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Geschäftsmodell : Die Commerzbank ist überdimensioniert

Zu hoch hinaus? Der Commerzbank-Turm in Frankfurt Bild: Nora Klein

Im Mittelstandsgeschäft verdient die Commerzbank gutes Geld. Im Filialgeschäft hingegen werden die Kosten nicht eingespielt. Warum Übernahmegerüchte trotzdem voreilig sein dürften.

          Die Finanzpolitiker von CDU und SPD, die in diesen Tagen in Berlin den Koalitionsvertrag aushandeln, mögen wichtigere Themen zu besprechen haben als die Commerzbank. Aber sie sollten doch die nicht endenden schlechten Nachrichten rund um das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut, das noch zu 17 Prozent dem Staat gehört, zum Anlass nehmen, die Perspektiven für die Commerzbank zu prüfen. Trägt ihr Geschäftsmodell? Ist die Bank nicht, gerade im Filialgeschäft, überdimensioniert? Müssten nicht in den 1200 Filialen und in der Frankfurter Zentrale mehr Stellen wegfallen als die 9000 nach der Fusion mit der Dresdner Bank und die in diesem Sommer vereinbarten 3900 von noch 41.000 inländischen Arbeitsplätzen?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zumindest eines ist klar: Auch fünf Jahre nach der Fusion mit der Dresdner Bank ist die Commerzbank von ihren Zielen weit entfernt. Mit 640 Milliarden Euro Bilanzsumme und 11 Millionen Privatkunden, darunter fast 3 Millionen bei der erfolgreichen Direktbank Comdirect, machte sie im ersten Halbjahr 2013 einen Verlust von 51 Millionen Euro. Im Jahr 2012 blieb ein Gewinn von 6 Millionen anstelle der geplanten 4 Milliarden Euro.

          Zumindest eine Sparte ist an der Misere gewiss nicht schuldig: das Kreditgeschäft mit mittelständischen Firmenkunden. Hier kommt die Commerzbank nach der Fusion mit der Dresdner Bank auf ein Kreditbuch von 80 Milliarden Euro im Inland, rund 30 Prozent mehr als die Deutsche Bank. Im Jahr 2012 und davor warf es hohe Zinsmargen von 30 Prozent ab. Inzwischen nimmt die Gewinndynamik etwas ab. Auch Banken wie BNP Paribas, HSBC oder selbst die Deutsche Bank entdecken dieses Geschäft wieder. Doch noch immer erzielt die Commerzbank hier Renditen von mehr als 15 Prozent.

          Defizitäres Filialgeschäft

          Viele mittelständische Firmen rechnen der Commerzbank an, dass sie in den Krisenjahren 2008 und 2009 viele Kredite verlängert hat. Natürlich war das nur nach staatlicher Stützung möglich. Doch diese Stetigkeit im Kreditgeschäft, die im Gegensatz zu oft beklagter fehlender Verlässlichkeit der Mitbewerber steht, hat eine Vertrauensbasis für die Commerzbank geschaffen. Und das Investmentbanking ist seit Ende der neunziger Jahre weitgehend auf die Bedürfnisse der mittelständischen Kunden zugeschnitten. Rechtsrisiken, wie sie sich bei der Deutschen Bank auftürmen, hat die Commerzbank nicht. Sowohl im Mittelstandsgeschäft als auch im Kapitalmarktgeschäft kann man demnach sagen: Die Fusion mit der Dresdner Bank hat sich gelohnt.

          Das ist im Privatkundengeschäft anders, obwohl die Commerzbank hier mit einem Marktanteil von 8 bis 9 Prozent aufgeholt hat. Noch aber hat sie den als Mindestmaß für auskömmliches Geschäft geltenden zweistelligen Anteil im von Sparkassen und genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken dominierten Markt nicht erreicht. Derzeit kauft die Commerzbank Kunden, indem sie mit kostenlosem Girokonto und 50 Euro Begrüßungsgeld lockt. Trotz Wut der Wettbewerber über die aufreizenden und teuren Fernsehwerbespots hat die Hoffnung dahinter bisher getrogen: Mit mehr Privatkunden mehr Geschäft und mehr Gewinn machen, obwohl sich das Kundenverhalten geändert hat.

          Anders als früher vergleichen Kunden Zinskonditionen zunächst im Internet, bevor sie eine Bankfiliale aufsuchen. Privatkunden sind misstrauischer, weil der Berater sie auch und gerade in der Commerzbank in der Vergangenheit oft zu aggressiv zur Geldanlage gedrängt hat. Und die traditionell wertpapieraffine Kundschaft der Commerzbank hat trotz Aktienhausse nur zögerlich zurück an die Börse gefunden. Hinzu kommen niedrige Erträge im Zinsgeschäft, mit denen alle Banken zu kämpfen haben. Deshalb erzielt die Commerzbank mit Privatkunden allenfalls unbefriedigende einstellige Renditen. Oft ist ihr Filialgeschäft sogar defizitär. Doch der Vorstand will nicht mehr als 400 Filialen schließen, die nach der Fusion mit der Dresdner Bank an Standorten doppelt vorhanden waren.

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