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Gesundheit : Erster Besitzer des neuen Kunstherzens gestorben

Über ein Stromkabel ist das Herz mit Akkus verbunden, die am Körper getragen werden Bild: Carmat

Im Dezember hat der erste Patient ein künstliches Herz vom Hersteller Carmat bekommen. Jetzt ist er gestorben. Trotzdem sind die Ärzte mit der Therapie nicht ganz unzufrieden.

          Der erste Patient des französischen Kunstherz-Herstellers Carmat S.A. ist gestorben. Das Pariser Krankenhaus Georges-Pompidou, das im Dezember die Transplantation vorgenommen hat, meldete am Montagabend den Tod des 76 Jahre alten Mannes. Er war der erste Mensch, dem die Neuentwicklung des Forschungsunternehmens Carmat eingesetzt wurde. Seit Jahren arbeitet die Firma an ihrer „intelligenten Bioprothese“, die als permanentes Herz getragen werden soll. Ältere Kunstherzen sind meist nur eine Art von Hilfspumpen, die als Brückenlösung bis zur Transplantation eines menschlichen Herzens eingesetzt werden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Aktie von Carmat, dessen einziges Produkt das Kunstherz ist, wurde am Dienstag an der Pariser Börse vom Handel ausgesetzt. Das Unternehmen wollte damit einen Kurseinbruch vermeiden. Die Kommunikation beschränkte sich allerdings auf ein Minimum: Die Autopsie müsse abgewartet werden, um Auskünfte über die Todesursache zu geben. Mitte Februar hatte das Unternehmen sein Testprogramm erläutert: In einem ersten Schritt wird das Kunstherz vier todkranken Patienten eingepflanzt. Wenn sie jeweils 30 Tage überleben, wird die Versuchsreihe auf 20 bis 25 Patienten erweitert. Insofern stellt der Tod des ersten Patienten keinen Misserfolg dar: Er hat die angepeilte Frist von 30 Tagen weit überschritten.

          Dennoch bestand die Hoffnung, dass der erste Herzpatient länger durchhalten würde In den vergangenen 12 Monaten hat der Aktienkurs um rund 20 Prozent nachgegeben, seit dem Börsengang 2010 hat er sich allerdings etwa vervierfacht. Carmat hofft, das Kunstherz von 2015 an vermarkten zu können.

          Bisher macht das Unternehmen nur Verluste und erhält Kredite von der französischen Staatsbank BPI. Den potentiellen Markt schätzen Fachleute auf 100.000 bis 120.000 Patienten in Nordamerika und Europa; sie könnten einen Umsatz von 16 Milliarden Euro einbringen. Das 900 Gramm schwere Kunstherz, das aufgrund seiner Rinderzellenhaut für den Körper gut verträglich sein soll, ist teuer: Analysten schätzen seinen Preis auf 140.000 bis 180.000 Euro. Die Transplantation soll nach Carmat-Angaben in Frankreich 250.000 Euro und in den Vereinigten Staaten sogar fast eine Million Dollar kosten.

          Das Kunstherz geht auf die Arbeit von Ärzten, Raumfahrtingenieuren und Medizintechnikern zurück. Im Zentrum steht der 80 Jahre alte französische Chirurg Alain Carpentier, der Erfinder der weltweit eingesetzten biologischen Herzklappen. Ende der achtziger Jahre schloss sich Carpentier dem Luftfahrtunternehmer Jean-Luc Lagardère an, um zunächst in dessen Matra-Konzern zu forschen. Noch heute ist die Airbus Group (früher EADS) als Nachfolgegesellschaft von Matra mit gut 30 Prozent an Carmat beteiligt; einige der 37 Carmat-Mitarbeiter sind ehemalige EADS-Ingenieure. 16 Prozent des Unternehmens gehören Carpentier, weitere 23 Prozent dem französischen Investmentfonds Truffle.

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