https://www.faz.net/-gqe-a61pr

Folgen der Pandemie : Friseurkette Klier drohen Stellenabbau und Filialschließungen

Eine Friseurin rasiert einem Kunden die Haare. Bild: Franziska Gilli

Während des Lockdowns im Frühjahr mussten die Friseure schließen. Deutschlands größte Kette Klier hat es hart getroffen. Ohne Einschnitte geht es nicht weiter.

          1 Min.

          Die Folgen der Corona-Pandemie haben Deutschlands größten Systemfriseur in arge Nöte gebracht. Weil die Läden während des Lockdowns im Frühjahr komplett schließen mussten und keinen Umsatz mehr machten, die Fixkosten für Ladenmieten und zum Teil auch für das Personal jedoch weiterliefen, hatte die Klier Hair Group GmbH aus Wolfsburg Anfang September einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Betroffen sind damit mehr als 9000 Mitarbeiter in rund 1300 Filialen in ganz Deutschland. An diesem Dienstag entscheidet nun das Amtsgericht Wolfsburg über die Annahme des Hauptverfahrens. Im positiven Fall kann das Unternehmen dann einen Restrukturierungsplan für seine Gläubiger erarbeiten.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Klar ist aber: Ohne tiefere Einschnitte wird es für das Familienunternehmen nicht weitergehen. Die „Bild“-Zeitung berichtete am Montag, dass rund jeder dritte Friseursalon geschlossen und bis zu einem Fünftel der Arbeitsplätze wegfallen könnte. Eine Angabe der Quellen gab es nicht. „Wir können diese Inhalte so nicht bestätigen“, kommentierte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der F.A.Z. die Zahlen. Sie seien allenfalls eine Rechengröße für das schlimmste Szenario, räumte er aber ein. Derzeit führe man jedoch noch viele Verhandlungen etwa mit Ladeninhabern über künftige Mieten, von denen die Sparmaßnahmen letztlich abhingen. Mit einem endgültigen Sanierungskonzept sei im Januar zu rechnen, hieß es. Darüber müssen dann die Gläubiger entscheiden.

          Wachstumsmodell stößt schon länger an seine Grenze

          Klier ist der mit Abstand größte Systemfrisör in Deutschland in einem ansonsten sehr kleinteiligen Markt mit rund 200000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz vor der Corona-Krise zwischen 6 und 7 Milliarden Euro. Das Geschäftsmodell war jedoch schon vor einiger Zeit an seine Grenzen geraten, wie Geschäftsführer und Erbe Michael Klier in einem Gespräch der F.A.Z. verriet. Denn das Wachstum durch neue Läden in neuen Einkaufszentren geriet ins Stocken, weil mittlerweile in Deutschland eine gewisse Sättigung mit solchen Shopping-Centern erreicht ist.

          Klier war auch dafür bekannt, über den eigenen Bedarf hinaus Personal für kleinere Betriebe auszubilden. Doch die Ausbildungsbereitschaft der gesamten Branche geht im Corona-Jahr 2020 deutlich zurück. Das Friseurhandwerk berichtet mit Verweis auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, dass die Zahl der angebotenen Stellen um rund 14 Prozent gesunken ist.

          Weitere Themen

          Frauenanteil in Vorständen erreicht Höchstwert

          Management : Frauenanteil in Vorständen erreicht Höchstwert

          In den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen ist der Anteil von Frauen erstmals über 15 Prozent gestiegen. Der Ton in den Führungsgremien werde freundlicher und wertschätzender, sagen Aufsichtsräte.

          Topmeldungen

          Joe Biden und Kamala Harris nach deren Vereidigungen am Mittwoch in Washington

          Amerika-Liveblog : Joe Biden und Kamala Harris vereidigt

          Joseph R. Biden als 46. Präsident vereidigt +++ Kamala Harris erste Vizepräsidentin der amerikanischen Geschichte +++ Trump in Florida gelandet +++ erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen hier im Liveblog.

          Abschied aus Washington : Trumps vorerst letzte Show

          Trump zelebriert seinen Abschied, als wäre noch Wahlkampf. Die neue Regierung werde es gut machen – denn er habe ihr eine gute Grundlage gelegt. Und Biden? Der Name fällt nicht.
          Uiguren in einem chinesischen Internierungslager im Jahr 2017

          Kritik der Vereinigten Staaten : Begeht China einen Genozid?

          Umerziehungslager und Zwangssterilisationen: China geht hart gegen die ethnische Minderheit der Uiguren vor. Amerikas scheidender Außenminister spricht von einem Genozid. Was folgt daraus für Joe Biden?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.