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Amerikanische Banken : Gewinn von Goldman Sachs bricht um ein Viertel ein

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon konnte mit den neuen Quartalszahlen seiner Bank überzeugen. Bild: Reuters

Bei den neuen Quartalszahlen amerikanischer Banken gibt es einen klaren Sieger. Während JP Morgan überzeugt, brechen die Zahlen von Goldman Sachs und Wells Fargo um ein Viertel ein. Hoffnung gibt es für die Deutsche Bank.

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          Jamie Dimon bleibt der König unter den Bankern. Der Vorstandsvorsitzende der größten amerikanischen Bank JP Morgan Chase konnte sich am Dienstag zur Vorlage der Ergebnisse des dritten Quartals nicht nur mit einigen Rekordzahlen brüsten. Der Branchenprimus konnte auch die heimische Konkurrenz weit hinter sich lassen. Sowohl die reine Investmentbank Goldman Sachs als auch die Citigroup und Wells Fargo, die allesamt am Dienstag ihre Zahlen präsentierten, hatten in den vergangenen drei Monaten jeweils mit ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Anleger der Deutschen Bank, die größenmäßig inzwischen in einer anderen Liga spielt und die erst am Monatsende ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht, bieten die Meldungen aus Amerika allerdings einige Hoffnungsschimmer. So berichteten sowohl Dimon als auch Goldman-Sachs-Chef David Solomon von einem sehr lebhaften Anleihehandel. In diesem Segment ist die Deutsche Bank traditionell stark vertreten. JP Morgan vermeldete um 25 Prozent gestiegene Umsätze in dem Geschäft, verglichen allerdings mit einem sehr schwachen Vorjahreszeitraum. Die größte amerikanische Bank verdiente im dritten Quartal alles in allem mit 9,1 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro) gut 8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Erträge stiegen ebenfalls um 8 Prozent auf 30,1 Milliarden Dollar. Dabei profitierte die Bank einmal mehr von ihrer breiten Aufstellung, also davon, dass sie im Investmentbanking sowohl im Handel mit Aktien und Anleihen als auch in der Kapitalmarktberatung stark ist und zudem auch noch Privatkunden mit Krediten versorgt.

          Verluste bei Beratung zu Kapitalmarktgeschäften

          Obwohl die amerikanische Notenbank Federal Reserve die Zinsen in den vergangenen Monaten zweimal gesenkt hat, konnte JP Morgan seinen Zinsüberschuss – also das, was beim Leihen und Verleihen von Geld übrig bleibt – um zwei Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar steigern. „Dass wir trotz niedriger Zinsen im vergangenen Quartal Rekord-Einnahmen hatten, zeigt die Widerstandsfähigkeit unseres Geschäftsmodells“, kommentierte Dimon die Zahlen.

          Bei Goldman Sachs blieb dagegen unterm Strich deutlich weniger Gewinn übrig. Vor allem in der Beratung zu Kapitalmarktgeschäften, ihrer Kerndisziplin, konnte die Bank weniger Geld einnehmen. Der Gewinn brach deshalb von Juli bis September um gut ein Viertel auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Die Erträge fielen mit 8,3 Milliarden Dollar sechs Prozent niedriger aus. Solomon sprach von „soliden Ergebnissen“ angesichts des sehr gemischten Geschäftsumfelds.

          Die Aktienmärkte reagierten entsprechend: Die Papiere von JP Morgan verteuerten sich im Handelsverlauf um 2,6 Prozent, Goldman Sachs gaben 2,8 Prozent ab. „JP Morgan Chase hat ein Tempo vorgegeben, das für andere Banken sehr schwierig zu erreichen sein wird“, sagte Analyst Octavio Marenzi vom Brokerhaus Opimas. Goldman Sachs habe dagegen auf breiter Front enttäuscht.

          Bei der Citigroup bot sich dagegen ein gemischtes Bild. Einerseits konnte die Großbank ihr Quartalsergebnis deutlich stärker steigern als von Analysten erwartet. Geholfen hat dabei aber vor allem eine größere Steuergutschrift. Die Gesamteinnahmen blieben mit 18,6 Milliarden Dollar in etwa auf dem Vorjahresniveau. Sorgen bereiten den Anlegern vor allem die Kosten. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent, obwohl Citi-Chef Michael Corbat ein Sparprogramm angekündigt hatte und zuletzt schon 400 Händler entlassen hatte. In der Folge konnte Citi im Anleihehandel keine steigenden Gewinne verbuchen, obwohl der für das Institut äußerst wichtig ist. Corbat sprach von einem „unvorhersehbaren Umfeld“ im ganzen Quartal.

          Auch die Deutsche Bank hat ihr Investmentbanking in Amerika in den vergangenen Monaten verkleinert – so dass sich zur Vorlage der Quartalszahlen zeigen muss, wie sich das Weniger an Mitarbeitern auf Erträge und Kosten auswirkt. Die in San Francisco beheimatete Bank Wells Fargo kämpft wiederum mit den Folgen ihres Skandals um fingierte Konten. Hohe Rechtskosten haben das Quartalsergebnis um ein Viertel einbrechen lassen auf 4 Milliarden Dollar. Die Erwartungen der Analysten wurden damit deutlich verfehlt. Die Erträge stagnierten.

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