine Initiative (MVI), einer nicht gewinnorientierten Organisation zum Kampf gegen Malaria. Der Pharmakonzern GSK kooperiert mit der Gates-Stiftung und MVI bei der Entwicklung und Erprobung des neuen Impfstoffs.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.