https://www.faz.net/-gqe-7aw06

Germanwings-Chef Winkelmann : „Wir sind die Günstigflieger der Lufthansa“

  • Aktualisiert am

Thomas Winkelmann, Geschäftsführer von Germanwings, einer Tochtergesellschaft der Lufthansa, macht Werbung Bild: Schoepal, Edgar

Statt Lufthansa fliegt in Deutschland seit diesem Montag Germanwings mit einem neuen Tarifkonzept. Chef Thomas Winkelmann spricht bei FAZ.NET über Preise, Komfort und den Zwang zum Profit.

          Thomas Winkelmann steht seit 2006 an der Spitze von Germanwings, einer Tochtergesellschaft der Lufthansa. Ursprünglich als Billig-Airline gegründet, übernimmt Germanwings zunehmend alle deutschen und europäischen Flugstrecken der Lufthansa, die nicht über die Drehkreuze Frankfurt und München führen.

          Am 1. Juli war offizieller Startschuss für die neue Germanwings mit der Einführung eines neuen Tarifkonzepts. Winkelmann arbeitet in der Germanwings-Zentrale am Rand des Kölner Flughafens, er wohnt in Berlin und Köln. Der Manager wurde 1959 in Hagen geboren, studierte Linguistik und Alte Geschichte in Berlin und Münster und in einem Aufbaustudium noch Betriebswirtschaft in Berlin. Seit 1988 war er für die Lufthansa vor allem in Amerika tätig.

          Herr Winkelmann, seit 1. Juli fliegt Germanwings statt Lufthansa. Deren Stammkunden toben: Sie wollen keinen Billigflieger.

          Germanwings gibt es ja schon seit elf Jahren, und wir haben viel Erfahrung auch mit Geschäftskunden gesammelt. Und das an Standorten wie Stuttgart, Hannover und Köln, die wichtig sind für Geschäftsreisende. Dort hat sich Germanwings trotz harten Wettbewerbs sehr gut durchgesetzt. An den neuen Standorten Hamburg, Berlin und Düsseldorf . . .

          ... die bisher von Lufthansa bedient wurden, aber auf Germanwings umgestellt werden ...

          kennt man uns noch nicht. Das schafft zunächst Unsicherheit. Die werden wir aber beseitigen, sobald wir dort fliegen.

          Das wird schwierig. Die Vielflieger sind sauer, dass sie nicht das gleiche Angebot wie bei Lufthansa bekommen wie bevorzugte Gepäckausgabe oder kostenlosen Loungezugang bei allen Tarifen.

          Weil viele bei den Flügen innerhalb von Deutschland abseits der großen Drehkreuze und auch bei vielen innereuropäischen Strecken meist mit Handgepäck reisen, wird die bevorzugte Gepäckausgabe überbewertet. Das wenige aufgegebene Gepäck bekommt der Passagier daher schon von alleine ganz schnell. Den Loungezugang gibt es für Vielflieger weiter kostenlos, nur im Billigtarif Basic müssen Frequent Flyer einen Aufpreis bezahlen. Alle sonstigen Vorzüge wie etwa kostenloses Umbuchen, bevorzugtes Check-in und Sicherheitskontrolle erhalten bisherige Lufthansa-Kunden in dem entsprechenden Tarif auch bei uns.

          Aber einen Vorteil gegenüber der Lufthansa haben Sie auch nicht.

          Der Sitzabstand von mehr als 81 Zentimetern ist in den ersten zehn Reihen so groß wie bei keinem anderen Anbieter.

          Den gibt es aber sicher nicht mit Ihrem Billigtarif.

          Die ersten drei Reihen sind für die Gäste reserviert, die den Best-Tarif gebucht haben, der den Leistungen der Businessclass vergleichbar ist und trotzdem billiger ist. Die Kunden, die den Smart-Tarif gewählt haben, können sich auch in die Reihen vier bis zehn setzen, die ebenfalls über den größeren Sitzabstand verfügen. Dieser Smart-Tarif wird der neue Standard-Tarif werden. Er entspricht einem heutigen Economy Ticket.

          Und ab Reihe elf kommt dann schon die billige Holzklasse?

          Ab Reihe elf ist der Abstand genauso groß wie bei anderen Anbietern. Dort finden sich die übrigen Smart-Kunden und die Kunden des Billigtarifs Basic. Es gibt also Tarife von günstig bis gehoben in einer Maschine.

          Vorne der Geschäftsmann, hinten der Tourist, der sein Wurstbrot auspackt - das kann nicht gutgehen.

          Sie haben ein falsches Bild unserer Basic-Kunden. Und, wie gesagt, in Stuttgart und Köln funktioniert das gemischte Konzept gut.

          Wahrscheinlich, weil man den Billigtarif eh nicht bekommt.

          Das stimmt so nicht. Es hängt von der Strecke und dem Buchungszeitpunkt ab. Im Schnitt bieten wir zehn bis 15 Prozent der Tickets in unserem günstigsten Tarif an. Wenn Sie früh buchen - das ist sechs Monate vorher möglich -, haben Sie eine Chance, das billigste Ticket zu ergattern, eine Woche vorher natürlich kaum.

          Wozu denn überhaupt noch ein Billigtarif? Sie verdienen doch an den Geschäftskunden.

          Man braucht einen Billigtarif, um in den relevanten Buchungssystemen der Unternehmen aufzutauchen. Firmenkunden wie Privatreisende verlangen das gesamte Preisspektrum in ihrem System.

          Umstellung von Lufthansa auf Germanwings Bilderstrecke

          Aber wer bucht denn schon ein Billigticket für 33 Euro einfacher Flug ohne Gepäck und Essen. Da ist doch Ryanair viel günstiger.

          Die fliegen ja nur kleine Flughäfen auf dem flachen Land an, zu denen Sie erst einmal hinreisen müssen.

          Easyjet fliegt auch nach Köln oder Berlin.

          Ja, aber nicht so häufig wie wir. Wir fliegen mehrmals täglich, und auf unseren Strecken kann man sogar Miles-and-More-Meilen sammeln.

          Air Berlin fliegt auch sehr oft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Persischer Golf : Amerika meldet Abschuss iranischer Drohne

          Amerikas Präsident zufolge zerstörte die „USS Boxer“ das unbemannte Fluggerät über der Straße von Hormus, weil sie ihr zu nahe gekommen sei. Teheran entgegnet, Iran fehle keine Drohne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.