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Absturz von 4U9525 : Wie alt darf ein Flugzeug sein?

Wartung: Ein Techniker an einer Maschine der Marke Boeing Bild: AFP

Das abgestürzte Germanwings-Flugzeug war 24 Jahre alt. Das klingt gewaltig, ist in der Luftfahrt aber kein ungewöhnlicher Wert. Jüngere Flugzeuge sind zwar oft effizienter, aber nicht unbedingt sicherer.

          Das eigene Auto fahren die wenigsten Käufer ewig. In der Luftfahrt sind ältere Flugzeuge hingegen keine Seltenheit. Schließlich sind die Jets in der Anschaffung teuer. Ein A320-Flugzeug wie die am Dienstag abgestürzte Germanwings-Maschine kostet neu laut Herstellerpreisliste etwa 85 Millionen Euro. Eine derartige Anschaffung ist für viele Fluggesellschaften nur bezahlbar, wenn die Flugzeuge viele Jahre in der Luft sind. Die Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns sind im Durchschnitt etwa 11 Jahre alt.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Airbus hat das A320-Modell ursprünglich für eine Lebensdauer von 25 Jahren konzipiert. Dennoch ist es keineswegs so, dass allein ein hohes Alter eines Flugzeugs mit einem hohen Sicherheitsrisiko einhergeht. Die Lebenserwartung war von vornherein mit der Annahme verbunden, dass ein Flugzeug in dieser Zeit etwa 60.000 Stunden in der Luft verbracht hat und 48.000-mal gestartet und gelandet ist. Diese Werte variieren bei Flugzeugen gleichen Alters stark – je nachdem, wie häufig  auf kurzen Rennstrecken wie zwischen Frankfurt und Hamburg pendeln oder längere Distanzen wie zu den Kanarischen Inseln oder ins türkische Antalya zurücklegen.

          Das abgestürzte Germanwings-Flugzeug mit der Kennung D-AIPX war 24 Jahre alt. Die Fluggesellschaft hält dieses Alter nicht für ein Problem. Viele vergleichbare Airbus-Maschinen seien sicher unterwegs. Nach Angaben des Herstellers hatte das Flugzeug, das die Airbus-Werkstätten mit der Seriennummer 147 verlassen hat, seit der Auslieferung 46.700 Flüge absolviert, die zusammen 58.300 Stunden dauerten. Damit lag das Alter nur wenig unter der prognostizierten Lebenserwartung.

          Die Lebenserwartung allein sagt nicht viel aus

          Doch: Allein anhand solcher Werte lässt sich nicht schließen, ob ein Flieger am Ende seiner Kräfte ist. Der Hersteller gibt nur an, wofür ein Flugzeug konzipiert ist. Regelmäßige Wartungen können die Haltbarkeit verlängern. Dafür sorgen nahezu alle Fluggesellschaften. Ein Kurz-Check findet zwischen jeder Landung und jedem Start statt – auch dann, wenn die Maschine nur 25 Minuten am Boden bleibt, wie es bei vielen Billigfluggesellschaften üblich ist. Der Blick auf die Rumpfunterseite und in die Triebwerke ist Pflicht. Auffälligkeiten protokolliert der Pilot. Kleine Defekte werden sofort repariert. Größere Schwierigkeiten können dazu führen, dass der Folgeflug verschoben oder abgesagt wird.

          Während ein Auto alle zwei Jahre zur TÜV-Prüfung muss, steht für ein Flugzeug die erste turnusgemäße Wartung viel eher an. In der Branche heißen diese Untersuchungen „Letter-Checks“, es gibt A-, B-, C- und D-Prüfungen. Der A-Check erfolgt bei Flugzeugen, die viel in der Luft sind, schon nach weniger als zwei Monaten. Eine A320-Maschine muss nach rund 600 Flugstunden zum Check. Der dauert nur einige Stunden und wird beispielsweise in der Nachtpause durchgeführt.

          Der C-Check ist die erste aufwändigere Prüfung – nach 6000 Flugstunden, die in etwa zwei Jahren erreicht werden. Für die Untersuchung werden sogar Teile des Flugzeugs auseinandergenommen, es steht dann eine Woche im Wartungshangar. Die grundlegendste Prüfung ist der D-Check - eigentlich viel mehr als eine Prüfung. Treibwerke werden weitgehend demontiert, Lack wird abgetragen, um den Rumpf auf Risse zu untersuchen. Das erfolgt alle sechs Jahre. Der Germanwings-Airbus war – trotz seines Alters von 24 Jahren – nach Angaben der Fluggesellschaft mit aktuellster Computertechnik ausgestattet.

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