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Gewinnsprung : Hypo-Vereinsbank päppelt Unicredit auf

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Hypo-Vereinsbank in München: Der Gewinn der Unicredit-Tochter stieg im vergangenen Jahr um ein Drittel auf knapp 1,3 Milliarden Euro Bild: dapd

Finanzspritze für die Konzernmuttergesellschaft Unicredit: Die Hypo-Vereinsbank hat im vergangenen Jahr ihren Gewinn um ein Drittel gesteigert und überweist nun eine Sonderdividende nach Mailand.

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          Die Hypo-Vereinsbank (HVB) wird für ihre italienische Muttergesellschaft Unicredit immer mehr zum Anker in schwierigen Zeiten. Dank des Aufschwungs an den Märkten bauten die Münchner ihren Gewinn im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro aus. Das Geldhaus bleibt damit der stärkste Teil des Unicredit.

          Da die HVB ein dickes Kapitalpolster hat und sich die Kreditnachfrage in Grenzen hält, überweist sie neben der regulären Ausschüttung von 1,5 Milliarden Euro auch eine Sonderdividende in Höhe von einer Milliarde an ihre Muttergesellschaft in Mailand. „Angesichts einer Kernkapitalquote, die auch nach Dividende mit 17,4 Prozent den höchsten Wert in unserer Unternehmensgeschichte erreicht, ist die Ausschüttung betriebswirtschaftlich richtig“, sagte HVB-Chef Theodor Weimer.

          Unicredit leidet unter Rezession im Heimatmarkt

          Mit der Überweisung reagiert die HVB auch auf strengere Auflagen der Finanzaufsicht BaFin, die ausländischen Banken untersagt, zu viel Liquidität von ihren deutschen Töchtern abzuziehen. Unicredit kann deshalb seit einiger Zeit nicht mehr frei auf die Gelder der HVB zuzugreifen, obwohl sie die Mittel dringender bräuchte als ihre deutsche Tochter. Die größte italienische Bank leidet unter der Rezession in ihrem Heimatmarkt und machte wegen Rückstellungen für faule Kredite 2012 lediglich einen Gewinn von 865 Millionen Euro.

          Auch bei der HVB, innerhalb der das Investmentbanking der Gruppe gebündelt ist, hat sich die Risikovorsorge im Kreditgeschäft angesichts der Wirtschaftsabkühlung nahezu verdreifacht auf 727 Millionen Euro. Das Münchner Institut konnte die Belastungen dank des florierenden Handels aber leicht wegstecken. Die Europäische Zentralbank hatte mit ihrem Versprechen, kriselnde Euro-Länder zu unterstützen, 2012 für Erleichterung an den Börsen gesorgt und damit auch der HVB Rückenwind beschert. Das Handelsergebnis der Bayern stieg in der Folge - und dank Sondereffekten - auf 1,19 Milliarden Euro nach 190 Millionen Euro vor Jahresfrist.

          1000 Stellen fallen weg

          Vor Steuern verdiente die HVB im vergangenen Jahr gut zwei Milliarden Euro und damit 600 Millionen Euro mehr als der Branchenprimus Deutsche Bank, der mit hohen Kosten für den Konzernumbau und Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen hat. Die Hypo-Vereinsbank verpasst sich derzeit ebenfalls eine neue Struktur und baut vor allem das schwächelnde Privatkundengeschäft um - im vergangenen Jahr fielen dafür Kosten von gut 100 Millionen Euro an.

          Die Bank mit gut 19.000 Mitarbeitern will die Segmente für normale Privatkunden und reiche Klienten zusammenlegen. Zudem sollen rund 35 Filialen geschlossen werden, weil immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte im Internet erledigen. Im Rahmen des Umbaus werden bei der HVB rund 1000 Stellen wegfallen. Da die Bank in anderen Bereichen parallel 200 bis 300 neue Mitarbeiter einstellt, wird es unter dem Strich etwa 800 Stellen weniger geben, wie Unicredit bereits am Freitag mitgeteilt hatte.

          2013 stellt sich die HVB weiter auf unruhige Zeiten ein. Prognosen seien angesichts der hohen Unsicherheit des makropolitischen Umfelds in Europa und der hohen Volatilität an den Märkten schwierig, erklärte das Institut. Trotz der Unwägbarkeiten traut sich die Bank aber ein ähnliches Ergebnis wie 2012 zu. „Unter Annahme eines politisch und makroökonomisch stabilen Szenarios plant die Hypo-Vereinsbank 2013 ein Vorsteuerergebnis, das in etwa der Größenordnung des um einen Sondereffekt bereinigten Jahres 2012 entspricht.“

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