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Gewinnsprung erwartet : Easyjet boomt nach Air-Berlin-Übernahme

  • Aktualisiert am

Easyjet landet in der Gewinnzone – und das noch deutlicher als bisher. Bild: dpa

Das Geschäft läuft bei Easyjet. Die Fluglinie verdient mehr je Fahrgast und fliegt mehr Passagiere. Und trotzdem wollen die Briten die EU-Kommission verklagen.

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          Easyjet steigert seine Gewinnprognose für das im September endende Geschäftsjahr nach einem guten dritten Quartal. Dank des günstigen Wettbewerbsumfelds werde der Vorsteuergewinn zwischen umgerechnet 619 und 664 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in London mit. Das wäre ein Anstieg von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Mai hatte das Management noch mit einer Spanne von umgerechnet 600 bis 650 Millionen Euro gerechnet. Der Aktienkurs legte an der Londoner Börse um mehr als vier Prozent zu.

          Die Briten profitierten dabei davon, dass Air Berlin und die britische Airline Monarch den Betrieb eingestellt haben. Das hat den Wettbewerb der Billiglinien etwas entspannt, weil auf vielen Verbindungen nun nur noch eine Fluggesellschaft fliegt. Dadurch sind in den letzten Monaten die Preise gestiegen. Lotsenstreiks und Unwetter konnte das Unternehmen darum in den letzten Monaten leichter abfedern.

          Mehr Flüge, besser ausgelastet

          Auch die Passagierzahlen sind kräftig gestiegen. Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni beförderte Easyjet 24,4 Millionen Fluggäste und damit gut 9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zudem waren die Flugzeuge besser gefüllt. Je Fluggast nahm Easyjet fast 6 Prozent mehr ein als im Vorjahr, unter anderem weil mehr Kunden dafür zahlen, zusätzliches Gepäck mitzunehmen oder sich einen Sitzplatz auszusuchen. Der Gesamtumsatz stieg um 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro).

          „Uns geht es gut auf allen Märkten", sagte Easyjet-Chef Johan Lundgren. Über die Lotsenstreiks wolle sich die Airline bei der EU-Kommission aber beschweren. Auch der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG und die britische Fluglinie Ryanair hatten einen solchen Schritt angekündigt. Die Streiks beeinträchtigten das in der EU garantierte Recht auf freien Personen- und Warenverkehr, argumentierten sie. Das Streikrecht ist allerdings Sache der Mitgliedsländer, die EU-Kommission hat dabei keine rechtliche Handhabe.

          Air-Berlin-Übernahme kostet mehr

          Easyjet hatte Ende letzten Jahres Teile von Air-Berlin übernommen. Die Integration ins eigene Unternehmen wird jedoch teurer als erwartet: Im Gesamtjahr werde nun mit umgerechnet knapp 200 Millionen Euro gerechnet, statt der bisherigen Prognose von 180 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz sei geringer, was an zusätzlichen Kapazitäten liege, und der Flugplan ineffizient.

          Die Integration des ehemaligen Air-Berlin-Drehkreuzes in Berlin-Tegel mache aber Fortschritte. Die Auslastung der Jets sei im Juni auf 86 Prozent gestiegen. Im Flottenschnitt schafft Easyjet 94 Prozent. Zum 30. Juni hatte das Unternehmen in Tegel zehn eigene Jets am Start, die noch eine Weile mit zugemieteten Flugzeugen ergänzt werden sollen. Bislang verdient Easyjet mit seinen Aktivitäten in Berlin allerdings noch kein Geld; das soll ab kommendem Jahr der Fall sein.

          Der Billig-Branchenprimus Ryanair musste derweil weitere Flüge streichen. Grund dafür waren Pilotenstreiks in Irland. 24 Flüge zwischen Irland und Großbritannien sind betroffen. Die irischen Piloten des Unternehmens hatten schon am vergangenen Donnerstag für einen Tag gestreikt, was zum Ausfall von 30 Verbindungen führte. Die irische Pilotenvertretung Ialpa wirft Ryanair vor, nicht an ernsthaften Gesprächen interessiert zu sein. In dem Konflikt geht unter anderem um Regelungen für Beförderungen und den Urlaub der Piloten. Das Unternehmen weist die Forderungen als ungerechtfertigt zurück.

          Ryanair steht wegen seiner umstrittenen Beschäftigungspraktiken seit vielen Jahren in der Kritik. Auch in Deutschland schwelt bei Ryanair ein Streit mit den Piloten, der zu Arbeitsniederlegungen führen kann. In anderen Ländern drohen in den kommenden Wochen Streiks der Ryanair-Flugbegleiter. 

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