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Gewinneinbruch : Was ist eigentlich mit der Post los?

Im dritten Quartal stellte die Post knapp 1,8 Milliarden Briefe zu, 4,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bild: dpa

Der größte Logistikkonzern der Welt hat im dritten Quartal seinen Gewinn mehr als halbiert. Post-Chef Appel erhöht deshalb die Preise, schickt Beamte in die Frühpension und stellt Projekte ein.

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          So schnell kann sich der Wind drehen: Bis Jahresanfang ging es für die Deutsche Post  immer nur aufwärts. Konzernchef Frank Appel meldete regelmäßig neue Rekorde, der Aktienkurs legte rasant zu. Seit Januar aber häufen sich die schlechten Nachrichten, die nun im dritten Quartal voll auf die Geschäftszahlen des gelben Riesen durchschlagen.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Wie Appel am Dienstag in Bonn mitteilte, brach der Gewinn vor Steuern und Zinsen um mehr als die Hälfte ein. Das operative Ergebnis (Ebit) sackte um 55 Prozent auf 376 Millionen Euro ab. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Konzernergebnis von gerade einmal 146 Millionen Euro. Das sind 77 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

          Maßgeblich verantwortlich dafür ist die Sanierung der Paket- und Briefsparte, die in diesem Quartal mit 392 Millionen Euro zu Buche schlug und insgesamt eine halbe Milliarde Euro kosten soll. Um die Personalkosten zu reduzieren, setzt die Post ein teures Vorruhestandsprogramm um, mit dem Beamte aus Zeiten der Bundespost vorzeitig in den Ruhestand geschickt werden. Der für die Sparte zuständige Vorstand Jürgen Gerdes hatte schon im Juni seinen Hut nehmen müssen, Appel leitet das Geschäft nun selbst.

          Zahlreiche Baustellen

          Fünf Monate später sieht der 57-Jährige, der das Dax-Unternehmen seit zehn Jahren führt, seinen Konzern wieder im Plan, die Post komme bei den „Maßnahmen zur Verbesserung der Produktivität und der Kostenstruktur zügig voran“. Zunächst kosten die Maßnahmen aber viel Geld. Im Juni hatten die Bonner deshalb ihre operative Gewinnprognose drastisch um eine Milliarde Euro auf etwa 3,2 Milliarden Euro gekürzt. 2019 und vor allem 2020 sollen die Maßnahmen aber zu besseren Ergebnissen führen. „Die Effekte werden sich schon im kommenden Jahr deutlich zeigen“, verspricht Appel.

          Um den Konzern wieder in die Spur zu bringen, geht der Manager viele Maßnahmen gleichzeitig an. Zum einen sollen Geschäftskunden vom nächsten Jahr an mehr Geld für Pakete und Express-Sendungen zahlen. Dabei solle es keine Ausnahmen geben, so Appel, zu dessen Kunden sehr große Online-Versandhäuser wie Amazon und Zalando gehören. Um diese zu behalten, hat die Post ihnen bislang hohe Mengenrabatte gewährt. Wie stark diese Rabatte künftig sinken werden und welche Preise Appel auf dem hart umkämpften Paketmarkt genau durchsetzen kann, wird spannend werden. Für die meisten Geschäftskunden will der Konzern die Versandkosten jedenfalls um 4,9 Prozent erhöhen. Zum anderen soll auch der Presseversand teurer werden.

          Um höhere Erträge zu erreichen, soll drittens das Briefporto für Privatkunden erhöht werden. Eigentlich sollte es schon zum anstehenden Jahreswechsel so weit sein, doch die Bundesnetzagentur hat diese Pläne zunächst durchkreuzt. Die Regulierer teilten vor ein paar Tagen mit, dass sie erst dann über ein höheres Porto entscheiden könnten, wenn die Post die Auswirkungen ihres Sanierungsprogramms detailliert dargelegt habe. Die als sicher eingeplanten Mehreinnahmen werden aller Voraussicht nach zwar noch kommen, vielleicht schon im Frühjahr – aber eben nicht wie geplant zum Jahreswechsel.

          Fernbusverkehr und  Lebensmittelversand floppten

          Probleme gibt es auch mit dem Streetscooter, einem elektrischen Kleinlaster, den die Post selbst produziert. Anfangs wurde das Fahrzeug dafür gefeiert, dass es so zweckmäßig und vor allem günstig ist. Die Konkurrenz der etablierten Autohersteller aber holt seitdem mit Sieben-Meilen-Stiefeln auf, während die Kosten der Post für die weitere Entwicklung steigen. Einem ausführlichen Bericht des „Manager Magazins“ zufolge würde Appel „den gelben Wagen lieber heute als morgen loswerden“, findet aber keinen zahlungskräftigen und -willigen Investor.

          Zu den wenig erfolgreichen Post-Projekten der vergangenen Jahre gehört auch der Einstieg in den Fernbusverkehr (er endete mit einem wahrscheinlich sehr günstigen Verkauf an Flixbus) und in den Online-Lebensmittelversand. Der Internetsupermarkt AllyouneedFresh wurde kürzlich verkauft, angeblich ebenfalls äußerst günstig.

          Wie auch immer: An der Börse kamen die insgesamt mäßigen Zahlen am Dienstag gut an, weil die Ergebnisse immerhin besser waren als befürchtet. Am frühen Nachmittag stand die Post-Aktie mit etwas mehr als drei Prozent im Plus auf knapp 29 Euro. Aber auch dieser Anstieg ist relativ: Mitte Januar notierte die Aktie noch bei fast 41 Euro.

          DT. POST

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