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Interview mit Andrew Mackenzie : „Ich bin überzeugt, die Zukunft ist gut“

Frohgestimmter Wirtschaftskapitän: Andrew Mackenzie ist Chef des größten Bergbaukonzerns der Welt. Bild: Reuters

Der Chef von BHP Billiton will in Kali investieren, das Schiefergas in Amerika verkaufen und die Frauenquote deutlich erhöhen. Ein Gespräch mit dem Chef des größten Bergbaukonzerns der Welt.

          6 Min.

          Im Gespräch wirkt er an diesem Morgen so, als stünde die jetzige Phase seines Lebens vor dem Abschluss. Andrew Mackenzie ist seit gut vier Jahren Vorstandschef des größten Bergbaukonzerns der Welt. In dieser Rolle hat er BHP Billiton vom Kopf auf die Füße gestellt, aufgrund dramatisch fallender Preise für Bodenschätze massiv sparen lassen, die Produktivität vorangetrieben und dem Konzern das Fett weggeschnitten, das ihn bremste. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht Mackenzie immer wieder davon, dass der Aufbau neuer Geschäftsbereiche wohl in die Zeit seiner Nachfolger fallen werde – das Geschäft mit Rohstoffen ist nicht nur zyklisch, sondern langlaufend.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Vielleicht sorgen diese Zeitspannen und die großen Fragen der Welt dafür, dass der Schotte auch ein Denker und Philosoph ist. Der Manager, der in Melbourne lebt, blickt genauso auf Martin Luther wie auf den britischen Philosophen und Ökonomen John Stuart Mill: „Schon Mill hat gesagt, je mehr Widerstand du erfährst, umso stärker schärft das deine Ideen“, sagt Mackenzie. Die weltweite Debatte um die Globalisierung, von der BHP Billiton lebt, betrachtet er deshalb als faszinierende Auseinandersetzung: „Von der Schlacht der Ideen fühle ich mich gleichermaßen energiegeladen wie bedroht.“

          Aber natürlich fordert er, „wegen der zunehmenden protektionistischen Rhetorik in einigen Teilen der Welt“, gemeinsam für den Freihandel einzutreten. „Wir erfreuen uns einer großen Bewegungsfreiheit für unsere Güter. Aber natürlich gibt es nicht-tarifäre Handelshemmnisse. Um sie zu abzubauen, braucht es bilaterale Abkommen.“ Für Mackenzie gehen die Hemmnisse weit über die Bürokratie hinaus. „Sie reichen bis hin zur Infrastruktur. Und hier kommt die Neue Seidenstraße ins Spiel. Sie besitzt für uns doppeltes Gewicht: Sie vereinfacht den Transport durch Asien. Aber sie sorgt auch selbst für eine höhere Nachfrage nach unseren Produkten.“ Sein Haus rechnet allein mit einer zusätzlichen Nachfrage von rund 150 Millionen Tonnen Erz durch die „Ein Gürtel, eine Straße“-Initiative (Obor), bei der China rund eine Billion Dollar in den Ausbau von Asiens Infrastruktur pumpen will.

          Das Beste aus dem Westen und dem Osten zusammenführen

          „China ersetzt mit seinem Handeln ein Stück des Multilateralismus.“ Der Mann, der den Konzern durch eine tiefe Krise gesteuert hat, behält trotz des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und wachsender Handelshemmnisse seine Zuversicht: „Am Horizont zeichnen sich eine ganze Reihe guter Nachrichten ab“, sagt er. „Ich bin überzeugt, die Zukunft ist gut, auch weil einige der Debatten, die wir derzeit führen, am Ende doch zur Wiederaufnahme des Multilateralismus führen werden.“ Denn es sei doch klar: „Wenn wir die Bewegung von Gütern, Dienstleistungen und Ideen anhalten, wird die Weltwirtschaft geringer wachsen.“ Es könne aber sein, das die Debatte um Nationalismus und Protektionismus versus Multilateralismus in Asien zu einem neuen, von Pragmatismus geleiteten System führe, dass nach weniger Abgrenzung suche: „Am Ende mag das einige Länder durch die ,Falle der mittleren Einkommen‘ führen. Aber langfristig wird der Multilateralismus seinen Weg auch in Asien machen, hin zu Demokratie, individueller Freiheit und Menschenrechten.“ Dabei stünden auch die Manager in einer gesellschaftlichen Pflicht: „Unsere Chance als Geschäftsleute, die mit Politikern arbeiten, liegt darin, in einem positiven und konstruktiven Weg auch mit China an den westlichen Werten zu arbeiten.“

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