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Getränke : Bionade kämpft gegen die Nachahmer

Hippes Party-Getränk: Hostess Silke präsentiert die Bio-Limo Bild: ddp

Bionade ist eine der größten Erfolgsgeschichten in der deutschen Getränkebranche. Doch die Öko-Limonade wird immer häufiger kopiert. Die ganze Welt jagt der Volksbrause hinterher.

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          Eine kleine, abgehalfterte Brauerei mitten im deutschen Nirgendwo steht kurz vor dem Aus, die großen Fernsehbiermarken machen den kleinen schwer zu schaffen, und überhaupt trinken die Deutschen immer weniger Bier. Da erfindet der Braumeister nach acht Jahren des Tüftelns eine Limonade, die durch Gärung entsteht, weniger süß ist als die üblichen Limos und die man gut als Biotrunk verkaufen kann.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein prima Produkt, aber keiner interessiert sich dafür. Bis plötzlich Supermärkte die Brause entdecken. Und bis ein Werber einen trendigen Schriftzug und ein hippes Etikett entwickelt. Der Werber führt das Gebräu aus der Provinz in großstädtische Szene-Bars und In-Kneipen ein. Auf einmal interessieren sich alle dafür. Die kleine Brauerei kommt nicht mehr nach mit den Lieferungen. Und selbst der Geschäftsführer findet: „Es wird immer verrückter.“(Siehe auch: Bionade-Erfinder Kowalsky im Gespräch)

          220 Millionen Flaschen werden dieses Jahr verkauft

          Das ist die Geschichte der Bionade, eine der erstaunlichsten Marken der vergangenen Jahre. Wer für die Segnungen der Marktwirtschaft werben müsste, hätte mit der Ökolimo das beste Beispiel für die These: Hier bleibt nichts, wie es ist. Wer heute klein ist, kann schon morgen groß rauskommen. Siehe Bionade: 2003 verließen noch zwei Millionen Bionade-Flaschen die kleine Brauerei Peter im Rhön-Dorf Ostheim. 2004 waren es sieben Millionen, 2005 schon 20 Millionen, 2006 sogar 70 Millionen. Dieses Jahr plant Geschäftsführer Peter Kowalsky einen Absatz von 220 Millionen Stück.

          Kopie und Original: Maltonade und Bionade

          In der Marktwirtschaft geht es jedoch auch schnell andersherum. Wer groß ist, kann schon morgen weg sein vom Fenster. Denn Erfolg zieht Konkurrenz an, und das bekommt jetzt auch Kowalsky zu spüren.

          Einstweilige Verfügung gegen den Discounter „Plus“

          Vergangene Woche schaltete Bionade die Justiz ein. Vor dem Hamburger Landgericht erwirkte das Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen die Discount-Kette Plus und das Frankfurter Brauhaus, die größte Brauerei in Brandenburg. Plus verkauft seit geraumer Zeit eine Limo namens Maltonade, die dem Ostheimer Produkt verdächtig ähnelt, Kowalsky zufolge aber nicht fermentiert, sondern lediglich zusammengemischt wird - ein „optisches Imitat“, das sich an sein „sauberes, anständiges Produkt“ dranhängen wolle, empört sich der gelernte Brauer.

          Nicht genug damit: Inzwischen basteln Branchenmultis wie der weltweit größte Braukonzern Inbev an alkoholfreien Erfrischungsgetränken vom Typus Bionade. Die Rhöner haben ihren Erfolg auch ungewöhnlichen Sorten wie Ingwer-Orange und Kräuter zu verdanken. Nimmt es da wunder, wenn die Inbev-Tochter Beck angeblich bald mit Geschmacksrichtungen wie Grapefruit-Litschi oder Orange-Pfeffer punkten will?

          Ziel: Eine Milliarde Flaschen Absatz

          Die Luft für Kowalsky scheint dünner zu werden, und doch hat der Mann vom Lande noch viel vor. Kurzfristig peilt er als Ziel eine Milliarde Bionade-Flaschen pro Jahr an. Schließlich soll Bionade „Volksgetränk“ werden.

          Und das nicht nur in Deutschland. Die Brause aus der Rhön ist inzwischen „in fast jedem europäischen Land“ zu haben. Und demnächst wohl auch jenseits des Atlantiks. An diesem Wochenende fliegt Kowalsky nach Amerika, um mit einem Großhändler Details für eine Markteinführung zu besprechen. Von San Francisco aus will man ähnlich wie in Deutschland zunächst die Metropolen erobern. Den Rhöner Brauern ist nicht entgangen, dass man Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nennt. Und sie wissen: Auch Coca-Cola hat mal ganz klein angefangen.

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