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Aktionen nach Deutschland-Spiel : 7 Tore, 70 Prozent Rabatt

Erst kommt die Freude, dann der Konsum: Die deutschen Fans können feiern. Bild: dpa

Zehn Prozent Nachlass pro Tor: Was als gewitzte Verkaufsaktion vieler Geschäftsleute geplant war, ist durch das 7:1 der Deutschen im WM-Halbfinale nach hinten losgegangen.

          Kerstin Schulze freut sich nach diesem Zehn-Stunden-Tag nur noch auf ihren Feierabend. „Von neun Uhr früh bis fünf nach sechs heute Abend hatten wir durchgehend zwei Kassen geöffnet“, sagt die Verkäuferin des Gartencenters Ringk in Brakel. Schuld sind ihr Chef, die brasilianische Abwehr und der deutsche Sturm. Denn der Chef hat in der Lokalzeitung mit einem „WM-Tor-Rabatt“ geworben.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Am darauf folgenden Tag erhalten Sie zehn Prozent Rabatt für jedes geschossene Tor der deutschen Fußballnationalmannschaft auf Ihren kompletten Einkauf“, steht in der Anzeige. Und weil Kroos, Khedira, Klose und Co. sieben Tore geschossen haben, stand Kerstin Schulze den ganzen Tag an der Kasse. Bis 13.00 Uhr zählte der Laden bereits 300 Kunden - weit mehr als üblich. Danach hörte Schulze auf zu zählen, mit kassieren hatte sie genug zu tun.

          Besonders beliebt war Gartenerde und „alles aus der Baumschule“. Also kleine Bäume, die schon mal bei 80 Euro anfangen. „Eben Gartenbedarf, den man sich sonst vielleicht nicht leistet“, sagt Schulze. Als erstes seien die Orchideen vergriffen gewesen. Bei 70 Prozent Rabatt lohnt sich für die Kunden auch ein Großeinkauf.

          Das Gartencenter Ringk war aber bei weitem nicht das einzige Geschäft, dem die 10-Prozent-pro-Tor-Regel zum Verhängnis wurde:

          So warb ein Sportladen aus Osnabrück genauso dafür, wie ein Optiker aus Trier oder ein Berliner Online-Händler für Kfz-Teile. Der Optiker nahm die „Niederlage“ sportlich. Gegenüber der Rhein-Zeitung sagte er: „Das Telefon steht nicht still“. Am Mittwoch kurbelte das ungewollte Angebot den Verkauf an. Besonders gut gingen die besseren Gleitsichtbrillen, die statt rund 500 Euro etwa 150 Euro kosteten. Der Online-Händler reagierte kaufmännisch: Er hob über Nacht einfach seine Preise an, um den Nachlass zu umgehen. Nach heftiger Kritik weist die Seite nun aber die rabattierten Preise aus. Eine Bäckereikette aus Kamp Lintfort warb damit, ihren Kunden pro Tor ein Brötchen zu schenken. Wegen dieses Versprechens mussten die Filialen bereits morgens Brötchen nachbestellen und der Chef außerdem Gutscheine an Kunden rausgeben, erzählte er Handelsblatt Online.

          Besonders hoher Andrang herrschte auch an der Telefonhotline des „Holiday Parks“ in der Pfalz. Der Park gewährte Rabatt auf die Eintrittspreise - und war schnell vom Andrang überrascht.



          Das Unternehmen bot 1000 Tickets im Onlineshop an und nachdem alle Karten ausverkauft waren, sogar noch einmal 2900 Tickets. Die sind jedoch nur bis zum Finaltag am 13. Juli gültig. Dafür musste der Freizeitpark auf seiner Facebook-Seite heftige Kritik einstecken, obwohl die Gültigkeit bereits in der ersten Ankündigung enthalten war. So schrieb ein enttäuschter Facebook-Nutzer: „Wenn man sowas anbietet, sollte man schon im Vorhinein angeben, dass diese nur eine gewisse Dauer haben, sowie es eine begrenzte Stückzahl davon gibt.“

          In Gross-Gerau hat die Chefin eines Oberbekleidungsgeschäftes nach dem Deutschland-Spiel von ihrem Angebot nichts mehr wissen wollen. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte sie: „Das kann ich mir gar nicht leisten. Da kann ich ja gleich Geld von zu Hause mitbringen. Irgendwo muss ein Ende sein.“

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