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Gewinn fällt um 53 Prozent : Geopolitische Spannungen rütteln Samsung durch

Samsungs Stand auf der Elektronikmesse IFA in Berlin im August 2018 Bild: dpa

Ein schwächerer Markt für Speicherchips und der Handelskrieg zwischen Amerika und China bereiten Samsung große Sorgen. Der Gewinn halbiert sich. Dennoch bleiben die Südkoreaner zuversichtlich.

          In der Zange zwischen einem schwierigen weltwirtschaftlichen Ausblick und japanischen Exporthemmnissen für entscheidende Vorprodukte verzichtet der südkoreanische Vorzeigekonzern Samsung Electronics vorerst auf einen neuen Plan, wie er nicht benötigtes Geld an seine Aktionäre zurückgeben will. Wegen der Unsicherheiten sei eine vertretbare Prognose für den frei verfügbaren Cash Flow in den Jahren bis 2020 nicht mehr möglich, begründete Robert Yi, Samsungs Chef für Anlegerbeziehungen, den vorläufigen Verzicht auf Rückzahlungen an die Aktionäre. Die Nachricht überschattete am Mittwoch den starken Gewinneinbruch, den Samsung schon zuvor in den Grundlinien angedeutet hatte.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Überschuss fiel um 53 Prozent auf 5,18 Billionen Won (3,9 Milliarden Euro). Entscheidend dafür ist, dass Samsung in einer Baisse des Marktes für Speicherchips weniger Gewinn mit den elektronischen Bausteinen macht. Der Aktienkurs gab am Mittwoch in Seoul um 2,6 Prozent nach auf 45350 Won. Der Umsatz Samsungs sank im Zeitraum von April bis Juni gegenüber Vorjahr um 4 Prozent auf 56,1 Billionen Won und das Betriebsergebnis um 56 Prozent auf 6,6 Billionen Won.

          Samsungs Kerngeschäft wird von geopolitischen Spannungen durchgerüttelt. Der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China stellt bisherige Lieferketten in Frage und belastet die Aussichten für eine schnelle Erholung des Markts für elektronische Speicherbausteine. Spannungen zwischen Südkorea und Japan über Entschädigungszahlungen für frühere südkoreanische Zwangsarbeiter belasten Samsung indirekt, weil Japan seit Anfang Juni die Ausfuhr wichtiger Vorprodukte für die Halbleiterproduktion mit verschärften Exportkontrollen belegt hat. Die Regierung in Tokio begründet dies mit Sicherheitsbedenken gegenüber Südkorea. Japan steht kurz davor, weitere Exportkontrollen gegenüber Südkorea zu verschärfen.

          Hoffen auf Erholung

          „Auch wenn die japanischen Maßnahmen den Export der Materialien nicht verbieten, stehen wir vor Schwierigkeiten als Folge der Belastungen durch die neuen Exportgenehmigungen und die Unsicherheiten, die der Prozess mit sich bringt“, sagte Yi. Samsung bemühe sich, negative Folgen für den Produktionsprozess zu minimieren. Zuletzt steigende Preise am Spotmarkt für Speicherchips charakterisierte Samsung nicht nur als Reaktion auf die japanischen Exportkontrollen, sondern auch als erste Vorboten einer Wende zum Besseren.

          Denn trotz der neuen Unsicherheiten gab Samsung sich mit Blick auf die weitere Entwicklung des Marktes für Speicherbausteine zuversichtlich, weil eine zyklische Schwäche überwunden werde. Das zweite Halbjahr soll eine gewisse Erholung bringen, nachdem im Zeitraum von April bis Juni Anbieter von Datenzentren ihre Lagerhaltung angepasst und mit dem Kauf von Speichermodulen wieder begonnen hätten. Samsung, der global größte Anbieter von Speichermodulen, setzt auch darauf, dass künftige mobile Produkte wie Handys oder Tablet-Rechner nach mehr Speicherkapazitäten verlangten.

          Im zweiten Quartal lag der Verkauf von Speicherbausteinen mit 12,3 Billionen Won zwar noch 34 Prozent niedriger als vor einem Jahr, aber 7 Prozent höher als im Vorquartal. Der Betriebsgewinn in der Sparte Halbleiter lag indes 70 Prozent niedriger als vor einem Jahr und erreichte nur 3,4 Billionen Won. Niedriger lag der operative Gewinn in diesem Segment zuletzt vor fast drei Jahren.

          Weniger Gewinn mit Smartphones

          Es gebe derzeit keine Pläne, die Produktion an Halbleitern künstlich zu verringern, erklärte Chun Se-won, der Vizepräsident des Halbleitergeschäfts von Samsung in einer Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen. Samsung will die Produktionslinien aber weiterhin nach dem aktuellen Bedarf ausrichten. Analyseunternehmen sehen aber gerade am Markt für dynamische Speicherbausteine (DRAM) ein Überangebot. Gartner erwartet in diesem Jahr einen Preisverfall um 42 Prozent und sieht Besserung erst im zweiten Quartal des kommenden Jahres.

          Die Schwierigkeiten am Markt für Speicherbausteine drücken Samsung umso mehr, weil mit den mobilen Telefonen auch das andere wichtige Standbein des Konzerns kriselt. Der Absatz im Geschäftsbereich mobile Geräte lag zwar mit 24,27 Billionen Won 7 Prozent höher als vor einem Jahr. In der Gewinnrechnung macht das aber noch nicht viel aus. Der Betriebsgewinn in der Sparte Informationstechnik und mobile Kommunikation lag mit nur noch 1,56 Billionen Won 42 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Niedriger lag der Gewinn zuletzt im dritten Quartal 2016, als Samsung wegen Brandgefahr das Spitzenmodell Galaxy Note 7 vom Markt nehmen musste.

          Samsung klagte über schleppende Verkäufe seines Spitzenmodells und einen sich verschärfenden Preiswettbewerb bei billigeren Handys. Das Unternehmen setzt auf Nachfrage Impulse durch das neue reguläre Spitzenmodell Galaxy Note 10 und das neuartige Klapp-Handy Galaxy Fold, das wegen technischer Schwierigkeiten verspätet im September ausgeliefert werden soll.

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