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Geschäft mit Traktoren : „Männer kaufen mehr Maschinen als nötig“

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,,Die Landwirtschaft hat weniger Romantik, als Frau Obama oder Frau Künast es sich erträumen"
          5 Min.

          Martin Richenhagen führt den weltweit drittgrößen Landmaschinenhersteller Agco durch die Krise. Im Interview spricht er über die immer größeren Bauernhöfe, den niedrigen Milchpreis und die Schwierigkeiten des afrikanischen Marktes.

          Herr Richenhagen, Sie verkaufen Traktoren und Mähdrescher und sind passionierter Reiter. Worauf sitzen Sie lieber - auf Tier oder Maschine?

          Ehrlich gesagt, auf einem Pferd. Meine Frau hat mir das Reiten allerdings verboten. Sie sagt, ich sei zu schwer für unsere Tiere.

          Einer Traktorfahrt können Sie nichts abgewinnen?

          O doch. Ein guter Traktor macht was her. Das war früher schon so. Meine Kinder waren sehr neidisch auf die Bauernsöhne im Münsterland, die mit 15 auf dem väterlichen Schlepper in der Schule vorfuhren. Da war ein Mofa nichts dagegen.

          Heute leben Sie in Amerika und leiten Agco, den drittgrößten Landmaschinenhersteller der Welt. Eine krumme Karriere für einen Religionslehrer aus Ostbevern.

          Meine Zeit als Lehrer liegt lange zurück, das war Ende der siebziger Jahre. Ich habe fünf Jahre lang Religion und Französisch unterrichtet. Mit viel Spaß . . .

          Dann aber hat Ihr Reitfreund, der ehemalige BDI-Chef Thumann, Sie überredet, Karriere zu machen?

          Er hatte ein Stahlunternehmen, in dem ich angefangen habe. Später bin ich viel herumgekommen, war bei Claas, bei einem Bodenbelag-Hersteller, bei Schindler Aufzüge. Meine Karriere war nie „straight“. Als mir dieser Job angetragen wurde, habe ich das gar nicht ernst genommen. Es gab 15 Bewerber aus Amerika! Vom Vorstellungsgespräch in Atlanta habe ich nicht mal meiner Frau erzählt.

          Wieso nicht?

          Ich wollte sie nicht unnötig verrückt machen. Ich dachte, ich komme zurück und erzähle ihr eine lustige Geschichte: „Weißt du, was mir passiert ist?“ Stattdessen musste ich ihr beichten, dass die mich haben wollen.

          Lange lief es blendend, Sie haben den Umsatz verdoppelt, von vier auf acht Milliarden Dollar. Jetzt trifft Sie die Krise: Wie schlecht wird das Jahr 2009?

          Uns hat es im zweiten Halbjahr erwischt. Im August sind die Bestellungen um 40 Prozent eingebrochen, von einem Tag auf den anderen. Am schlimmsten war es in Europa. Und es gibt derzeit weltweit keinen Markt, der das auffängt, weder Russland noch China noch Südamerika. Deshalb wird der Umsatz in diesem Jahr um 25 Prozent sinken. Wobei auch 6,4 Milliarden Dollar sehr in Ordnung sind. Wir haben Stellen nicht neu besetzt und so 20 Prozent vom Personal abgebaut. Mit 15 500 Mitarbeitern sind wir jetzt gut gerüstet.

          Für Ihre deutsche Nobelmarke Fendt kommt die Krise zur Unzeit: Die neue Fabrik in Marktoberdorf wird erst mal nicht gebaut.

          Mir ist es lieber, wir warten ein halbes Jahr mit der Montagehalle, als dass wir sie jetzt hinstellen und dann nichts montieren können. Die Lage wird sich wieder beruhigen, dann bauen wir. Mittel- und langfristig gesehen ist das Geschäft mit Landmaschinen eine todsichere Sache. An meinem Ziel, auf zehn Milliarden zu kommen, halte ich fest - nur schaffen wir es nicht im kommenden Jahr, sondern erst 2012. Schließlich wächst die Menschheit Jahr für Jahr um 80 Millionen Menschen. Die wollen essen.

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