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Von den Kassen erstattet : Holpriger Start für die „Apps auf Rezept“

Ein Fall für die Nachsorge: Bildgebendes Verfahren bei einem Schlaganfallpatienten Bild: Okapia

Migräne, Depressionen, Schlaganfallnachsorge: Gesundheitsapps sollen die Patientenversorgung voranbringen. Aber bisher werden nur wenige erstattet.

          5 Min.

          Irgendwie hatten sie sich die Sache leichter vorgestellt. Als Andy Bosch und das Team hinter der App Nichtraucherhelden zum ersten Mal von der Möglichkeit hörten, dass Gesundheitsapps vom Arzt verschrieben und die Kosten von den Krankenkassen erstattet werden, war ihnen klar: Da müssen sie dabei sein. Tatsächlich brauchte es dann aber neun Monate und eine Ehrenrunde, bis die Anwendung ins Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen wurde. „Wir haben den Aufwand kolossal unterschätzt“, sagt Geschäftsführer Bosch.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit waren die Nichtraucherhelden, die Raucher über mehrere Monate beim Aufhören begleiten, nicht allein. Um Gesundheitsapps einen schnelleren Weg in die Regelversorgung zu ermöglichen, startete im Frühjahr 2020 das sogenannte Fast-Track-Verfahren – eine „Weltneuheit“, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vollmundig betonte. Medizinische Apps und andere digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können seitdem vom Arzt verschrieben werden, und zwar auch dann, wenn die Hersteller den Nutzen noch nicht mit Hilfe wissenschaftlicher Studien belegt haben. Für diesen Nachweis bekommen sie ein Jahr Zeit, in dem die Kosten schon von der Krankenversicherung übernommen werden. Zuvor hatten Start-ups jahrelang geklagt, dass sie bei jeder Krankenkasse einzeln für eine Kostenerstattung werben mussten – finanziell für ein junges Unternehmen schwer durchzuhalten.

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