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Gesundheitssystem : Die fiesen Tricks der Krankenkassen

Logo der City BKK: Am Ende war die Kasse pleite
          3 Min.

          Die Schwierigkeiten des deutschen Gesundheitssystems – in Weißensee waren sie vergangene Woche tatsächlich zu sehen, und zwar in Form einer Menschenschlange. Weißensee ist ein kleiner Stadtteil ganz am Rande Berlins, 40 Busminuten vom Zentrum. Doch vergangene Woche wurde es plötzlich zum bevorzugten Reiseziel von Zentrumsberlinern. Denn sie mussten dorthin fahren, um sich für ihre neue Krankenkasse anzumelden, erzählten sie. So zumindest habe es die AOK verlangt. Denn die alte Kasse dieser Berliner, die „City BKK“, ist pleite, und die AOK wollte die Versicherten offenbar nicht haben, sondern lieber mit Schikanen abwimmeln. Dabei sind sie eigentlich verpflichtet, alle Interessenten aufzunehmen

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          AOK, DAK, Techniker: Probleme gab es bei vielen Kassen. Zwar sprechen deren Chefs nur von „Missverständnissen“. Doch tatsächlich haben die Krankenkassen selten so offen gegen das Gesetz verstoßen wie in der vergangenen Woche. Und nicht nur gegen das Gesetz, sondern auch gegen den Geist der gesetzlichen Krankenkasse. Schließlich sind die gesetzlichen Kassen gerade dazu da, dass sie jeden aufnehmen – ansonsten wären sie wie die privaten Versicherungen, die von kranken Kunden teils hohe Zuschläge verlangen oder sie gar nicht aufnehmen.

          Doch die wirtschaftlichen Fakten lassen sich nicht so leicht übergehen. Tatsächlich sind die Mitglieder, die jetzt aus der Pleitekasse City BKK herauswollen, ohnehin eher die alten und trägen. Wer jung ist und schnell die Krankenkasse wechselt, hatte das oft schon vor Monaten getan. Schließlich hatte die Kasse aus Geldmangel schon seit vergangenem Jahr einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten erhoben. So einen Zusatzbeitrag hat die Regierung vorgesehen für Kassen, die mit ihrem Geld nicht hinkommen – damit unter den Kassen Wettbewerb entsteht. All das soll dazu führen, dass es am Ende weniger Krankenkassen gibt als zuvor: 218 waren es noch 2007, langfristig rechnen Politiker mit 30 bis 50.

          Bild: F.A.Z.

          Seit einigen Jahren hat sich die Lage geändert

          Die Mitglieder der City BKK taten, was vorgesehen war: Viele verließen die Kasse. Deshalb fehlte ihr noch mehr Geld, und am Ende war die Kasse pleite. In der City BKK blieben also viele Alte und Kranke übrig, die jetzt eine neue Versicherung suchen. Und wie man sich die vom Hals hält, darin sind die Kassen geübt. Jahrelang waren das die unattraktiven Mitglieder, die niemand haben wollte – und um sich die vom Hals zu halten, nutzten die Kassen fast jedes legale Mittel. Günstige Direktkrankenkassen schreckten ältere Versicherte ab, indem sie sich die Filialen sparten und voll auf das Internet setzten. Auch traditionelle Kassen hatten ihre Strategien, die sogar in Universitätsseminaren gelehrt wurden, wie Studenten berichten: Einfach die Geschäftsstelle in den dritten Stock eines Hauses ohne Aufzug legen – schon kommen die kurzatmigen Kranken nicht mehr hin.

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