https://www.faz.net/-gqe-6kz93

Geschäftsführer entlassen : Puma sieht sich als Opfer griechischen Millionenbetrugs

„Systematische Hinterziehung”: Puma-Chef Zeitz Bild: APN

Der Sportartikel-Hersteller Puma sieht sich als Opfer eines millionenschweren Betrugs. Die griechischen Puma-Partner hätten Jahre lang Gelder des Unternehmens veruntreut. Das Unternehmen spricht von nachträglichen Abschreibungen vor Steuern für 2009 von rund 115 Millionen Euro.

          Die Folgen krimineller Machenschaften bei der griechischen Vertriebsgesellschaft könnten der Puma AG einen großen Teil ihres Gewinns in der zweiten Jahreshälfte kosten. Am Montag gab die in Herzogenaurach ansässige Sportartikelmarke überraschend bekannt, dass sie bis zum Jahresende insgesamt 130 Millionen Euro aus Abschreibungen und Restrukturierungen zu verkraften hat. Der Hersteller bezichtigt die Miteigentümer und frühere Geschäftsführer von Puma Hellas SA, Geld aus dem Unternehmen geschleust zu haben. Griechische Polizei und Staatsanwaltschaft wurden eingeschaltet, Anfang Oktober das Management ausgewechselt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          „Nach derzeitigen Kenntnissen sind wir Opfer einer systematischen Hinterziehung und Veruntreuung geworden“, sagte Vorstandsvorsitzender Jochen Zeitz verärgert. Im vorläufigen Ergebnis einer Sonderprüfung wirft der Wirtschaftsprüfer Deloitte den Brüdern Giorgos und Antonios Glou - mit jeweils 15 Prozent an Puma Hellas beteiligt - vor, in Zusammenarbeit mit dem Management der Vertriebsgesellschaft Straftaten begangen zu haben. Der Bericht wurde Puma vergangene Woche vorgelegt, der zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Montag führte.

          Die Glou-Brüder, so der Verdacht, dürften mit dem Geschäftsführer und dem Finanzchef gemeinsame Sache gemacht haben. Das Vier-Augen-Prinzip, also jegliche Kontrolle, soll damit ausgehebelt worden sein. Giorgos Glou gab am Montag den Unwissenden: Er sagte Reportern in Athen, er habe nichts von der Erklärung von Puma gewusst und könne daher auch nichts sagen.

          Belastung etwa 30 Millionen Euro

          Seit Bestehen des am 1. Januar 2005 gegründeten Gemeinschaftsunternehmens wurden nach bisherigen Erkenntnissen insgesamt 115 Millionen Euro abgezogen. Der mit Abstand größte Teil veruntreuter Gelder fiel in den zurückliegenden Jahren an, denn das Geschäftsjahr 2010 ist nur mit 15 Millionen Euro betroffen. Die Höhe ist um so bemerkenswerter, weil der Jahresumsatz von Puma Hellas vage mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag beziffert wird und somit im Verhältnis zu den veruntreuten Beträgen klein ist. Griechenland gehört für Puma zu den zehn wichtigsten Märkten in Europa. Im vergangenen Jahr erreichte der Umsatz der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika 1,22 Milliarden Euro und machte 47 Prozent des Konzernumsatzes aus.

          Neben den Abschreibungen, die sich laut Puma nicht auf die Liquidität auswirken, fallen 15 Millionen Euro als Vorsorge für die sofort einzuleitenden Restrukturierungsmaßnahmen an. Nach Steuern dürfte eine Belastung in der Größenordnung von 30 Millionen Euro verbleiben. Dies lässt sich aus einer Mitteilung des französischen Luxusgüterkonzerns PPR ableiten, der mit 71,6 Prozent Mehrheitseigentümer von Puma ist. PPR gab bekannt, dass sich dessen Nettogewinn durch den Vorfall um 20 Millionen Euro verringere.

          Enthüllt wurden die kriminellen Vorgänge im Zuge einer routinemäßigen Halbjahresprüfung durch Deloitte im Frühsommer. Die aufgedeckten Unregelmäßigkeiten bewirkten weitere Untersuchungen, die in einer Sonderprüfung mündeten und zur Entlassung der alten Geschäftsführung führten. Seit Anfang Oktober leitet der einstige Puma-Frankreich-Chef Miguel Andrade die Geschäfte in Griechenland. Er müsse Puma Hellas nun den derzeitigen Marktbedingungen anpassen, sagte ein Sprecher. Die Marke habe in dem Land eine „solide Marktposition“. Wie solide sie tatsächlich ist, bleibt unklar. Denn es muss noch geprüft werden, welche Angaben der alten Geschäftsführung überhaupt stimmen. Die Marke sei in Griechenland sehr präsent, betonte der Sprecher. So wird der Fußballclub Olympiakos Piraeus von Puma gesponsert.

          Die Hiobsbotschaft kam ein Tag vor Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal. Im zweiten Quartal hatten die Herzogenauracher noch mit ihren Zahlen enttäuscht. Zeitz sprach aber von einer wachsenden Umsatzdynamik in der zweiten Jahreshälfte. Am Dienstag wollen PPR und Puma zudem ihre neue Strategie präsentieren. Der Aktienkurs hatte sich am Montag nach einem anfänglichen Minus von knapp 5 Prozent erholt und notierte im Tagesverlauf etwas schwächer.

          Weitere Themen

          Furcht hält Börsen im Griff Video-Seite öffnen

          Sinkende Kurse : Furcht hält Börsen im Griff

          Konjunkturängste und der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China belasten zunehmend die Stimmung. Die amerikanischen Börsen haben gestern tief im Minus geschlossen. Der Dow-Jones-Index schloss 3,05 Prozent tiefer bei 25.479 Punkten.

          Topmeldungen

          „Sie wollte nicht in einem Staat leben, den zu lieben ihr plötzlich wieder aufgetragen wurde. Der Bundeskanzlerbub verlangte das“, schreibt Marlene Streeruwitz.

          Chronik der Regierung Kurz : Was der Kanzlerbub wollte

          In ihrem Roman „Flammenwand“ verquickt Marlene Streeruwitz österreichische Politik und das Liebesleid ihrer Protagonistin Adele. Das Buch ist zugleich Chronik der türkis-blauen Regierung unter Sebastian Kurz.
          Mahar will keinen Bruch mit seiner Familie, aber er hat sich entschlossen, zu seiner Frau zu stehen.

          Zwischen den Welten : Die Freundin, die keiner kannte

          Mit Mitte zwanzig war er noch Single. Zumindest glaubte das seine Familie. In Wirklichkeit hatte er eine Freundin, eine Deutsche, eine Andersgläubige. Und da lag das Problem.

          Transfercoup nach Saisonstart : Coutinho lenkt von Bayerns Defiziten ab

          Die Münchner versuchen, sich das 2:2 gegen Hertha zum Saisonstart der Bundesliga schönzureden. Da hilft es, dass nach dem Spiel zwei Transfers bekannt werden. Einer davon ist spektakulär.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.