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F.A.Z. Exklusiv : Weltgrößter Spirituosenhersteller steigt bei „Siegfried Gin“ ein

Liquide Mittel: Raphael Vollmar (links) und Gerald Koenen, die Gründer von „Siegfried Gin“ – in ihrer momentan geschlossenen Bar in Bonn. Bild: Jonas Jansen

Die unabhängige Brennerei aus Bonn ärgert die Großen seit Jahren – und behauptet sich auch mit einer alkoholfreien Variante am Markt. Das lockt nun einen Branchenriesen an.

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          Was als Schnapsidee begann, hat nun den weltgrößten Spirituosenhersteller angelockt. Als Raphael Vollmar und Gerald Koenen am 1. April 2016 auf Facebook schrieben, dass sie neben ihrem schon recht erfolgreichen „Siegfried Dry Gin“ nun auch alkoholfreien Gin im Angebot haben, meinten sie es noch als Witz. Vier Jahre und ein paar Monate später verkaufen sie nicht nur mehr Flaschen von der alkoholfreien Variante als von ihrem richtigen Gin, sondern haben auch mit Diageo einen finanzkräftigen neuen Minderheitsinvestor an Bord.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Der britische Spirituosenhersteller, der mit Marken wie Johnnie Walker, Smirnoff, Baileys oder Guiness einer der größten Anbieter der Welt ist, beteiligt sich über seine Risikokapitalgesellschaft Distill Ventures an dem Bonner Unternehmen. An diesem Mittwoch soll die Beteiligung publik gemacht werden, über die Höhe der Investition schweigen die Unternehmen. Die Gründer Vollmar und Koenen halten weiterhin die Mehrheit und sollen das Unternehmen mit seinen 13 Mitarbeitern auch in Zukunft weiter führen. „Es waren die Leidenschaft, Innovation und Qualitätsbesessenheit, die wir bei Raphael und Gerald sahen, die uns zu ihrer Marke hingezogen haben“, sagt Frank Lampen, der Distill Ventures mitgegründet hat und die Risikokapitalgesellschaft leitet.

          Neben den eigenen, bekannten Gin-Marke Tanqueray und Gordon‘s hat Diageo erst in dieser Woche fleißig zugekauft. Für die Marke Aviation Gin des Schauspielers Ryan Reynolds zahlt der Konzern bis zu 610 Millionen Dollar, dafür gibt Reynolds aber die Mehrheit an der Marke ab. Für die von George Clooney entwickelt Tequila-Marke Casamigos hatte Diageo vor drei Jahren sogar rund eine Milliarde Dollar bezahlt.

          Expansion ins Ausland

          Das Investment in Bonn ist freilich deutlich kleiner. Von der Zusammenarbeit mit dem größten Schnapshersteller der Welt erhoffen sich Vollmar und Koenen, dass sie vom Wissen und Datenreichtum des Konzerns über die Getränkevorlieben in verschiedenen Länder profitieren können. Mit ihrem „Siegfried Rheinland Dry Gin“ hatten die beiden Freunde in den vergangenen Jahren ganz ohne Spirituosenerfahrung viele Regale in Supermärkten und im digitalen Schaufenster von Amazon erobert. Über Werbung auf Facebook und Instagram haben sie zunächst treue Kunden für ihren Gin gefunden, die dann wiederum auch in Bars nach das Getränk fragten und Siegfried damit nach Zahlen des Getränke-Branchendienstes IWSR zur am schnellsten wachsenden Gin-Marke in Deutschland gebracht haben.

          Freilich liegen die Verkaufszahlen hinter den Gin-Marken der großen Getränkehersteller wie etwa Monkey 47, jedoch behauptet sich die unabhängige Brennerei seit Jahren im Markt. Was einst mit 4000 Euro Eigenkapital begann, wurde bislang ohne weiteres Kapital von Banken gestemmt. In jedem Jahr seit Gründung sei das Unternehmen zweistellig gewachsen. Laut dem letzten verfügbaren Jahresabschluss im Bundesanzeiger lag der Bilanzgewinn der Rheinland Distillers GmbH Ende 2018 bei knapp 264000 Euro.

          In 13 Länder haben sich Vollmar und Koenen inzwischen vorgearbeitet und hoffen nun auf weitere Unterstützung durch die Branchenriesen von Diageo. „Wir wären früher oder später an unsere natürlichen Grenzen gestoßen“, sagt Raphael Vollmar. „Irgendwann ist auch die geilste Start-up-Dreamstory einfach durch. Jetzt haben wir weiter das Sagen und trotzdem Spezialisten an Bord.“

          „Wonderleaf“ verkauft sich heute schon besser

          Eine wichtige Rolle in der Expansion spielt dabei die „Wonderleaf“ genannte alkoholfreie Gin-Variante. Das Getränk, das mangels Alkoholgehalts streng genommen gar kein Gin ist, aber trotzdem mit den Gewürzen und Kräutern mehrfach destilliert wird, hat das Wachstum der Rheinland Distillers beschleunigt. Als die Frau von Vollmar das zweite Mal schwanger war und sich einen alkoholfreien Gin&Tonic gewünscht hatte, sahen die beiden Freunde das Marktpotenzial eines alkoholfreien Getränks. Dass sie es unter dem Markennamen Siegfried verkauft haben, wurde ihnen von manchem Spirituosenhändler übel genommen – ein Münchener Händler listete sie gleich aus seinem ganzen Sortiment aus. „Das ist wie beim Grillen, da fühlen sich manche in ihrer Männlichkeit beleidigt“, sagt Koenen. Dabei wollten sich die beiden Freunde gar nicht vom Alkohol trennen oder gar in hipper Berliner Start-up-Manier einen gesünderen Lebensweg propagieren, sondern sahen einfach nur ein Marktpotential für weitere Kunden, die von den bisherigen alkoholfreien Cocktail-Varianten gelangweilt waren.

          Das Wagnis hat gefruchtet: Auf sieben verkaufte Siegfried-Gin-Flaschen kommen heute schon zehn Wonderleaf-Flaschen, Tendenz steigend. Für Diageo sind die alkoholfreie Getränke ohnehin ein Zukunftsmarkt. Die Risikokapitalgesellschaft Distill Ventures hatte schon 2017 in Seedlip investiert, die erste alkoholfreie Spirituose der Welt. Diageo hat das Produkt im vergangenen Jahr ins eigene Portfolio übernommen. Ein Viertel der Investitionen von Distill Ventures geht inzwischen in alkoholfreie Spirituosen.

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