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Geringe Überlebenschancen : Das Weltbild zerfällt

Die Zukunft des Weltbild-Verlags sieht düster aus Bild: dpa

Der Buchmarkt ist überbesetzt. Daher sind die Überlebenschancen für den Weltbild-Verlag nicht gut. Die Interessenten werden kaum Schlange stehen. Es gibt aber doch eine Hoffnung für die Beschäftigten.

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          Die insolvente Verlagsgruppe Weltbild ist längst keine Verlagsgruppe (mehr). Weltbild ist ein Handelsunternehmen. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man die Überlebenschancen des Unternehmens einschätzen will. Handelsunternehmen arbeiten mit geringen Margen auf einem prinzipiell überbesetzten Markt. Bereits die vorherigen Großpleiten im Handel, die der Drogeriekette Schlecker und die der Baumarkkette Praktiker/Max Bahr, haben gezeigt, wie schwer es ist, ein ins Schlingern geratenes Handelsunternehmen zu retten.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          In beiden fällen konnte bis auf einzelne Baumärkte, die an die Konkurrenz gingen, nichts gerettet werden. Und die bayerische Staatsregierung, die jetzt wieder großspurig von staatlichen Hilfen spricht, hat sich bei dem Versender Quelle schon einmal lächerlich gemacht, als man auf Staatskosten Kataloge druckte, die nur Geld gekostet, dem Unternehmen aber nicht geholfen haben.

          Der Buchmarkt ist überbesetzt. Viele Filialen werden schließen. Bisher ging man eh davon aus, dass in den kommenden Jahren aufgrund der Internet-Konkurrenz jede dritte Buchhandlung schließen werde. Also werden höchstens einige wenige Läden übernommen werden. Die Weltbild-Zentrale hat viel Know how in der Abwicklung von Versandaufträgen. Sie hat viel Geld in eine neue IT und ein neues Logistikzentrum investiert.

          Aber Logistikzentren gibt es auch viele entlang bundesdeutscher Autobahnen. Auch wenn der Insolvenzverwalter auf den guten Namen der Marke und auf die treue Kundschaft verweist, wenn in den kommenden Wochen auch hier wieder die bekannten angeblichen Übernahmeinteressenten aus dem In- und Ausland auftauchen: Man kann den mehr als 6000 Beschäftigten nur wenig Hoffnung machen. Ein Verkauf als Ganzes ist schon vor drei Jahren mangels Interessenten gescheitert.

          Es gibt keinen Grund, warum sich heute die Bewerber drängeln sollten. Der Konkurrenz fällt der in Augsburg wegfallende Umsatz eh in den Schoß - ohne Geld, und für Branchenfremde ist der Buchmarkt nicht sehr attraktiv. Außer für die angeschlossenen Internetversender (weltbild.de, jokers.de oder buecher.de) oder für die beiden ausländischen Tochtergesellschaft stehen die Übernahmechancen daher eher schlecht. Die größte Hoffnung für die Beschäftigten ist das allgemeine Wirtschaftswachstum, das in anderen Unternehmen Stellen schafft, die man besetzen kann.

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