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Glasfasernetz : Telekom stellt Bedingungen für Investitionen

  • -Aktualisiert am

Niek Jan van Damme: „Der Gesetzgeber muss die Energieversorger dazu verpflichten, ihre Infrastruktur für Glasfaser freizugeben” Bild: Edgar Schoepal

Deutschland-Chef Niek Jan van Damme fordert Erleichterungen für den Glasfaserausbau. Zusammen mit Sky will die Telekom den Kabelnetzbetreibern Konkurrenz machen.

          Die Deutsche Telekom macht ihre Ausbauplanung für das schnelle Internet von verbesserten Investitionsbedingungen im neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) abhängig. „Wir brauchen klare Signale des Gesetzgebers und der Regulierung“, sagte Deutschland-Chef und Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr angekündigt, bis 2012 ein Zehntel der deutschen Haushalte an ein superschnelles Glasfasernetz anzuschließen. Doch abgesehen von drei Pilotprojekten hat sich seitdem wenig getan. In der Branche wird bereits gemutmaßt, die Telekom sei von ihren Plänen abgerückt und stecke die Milliarden lieber in den Mobilfunk. Van Damme widersprach und kündigte an, „demnächst“ konkrete Ausbaupläne zu veröffentlichen. Zugleich verwies er auf die unsicheren Rahmenbedingungen: „Ob wir die 10 Prozent erreichen werden, wird sehr stark davon abhängen, wie es mit dem TKG weitergeht und ob sich die Investitionen dann wirklich rechnen.“

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die TKG-Novelle soll im Frühjahr in die Schlussphase der Beratungen gehen. Die Deutsche Telekom verspricht sich davon in erster Linie eine möglichst freie Gestaltung der Preise, die sie Konkurrenten für die Mitnutzung ihrer 100 Megabit schnellen Leitungen berechnen will. Die Bundesnetzagentur will sich zwar auf eine nachträgliche Missbrauchsaufsicht beschränken, also nicht vorab Preise festlegen. Das aber reicht der Telekom nicht. „Es geht um langfristige Milliardeninvestitionen, und dafür brauchen wir Sicherheit“, sagte van Damme.

          VDSL für Wettbewerber zu teuer

          Die Auseinandersetzung erinnert an den Streit über das VDSL-Netz der Telekom, das bereits 11 Millionen Haushalte erreicht und Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit ermöglicht. Erst Mitte vorigen Jahres hatte die Telekom das Netz für Wettbewerber geöffnet. Die Nachfrage ist aber sehr gering. Weniger als 100.000 VDSL-Anschlüsse haben die Konkurrenten bisher vermarktet. Ihnen sind die Preise viel zu hoch, und im Gegensatz zur Telekom können sie über die Plattform noch keine Fernsehangebote vermarkten.

          Nach Angaben von van Damme könnten elf Millionen Haushalte in Deutschland schnelle VDSL-Anschlüsse bestellen und dann theoretisch mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit im Internet surfen. Rund 20 Millionen Kunden hätten Zugang zu Anschlüssen mit bis zu 16 Megabit. Einer der Treiber für die Nachfrage nach schnelleren Anschlüssen ist das Internetfernsehen der Telekom. Rund 1,5 Millionen Pakete habe man seit dem Start von „Entertain“ verkauft, sagte van Damme. „80 Prozent dieser Kunden nutzen Entertain aktuell und sind äußerst zufrieden.“ Das bedeutet, dass nur 1,2 Millionen Haushalte das Fernsehangebot über das Internet aktuell nutzen.

          Telekom will Kabelgesellschaften Konkurrenz machen

          Aus Sicht des Managers konzentriert sich die Regulierung zu sehr auf die Deutsche Telekom und vernachlässigt die Marktmacht der Fernsehkabelgesellschaften und regionaler Anbieter, die ebenfalls neue Hochgeschwindigkeitsnetze bauen. „Das TKG muss sicherstellen, dass sich keine regionalen Monopole herausbilden, damit Kunden ihre Anbieter frei wählen können. Die Deutsche Telekom ist bereit, ihr Netz zu öffnen, aber die Symmetrie muss stimmen“, sagte van Damme. Weil die neue Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur als Flickenteppich einzelner Teilnetze entsteht, wird auch die Telekom Leitungskapazität bei Wettbewerbern nachfragen müssen. Darüber verhandelt sie unter anderem mit den Stadtnetzbetreibern NetCologne in Köln und M-Net in München. Längerfristig kann sich van Damme vorstellen, Telekom-Produkte wie „Entertain“ auch über Leitungen der Kabelnetzgesellschaften zu den Kunden zu bringen. Auf Dauer müssten für sie die gleichen Regeln des offenen Netzzugangs gelten wie zwischen den Unternehmen der Telekommunikationsbranche.

          Vorerst läuft es aber umgekehrt: Die Telekom will die Wohnungswirtschaft mit einem Fernsehsignal einschließlich der Programme des Zahlsenders Sky beliefern. Die Programme sollen über das Datennetz der Telekom transportiert werden. Die Telekom will mit diesem Produkt den Kabelgesellschaften Konkurrenz machen, die allerdings häufig langfristige Verträge mit den Wohnungsgesellschaften besitzen. Neue Konkurrenz droht der Telekommunikationsbranche durch Stadtwerke und überregionale Energieversorger, die den Bau und die anschließende Vermietung von Hochgeschwindigkeitsnetzen als neues Geschäftsfeld entdecken. Vielfach sperrten sie sich deshalb dagegen, Telekommunikationsunternehmen vorhandene Leerrohre für die Verlegung von Glasfasern zu überlassen, wie van Damme kritisierte. Stattdessen müssten dann abermals Straßen und Bürgersteige aufgegraben werden, um die Datenleitungen zu verlegen.

          Auch das sei ein Fall für das TKG, meinte van Damme: „Der Gesetzgeber muss die Energieversorger dazu verpflichten, ihre Infrastruktur für Glasfaser freizugeben.“ Und schließlich müsse der Gesetzgeber auch beim Thema Inhouse-Verkabelung für Klarheit sorgen: „Es muss sichergestellt sein, dass die Netzbetreiber für die neue Glasfaser im Haus zumindest so lange Nutzungsrechte haben, bis die Infrastruktur abgeschrieben ist.“ Geld für die Finanzierung der neuen Netze will die Telekom auch von den Anbietern der Internetdienste kassieren, die besonders hohe Bandbreiten in Anspruch nehmen. „Wenn zum Beispiel ein Videounternehmen seinen Kunden Videos mit einer garantiert hohen Qualität anbieten will, muss es für die notwendige Übertragungsqualität an uns zahlen“, sagte van Damme zur heißdiskutierten Netzneutralität. Das Videounternehmen könne für die garantierte Qualität einen Beitrag von seinen Kunden verlangen und der Telekom einen Teil davon abgeben, lautet van Dammes Plan. Die verschiedenen Qualitätsstufen sollen aber allen Unternehmen diskriminierungsfrei zu gleichen Preisen angeboten werden.

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