https://www.faz.net/-gqe-7ijb8

Genveränderte Pflanzen : Und dann schuf Gott Monsanto

  • -Aktualisiert am

Versuchskaninchen: Diese Rinder in Kalifornien essen nur genveränderten Mais Bild: Jan Grossarth

Die Farmer in Amerika bauen fast nur noch genveränderte Pflanzen an. Das finden viele Menschen furchtbar. Um zu verstehen, warum sich Genmais und Soja trotzdem so schnell verbreiten, fragt man am besten die Bauern, die sie säen.

          Monsanto hat schon viele schön-schreckliche Geschichten geliefert. Sie handeln von Korruption und gemeinen Patentklagen, von gekauften Studien und unheimlichen Vernetzungen des Saatgutkonzerns in die Politik und in die Wissenschaft.

          Zusammengenommen kann das ganze kriminalistische Bücher ergeben, die zum Schluss kommen, hier strebe jemand nach Weltmacht und totaler Kontrolle. Ein Monopolist, der sich das Lebensnotwendige patentieren lässt. Erst am vorletzten Wochenende trieb die Empörung Menschen in vielen hundert Städten auf der Welt auf die Straße. Meist nahmen wenige hundert teil. In Denver zum Beispiel waren es aber mehr als tausend. Sie trommelten in Masken, spielten Gitarre und trugen Schilder, auf denen Totenköpfe und Gasmasken zu sehen waren: „Gentechnik tötet!“ Eines illustrierte, wie dem Chef von Monsanto der Kopf abgeschnitten wird.

          Der Protest ist nicht neu und kommt nicht zur Ruhe. Aber die Realität hat die Skeptiker und Alarmisten längst eingeholt. Genmanipulierte Pflanzen, die in Deutschland verboten und politisches Tabuthema sind und nur in Teilen Europas mehr als Zukunftstechnologie denn als Bedrohung wahrgenommen werden - sie dominieren längst hier in Nordamerika.

          Ernte mit schweren Maschinen

          Die Aufregung findet in Amerika auch in den Städten statt. Auf dem Land - dort, wo die Saaten wachsen - ist die Revolution in aller Ruhe passiert. Zum Beispiel in Kalifornien. Trocken sind die Böden hier, etwa rund um die Stadt Tulare im sogenannten Zitronengürtel südöstlich von San Francisco.

          Das ist trotz der Trockenheit die Region in den Vereinigten Staaten, in der am meisten Milch erzeugt wird. Um die Milchkühe zu füttern, bauen die Farmer Mais an. Hier protestieren nur die Farmer - nicht gegen Monsanto, sondern gegen politische Pläne, die Landwirtschaft zu sparsamerem Umgang mit dem Wasser zu zwingen.

          „Ich liebe die Gentechnik“: Mexikanischer Arbeiter am Steuer des Feldhäcklers im Maisfeld

          Entlang der langen Straßen rund um Tulare haben Farmer Protestschilder aufgestellt: „Wasserkürzung = höhere Lebensmittelpreise!“ Der Hochleistungsmais saufe mehr Wasser als gewöhnliche Pflanzen, sagten Skeptiker. Und das wird knapper. Der Klimawandel ließ die Schneefälle in der nahen Sierra Nevada weniger werden und damit die Menge an Schmelzwasser, das im Sommer eine wichtige Wasserquelle ist. Hier in Tulare drücken Felder und Plantagen der Landschaft ihren öden Stempel auf.

          Bewässerungsgräben fluten die Felder, Flugzeuge düngen und spritzen. Kalifornien gilt als Gewächshaus Amerikas - und Amerika ist eines für die halbe Welt. Wie auch deren Experimentierlabor. In Kalifornien, wo die Geschichte der Pflanzengentechnik in den achtziger Jahren im Unternehmen Calgene begann, das später wie viele andere von Monsanto geschluckt wurde, wächst heute kaum noch eine Mais-, Soja- oder Baumwollpflanze, deren Erbgut nicht im Labor verändert wurde. Und für deren Nutzung die Farmer nicht jährlich eine hohe Gebühr an die Gentech-Konzerne zahlen.

          Der Mais des Grauens

          In den Vereinigten Staaten hat der Anteil genveränderter Organismen (GVO) am Mais, Soja- und Baumwollanbau in diesem Jahr erstmals 90 Prozent erreicht. Die meisten Pflanzen sind gegen Schädlinge resistent, gegen das Pestizid Glyphosat oder beides. Auch in vielen Entwicklungsländern nehmen die Anbauflächen stark zu. Die Pflanzen kommen nicht nur von Monsanto - auch aus den Laboren von Pioneer, Syngenta, Bayer, KWS, CAAS aus China oder Nath Seeds aus Indien. Es gibt veränderte Tomaten, Paprika, Papaya. In verarbeiteten Lebensmitteln und als Tierfutter gelangt ein Teil der Ernte ins restriktive Europa, wo nur in wenigen Staaten wenige Sorten angebaut werden.

          Weitere Themen

          „Epochale Zerstörung“

          Waldsterben : „Epochale Zerstörung“

          Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt setzt sich weltweit für den Naturschutz ein. Die Waldbrände in Südamerika sorgen für Entsetzen. Aber auch in Deutschland ist die Lage ernst.

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.