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Gewinnwarnung : Siemens brechen die Aufträge weg

  • Aktualisiert am

„Dies ist kein normaler Konjunkturabschwung”, bekräftigt Siemens-Chef Löscher Bild: dpa

Die Wirtschaftskrise hat bei Siemens deutliche Spuren hinterlassen. Von Januar bis März legten Umsatz und Gewinnkennziffern zwar zu, der Auftragseingang sank aber rasant. Seine Ergebnisprognose hat der Mischkonzern deshalb deutlich gesenkt.

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          Siemens gerät immer stärker in den Strudel der Wirtschaftskrise. Angesichts einer schlechteren Auftragslage verabschiedete sich der Mischkonzern am Mittwoch von seiner Jahresprognose. „Das Bild im April zeigt erneut fundamentale Veränderungen zum Schlechteren in unserem gesamtwirtschaftlichen Umfeld“, sagte Vorstandschef Peter Löscher in Berlin. Die Krise werde auch 2010 das Geschehen bestimmen.

          „Was wir erleben, ist kein normaler Konjunkturabschwung, sondern der schärfste Absturz der Weltwirtschaft seit der großen Krise 1929.“ Bislang war Siemens vergleichsweise gut durch die Flaute gesteuert. Jetzt leidet sogar das bislang starke Geschäft mit Kraftwerken, Windanlagen und Stromnetzen. „Je länger die Krise andauert, desto mehr werden vermutlich auch Energie- und Infrastrukturprojekte zeitlich gestreckt“, sagte Löscher. Im Vergleich zum Wettbewerb habe sich Siemens gut geschlagen.

          Siemens verabschiedet sich von seinem Gewinnziel

          Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 geht der Technologieriese nunmehr von einem operativen Ergebnis seiner drei Sektoren über dem Vorjahresniveau von 6,6 Milliarden Euro aus, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

          Bei Siemens leidet jetzt sogar das bislang starke
Geschäft mit Kraftwerken, Windanlagen und Stromnetzen
          Bei Siemens leidet jetzt sogar das bislang starke Geschäft mit Kraftwerken, Windanlagen und Stromnetzen : Bild: ddp

          Bislang hatte Siemens mit bis zu 8,5 Milliarden Euro gerechnet. Der Konzern steckte die Prognosemarke tiefer als von Analysten befürchtet, die bislang den Sektorengewinn auf 6,85 Milliarden Euro veranschlagt hatten. Die Prognosesenkung kommt für Beobachter wenig überraschend, schließlich war der Ausblick erstmals im Juli 2008 kommuniziert worden - und damit vor dem Übergreifen der Finanzkrise auf die Gesamtwirtschaft.

          Auftragseingang sinkt im elf Prozent

          Der Konzern wird immer stärker vom Konjunktureinbruch erfasst. Der Auftragseingang ging im zweiten Geschäftsquartal (Januar bis März) den Angaben zufolge um elf Prozent auf 20,9 Milliarden Euro zurück. Waren bislang vor allem Teile des Industriesegments betroffen, weitet sich die Flaute nun auch auf den Hauptgewinnbringer Energietechnik aus. Dort sei 2009 von weiterem Druck auf die Auftragslage auszugehen, hieß es. In dem Segment, das zuletzt einen operativen Quartalsgewinn von 818 Millionen Euro abwarf, ging zuletzt das Bestellvolumen um acht Prozent zurück. Lediglich die Medizintechnik verbuchte noch eine Auftragssteigerung von einem Prozent.

          Im abgelaufenen Quartal hat der Konzern bei einem Umsatzzuwachs von fünf Prozent auf knapp 19 Milliarden Euro ein Ergebnis der Sektoren von 1,84 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Nettogewinn kletterte um 146 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro. Dazu trug insbesondere bei, dass Siemens jüngst Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten mit dem BenQ-Nachfolger Qisda auflöste und im Vorjahresquartal hohe Abschreibungen angefallen waren.

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