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Gewehre fürs Prestige : Koch setzt auf den Bundeswehrauftrag

  • Aktualisiert am

Heckler & Koch ist traditioneller Ausrüster der Bundeswehr. Bild: dpa

Die endgültige Entscheidung über das neue Sturmgewehr der Bundeswehr könnte sich noch bis zum Herbst verzögern, doch Heckler & Koch zeigt sich wieder zuversichtlich.

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          Die Vergabe des Sturmgewehr-Großauftrags der Bundeswehr zieht sich seit Jahren hin. Nachdem der Thüringer Waffenhersteller C.G. Haenel nach Hinweisen auf Patentrechtsverletzungen vom Verteidigungsministerium in Berlin erst einmal aus dem Rennen genommen worden ist, macht sich der in Oberndorf ansässige Waffenhersteller Heckler & Koch wieder Hoffnung auf den Auftrag. Das mittelständische Unternehmen mit fast 1000 Mitarbeitern beliefert die Bundeswehr schon seit sechs Jahrzehnten mit Sturmgewehren. Vorstandschef Jens Bodo Koch gibt sich bei dem Thema aber verschlossen. „Beim Nachfolgeauftrag um das neue Sturmgewehr für die Bundeswehr bin ich zuversichtlich“, sagt er lediglich der F.A.Z.

          Die endgültige Entscheidung über das neue Sturmgewehr könnte sich nach Einschätzung von Vergaberechtlern bis zum Herbst verzögern, sollten alle Instanzen ausgeschöpft werden. Zuletzt hatte das schwäbische Unternehmen dem Vernehmen nach angeboten, den Auftrag für 179 Millionen Euro übernehmen zu wollen. Im Laufe des schon vor Jahren begonnenen Vergabeverfahrens waren die Wettbewerber Sig Sauer und Rheinmetall (mit Steyr Mannlicher) ausgestiegen. Der Waffenhersteller sieht sich auf jeden Fall für einen möglichen Großauftrag gewappnet. Es geht um 120 000 Sturmgewehre, die binnen sieben Jahren geliefert werden sollen. Auch das Vorgängermodell G36 wurde von dem Unternehmen geliefert. Koch sagt: „Durch Investitionen vor allem in neue Maschinen in Höhe von gut 25 Millionen Euro haben wir die Produktionskapazität von 2018 bis heute um ein Drittel erweitert.“ Heckler & Koch legte im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung hin. Der Überschuss stieg von 1,6 auf 13,5 Millionen Euro im Jahr 2020. Und der Umsatz legte um rund 15 Prozent auf 275 Millionen Euro zu. „2020 war durch Corona ein anstrengendes Jahr.“ Die Aufträge für die deutschen Polizeibehörden und die Bundeswehr sowie weitere Großkunden wie die französische Armee, die britischen Streitkräfte sowie die amerikanische Armee lasteten das Unternehmen gut aus. „Die Bücher sind voll“, sagt Koch mit Blick auf die Auftragslage.

          Fast 70 Prozent der Umsätze wurden im vergangenen Jahr mit Ländern der Nato oder ihr gleichgestellten Ländern gemacht. Und 30 Prozent der Erlöse in Amerika, berichtet Koch weiter. Dort ist der zivile Markt wichtiger als die Abnahme durch das Militär. 1,7 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen auf andere Länder: Australien, Neuseeland, Japan und die Schweiz. Inzwischen hat die Luxemburger Finanzholding CDE, hinter der der französische Investor Nicolas Walewski steht, das Sagen bei dem Mittelständler. Sie hatte ihren Anteil an der H&K AG nach früheren Angaben auf rund 60 Prozent aufgestockt und dafür nach langer Prüfung im Juli 2020 vom Bundeswirtschaftsministerium grünes Licht bekommen. Hinter den Kulissen gibt es zwischen der CDE und dem früheren Hauptaktionär Andreas Heeschen einen heftigen Streit. Heeschen hatte zuletzt die Arbeit von Koch scharf kritisiert. Das lässt der 48 Jahre alte Manager, dessen Vertrag erst kürzlich verlängert worden ist, an sich abprallen. „In starken Händen zu sein ist immer gut. CDE hat uns über die schwierigen Jahre 2018 und 2019 gerettet.“

          Man sehe den Wachstumspfad verstetigt. Die Schulden betrugen Ende 2020 238 Millionen Euro. „Die meisten Verbindlichkeiten haben wir bei den Eigentümern und 80 Millionen Euro bei externen Geldgebern.“ Die Gespräche über die Anschlussfinanzierung bald auslaufender Kredite hätten gerade begonnen. Für das laufende Jahr gibt sich der Rüstungsmanager zuversichtlich. „Das Ergebnis soll auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden.“ Bei den Erlösen solle weiter zugelegt werden. „Spätestens in fünf Jahren wollen wir 300 Millionen Euro Umsatz machen.“

          Das Unternehmen will in den kommenden Jahren mehrere neue Waffen auf den Markt bringen. Unter anderem eine komplett neu entwickelte Pistole. Eine Neuentwicklung dauert in der Regel bis zu fünf Jahre. Je Neuentwicklung investiert der Mittelständler zwischen 4 und 5 Millionen Euro. Mehr als 80 Prozent der Teile für eine Waffe sind Eigenfertigungen.

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