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Gespräch : „Eine Regulierung der Hedge-Fonds würde nicht greifen"

  • Aktualisiert am

Edgar Meister: Hedge-Fonds brauchen eine gewisse Intransparenz Bild: F.A.Z./Rainer Wohlfahrt

Ein gewisses Maß an Intransparenz ist Geschäftsgrundlage für Hedge-Fonds. Das sagt Edgar Meister, Vorstandsmitglied der Bundesbank, im Gespräch mit der F.A.Z. Meister warnt davor, durch Regulierungen den positiven Beitrag der Fonds zur Finanzmarkteffizienz zu zerstören.

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          Die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben großen Industrienationen (G7) wollen die Hedge-Fonds stärker unter die Lupe nehmen. Edgar Meister vom Vorstand der Deutschen Bundesbank wertet diese Absicht als ermutigendes Signal, um Risiken für die Finanzmarktstabilität zu begrenzen. Meister ist in der Bundesbank für die Aufsicht über die Kreditinstitute und die Finanzmarktstabilität verantwortlich und leitet das Banking Supervision Committee, in dem alle Bankaufsichtsbehörden in der EU zusammenarbeiten.

          Herr Meister, Sie weisen seit langem darauf hin, dass Hedge-Fonds ein Risiko für die Finanzmarktstabilität sein können. Wie bewerten Sie die Ergebnisse des Treffens der Siebenergruppe in Essen?

          Das ist ein richtig guter Beginn. Es ist wichtig, dass die Finanzminister den positiven Beitrag von Hedge-Fonds für das weltweite Finanzsystem anerkannt haben und derzeit keine Regulierung der Hedge-Fonds anstreben. Es ist aber ebenso wichtig, dass sich die teilnehmenden Staaten einig wurden, dass Wachsamkeit hinsichtlich der Risiken für die Systemstabilität erforderlich ist. Das ,Financial Stability Forum' soll bis Mai einen Bericht vorlegen; diese Terminierung zeigt, dass es den G-7-Staaten ernst ist.

          Die Siebenergruppe hat sich nur auf eine Analyse verständigt. Werden die politischen Gegensätze und vor allem der britische Widerstand nicht verhindern, dass man in absehbarer Zeit konkrete Maßnahmen beschließt?

          Das kann man nicht ausschließen. Aber vor dem Treffen gab es zwei sehr verschiedene Ansätze: Die einen bezweifelten, dass man über mehr Transparenz der Hedge-Fonds nachdenken muss, und die anderen wollten etwas tun. Der Gegensatz hat nicht dazu geführt, dass das Thema beerdigt wurde. Jeder weiß nun, dass etwas getan werden muss.

          Was muss getan werden?

          Das Financial Stability Forum hatte vor sieben Jahren einen Bericht über Hedge-Fonds erstellt. Damals ging es vor allem um Kreditrisiken. Die große Änderung seither ist, dass mit dem Zuwachs der Hedge-Fonds das Marktrisiko als mögliche Ursache systemrelevanter Ereignisse an Gewicht gewonnen hat. Dieses Risiko muss stärker fokussiert werden. Unser Interesse ist die Stabilität des Finanzsystems. Wichtig ist zu erfahren, wie hoch der Einfluss einzelner Fonds an Teilmärkten ist. Es geht uns nicht primär um Anlegerschutz; im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten ist das in Europa weniger ein Thema.

          Aber über die neuen Finanzinstrumente und Hedge-Fonds, die Geld bei Pensionskassen einsammeln, landen die Risiken zunehmend beim "kleinen Mann"?

          Höhere Renditeerwartungen sind mit höheren Risiken verbunden. Manager von Pensionsfonds haben deshalb hohe Sorgfaltspflichten, mehr als andere. Aber es kann für Anleger in riskanten Hedge-Fonds nie eine Garantie geben.

          Sie setzen weiter auf Marktlösungen im Umgang mit Hedge-Fonds?

          Eine Regulierung durch die Politik könnte nicht greifen. Dann würden Hedge-Fonds in Off-Shore-Zentren gehen und keinem Zugriff mehr unterliegen. Eine Selbstregulierung in Form eines Verhaltenskodex, möglichst im Verbund mit einem Rating der Hedge-Fonds, kann relativ zeitnah dazu beitragen, die Marktrisiken besser abzuschätzen. Marktrisiken liegen darin, dass Fehler beim Risikomanagement gemacht werden, dass der Kredithebel mit Blick auf eine spezielle Investitionsstrategie zu hoch angesetzt wird und dass ein zu großer Teil eines Fonds auf einen Teilmarkt konzentriert ist. Solche Fragen kann eine Rating-Agentur als unabhängiges Institut relativ schnell und sicher beurteilen. Für die Finanzstabilität wichtig sind auch nicht alle 9000 Hedge-Fonds. Wir reden darüber, dass einige große Fonds gleiche Strategien fahren, in Währungen, Öl oder in anderen Waren. Das kann zum Risiko werden.

          Wie ist die Resonanz auf Ihren Vorschlag eines freiwilligen Ratings von Hedge-Fonds?

          Der Bundesverband deutscher Banken hat Zustimmung signalisiert. Auch in Amerika und in Großbritannien bringen nicht unbedeutende Marktteilnehmer dem Vorschlag, bestimmte Risikokomponenten auf eigene Kosten bewerten zu lassen, Sympathie entgegen. Die Rating-Agenturen stehen dem Vorschlag offen gegenüber; das Fachwissen hätten sie.

          Was würden die Agenturen prüfen?

          Die Rating-Agenturen würden sich das Risikocontrolling erläutern lassen, das Management, die Marktchancen, die Investment-Strategie, Konzentrationsrisiken und anderes. Das hohe Konzentrationsrisiko auf Öl und Gas im Fall Amaranth wäre durch eine Agentur mit hoher Wahrscheinlichkeit erkannt worden.

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