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Air Berlin und TUI-Fly : Urlaubsflüge werden billiger

Diese Air Berlin-Maschine hebt ab, einige andere dürften auch am heutigen Donnerstag am Boden bleiben. Bild: AFP

Der Reisekonzern TUI und der Air-Berlin-Aktionär Etihad haben Gespräche über einen Flugverbund bestätigt. Ein solcher wäre die Nummer eins auf Urlauberstrecken. Rivale Condor steht dagegen ohne Partner da.

          Nach Tagen der Spekulationen folgte die Stunde der Wahrheit: Der Reisekonzern TUI und der Air-Berlin-Großaktionär haben am Mittwoch offiziell bestätigt, dass „sie sich in Gesprächen zur Gründung eines neuen europäischen Airline-Verbundes befinden“. In einer gemeinsamen Mitteilung hieß es, „zu gegebener Zeit“ werde ein Grundsatzabkommen für den Verbund unterzeichnet, über dessen mögliches Entstehen seit mehr als einer Woche in der Branche geredet wird.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Allianz würde die Wettbewerbsbedingungen im Urlaubsfluggeschäft grundsätzlich ändern. Der Verbund würde aus dem Stand der größte Ferienfluganbieter Zentraleuropas mit mehr als 60 Flugzeugen werden. Dafür käme die Flotte der deutsche TUI-Gesellschaft TUI Fly, des österreichischen Air-Berlin-Ablegers Niki sowie 14 Flugzeuge, die TUI langfristig samt Personal an Air Berlin vermietet hat, zusammen.

          Für Reisende ist mit dem Verbund zunächst eine gute Nachricht verbunden. Kaum ein Luftfahrtmanager rechnet noch damit, im kommenden Jahr teurere Tickets für Urlauberstrecken absetzen zu können. Im Gegenteil: Der ohnehin tobende Preiswettkampf, den Air Berlin als Grund für sein verschlechtertes Halbjahresergebnis genannt hatte, dürfte sich noch zuspitzen.

          Billigflieger machen Druck

          Für Konkurrenten wie die Gesellschaft Condor aus dem Reisekonzern Thomas Cook verdüstert sich der Ausblick. Während TUI, Etihad und Air Berlin zusammenfinden, steht sie aktuell ohne Partner da. Um Kooperationsgespräche mit dem Lufthansa-Ableger Eurowings war es schon vor Wochen ruhig geworden. „Condor beobachtet die Marktentwicklungen genau“, sagte ein Sprecher.

          Ohnehin stehen zu viele Flugzeuge parat, um Urlauber zu Badestränden zu bringen. Und das Überangebot nimmt noch zu, da Billigfluggesellschaften wie Easyjet, Norwegian und Vueling in diesem Markt drängen. Am Dienstag hatte die irische Gesellschaft Ryanair angekündigt, ihr Angebot ab Hamburg auszubauen.

          Ab 2017 fliegt sie von der Hansestadt aus auch nach Gran Canaria, ins griechische Thessaloniki und nach Faro im Süden Portugals. Zudem kündigte Ryanair an, wegen des Wachstums in den nächsten zwölf Monaten 3000 zusätzliche Flugbegleiter und Piloten beschäftigen zu wollen.

          Nicht nur gegen Ferienflugallianz keimen Einwände

          Auch Air Berlin räumte am Mittwoch ein, an den Verhandlungen von TUI und Etihad beteiligt zu sein. Dabei hatte Vorstandschef Stefan Pichler noch vor einer Woche Fragen nach einem Ferienflugverbund mit Teilen der Air-Berlin-Gruppe brüsk zurückgewiesen. Damals hieß es allgemein, man prüfe „strategische Optionen“. Offiziell erklärt nun die angeschlagene zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, deren Flotte vor der Aufspaltung steht, man habe „entschieden, sich den Gesprächen von Etihad Airways mit der TUI AG anzuschließen“.

          Derweil ist mit der Erklärungen des Tages auch klar, dass Air-Berlin-Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi der Drahtzieher in den Verhandlungen ist, an deren Ende eine Neuordnung des Air-Berlin-Geschäfts und auch des gesamten deutschen Urlaubsflugmarktes stehen soll.

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          Wettbewerber blicken indes argwöhnisch auf die Kooperationen, die nach der Aufspaltung der Air-Berlin-Flotte entstehen sollen. „Wichtig ist, dass sichergestellt wird, dass Kunden weiterhin von einem offenen Markt profitieren und ein fairer Wettbewerb unter den Airlines gewährleistet ist“, heißt es bei Condor. Nicht nur gegen die Ferienflugallianz keimen Einwände.

          Auch am Donnerstag Verzögerungen

          Bedenken gibt es auch gegen die in der vergangenen Woche angekündigte Zusammenarbeit von Air Berlin mit der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings, die rund 40 Flugzeuge samt Personal von den Berlinern leasen soll. Von Ryanair ist gar zu vernehmen, dass der Leasingvertrag, der sechs Jahre laufen soll, faktisch einer Übernahme eines Air-Berlin-Teils gleichkomme, die wettbewerbsrechtlich zu prüfen sei.

          Für die Beschäftigten von TUI Fly stehen indes die Sorgen um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze im Vordergrund. TUI-Fly-Chef Jochen Büntgen gelang es nicht, diese Bedenken auszuräumen, obwohl er in einem Mitarbeiterschreiben mitteilte: „TUI Fly ist eine deutsche Gesellschaft, die auch in Zukunft weiter am Standort Hannover operieren wird.“ Am Mittwoch kam es den dritten Tag in Folge wegen zahlreicher Krankmeldungen zu Beeinträchtigungen, jeder vierte Flug sollte nach Unternehmensangaben ausfallen.

          Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa drohen auch am heutigen Donnerstag Ausfälle. Größere Folgen verhinderte die Gesellschaft, indem sie kurzfristig Flugzeuge mit Besatzungen von anderen Anbietern anmietete. Gewerkschaften befürchten, dass im neuen Ferienflugverbund Stellen und Gehaltshöhen zur Disposition stehen.

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