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Gespräche mit Qatar : Porsche-Familie demonstriert Geschlossenheit

Nach außen offenbar einig: Ferdinand Piëch (links) und Wolfgang Porsche Bild: dpa

Die Gespräche mit den Investoren aus Qatar laufen weiter, doch die Porsche-Eigentümer beklagen Störmanöver. Der VW-Betriebsrat fordert Informationen, bevor Qatar beim Volkswagen-Großaktionär Porsche einsteigt.

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          Das Ringen um die Zukunft der Porsche Holding SE, die sich durch die Mehrheitsübernahme bei VW hoch verschuldet hat, zwingt die Eigentümerfamilien zu demonstrativem Zusammenrücken. „Die Familie steht geschlossen hinter den Gesprächen mit Qatar“, ließen die Eigentümer über die Porsche-Pressestelle mitteilen. Meldungen, wonach Ferdinand Piëch bei einem Familientreffen am Montag den raschen Einstieg des Emirats Qatar bei der Porsche Holding verhindert habe, seien falsch, wird betont. Ein solches Familientreffen habe es gar nicht gegeben.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Ein Sprecher von Porsche sagte, er sei von den Eigentümer-Familien autorisiert worden, diese Mitteilung zu verbreiten, wollte sich aber nicht im Detail äußern, wer von den Familienmitgliedern die Veröffentlichung gutgeheißen hat. Es dürften die Sprecher der Familienstämme, Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch, sein. Dagegen ist fraglich, ob VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ebenfalls für den Inhalt der Nachricht steht. Öffentlich hat er sich bisher nicht dazu geäußert, ob er den Einstieg von Qatar bei dem Familienunternehmen befürwortet.

          Einigkeit in der Familie

          Die „Financial Times Deutschland“ hatte aber am Mittwoch unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, Ferdinand Piëch habe den Einstieg von Qatar vorerst verhindert. „Der FTD-Artikel ist nichts anderes als ein durchsichtiges Störmanöver, von dem wir uns auf unserem Weg nicht beirren lassen“, heißt es in der Mitteilung der Familie dazu. Ferdinand Piëch hat mit einem Anteil von gut 13 Prozent an der Porsche Holding SE keine Vetomöglichkeit.

          Die Familien verwahren sich in der Mitteilung auch gegen die Einmischung Dritter in die Verhandlungen mit Qatar: „Es besteht Einigkeit in der Familie, dass die Forderung aus Wolfsburg, Qatar müsse vor dem Einstieg zunächst mit dem Volkswagen-Management und dem Volkswagen-Betriebsrat Gespräche führen, jeglicher Grundlage entbehrt. Das Thema ist eine reine Eigentümer-Angelegenheit und wird ausschließlich in der Porsche SE behandelt.“

          Absolutes Stillschweigen vereinbart

          Der VW-Betriebsrat erneuerte unterdessen seine Forderung: „Wir wollen vom Investor Qatar genau wissen, wie das Emirat zum Engagement der Porsche SE bei Volkswagen steht und welche Auswirkungen dies auf Volkswagen und seine Arbeitnehmer haben kann“, sagte Bernd Wehlauer, Vizechef des VW-Betriebsrats, der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden im Fall eines Einstiegs von Qatar das Verhältnis zu unserem Großaktionär aus Arbeitnehmersicht neu bewerten.“ Eine Entscheidung über den Einstieg des Emirats Qatar bei Porsche dürfte noch zwei bis drei Wochen auf sich warten lassen. „Wir verhandeln noch über den Anteil, den wir kaufen wollen“, sagte Scheich Hamad Bin Dschassem El Thani bei der Jahresversammlung der qatarischen Unternehmer in Doha.

          Über den Fortgang der Gespräche sei zwischen Porsche und dem Emirat absolutes Stillschweigen vereinbart worden. „In zwei bis drei Wochen wird das Bild etwas klarer sein.“ Nach bisher nicht offiziell bestätigten Berichten verhandelt Qatar über ein Engagement im Volumen mehrerer Milliarden Euro, das den Investoren bei Porsche eine Sperrminorität und entsprechende Mitspracherechte verschaffen würde. Welche Vorstellungen die Investmentgesellschaft QIA im Detail hat, ist offenbar noch nicht einmal schriftlich festgelegt. Sobald der Forderungskatalog vorliegt, werden Porsche-Vorstandschef Wiedeking und die Vertreter von QIA darüber verhandeln. Erst wenn ein tragfähiges Konzept als Entscheidungsgrundlage erarbeitet sei, werde die Familie sich wieder damit befassen, verlautet in Unternehmenskreisen.

          Die Öffentlichkeit wird über das laufende Geschäft von Porsche am Freitag informiert. Sechs Wochen vor Ablauf des Geschäftsjahres, das bei Porsche am 31. Juli endet, muss das Unternehmen nach der europäischen Transparenzrichtlinie einen Zwischenbericht vorlegen.

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